Wer ist der Werwolf? Munteres Rätselraten im Gruselschloss
Scheinbar wahllos lädt Graf Istvan zwölf Personen in ein altes Schloss ein, das seit dem Mittelalter verriegelt war. Als am Abend ein Schneesturm aufzieht, sind die Zwölf im Schloss eingesperrt. Plötzlich verschwinden Leute. Ein wildes Tier scheint in den düsteren Gemäuern sein Unwesen zu treiben. Ein Werwolf? Oder spielt der Graf ein sadistisches Spiel mit den Anwesenden? Ein lebensbedrohliches Katz-und-Maus-Spiel beginnt.
Howling V (1989) vollzieht einen Quantensprung, der bitter nötig ist. Während Part II und III hinrissigen Trash bieten, ist Part IV ein schnarchlangweiliges Remake des ohnehin nur mittelmässigen ersten Teiles. Eigentlich sollten wir uns wundern, wie es die Howling-Serie überhaupt bis zum fünften Teil geschafft hat … Aber was soll’s, so ist es nunmal; da müssen wir jetzt durch. Doch halt, so schlimm ist es gar nicht. Der vorliegende Film von Neal Sundstrom wird Howling-Connaisseuren das Staunen beibringen. Er ist nämlich halbwegs kompetent. „Hallelujah“, singen die Engel! Na gut. Vielleicht ist es ein bisschen zu früh, um in Lobhudeleien auszubrechen.
Das Skript ist überraschend wendungsreich, führt die Figuren allerdings nur als stereotype Skizzen ein. Da gibt es einen neunmalklugen Professor, eine Femme Fatale, einen tollpatschigen Hallodri, einen blassen Schönling, eine berühmte Filmschauspielerin und eine naive Idiotin. Identifizieren kann man sich mit keinem, was dem Mitfiebern spürbar im Wege steht. Von Anfang an ist klar, dass die Charaktere als Kanonenfutter konzipiert sind. Dennoch gelingt es Sundstrom ganz gut, Spannung aufzubauen: Er setzt das Schloss wunderbar gespenstisch in Szene und einige der Jump Scares treffen mitten ins Schwarze. Die Musik ist grandios gruslig. Wann immer einer der Gäste stirb, haut uns Sundstrom einen musikalischen Cue um die Ohren. Ein Chor singt hysterisch sowas wie: „Sanctus! Sanctuuus!“ Das ist episch und kultig, wird Horrorfans aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Werwölfe in Howling V so rar sind, wie intelligente Dialoge.
Dieser Film ist eine Mischung aus Slasher und Mystery im Stile von Agatha Christies And Then There Were None. Das Rezept ist aufgegangen und die Geschichte einigermassen einnehmend, wenn der Twist auch vorhersehbar ist. Das Schauspiel ist nicht gerade hochstehend, sehen wir mal von Phil Davis (Alien 3) als bezaubernd arroganter Graf ab. Elizabeth Shé als naive Marylou ist die Königin des Underacting: „No. This is not real. Please say it’s not real. (Gähn.)“
Howling V ist die erste gelungene Fortsetzung von Joe Dantes The Howling. (Hat ja nur vier Anläufe gebraucht.) Nach dem katastrophalen Howling IV wirkt dieser Film, als hätte Hitchcock persönlich ihn gedreht. Aber so ist es leider nicht. Auch mit diesem Streifen hievt sich die Serie nicht aus dem Territorium des obskuren Horror-Dilettantismus heraus.
5/10