Nach dem tragischen Verlust ihres kleinen Sohnes Mateo, der in einem unbeaufsichtigten Moment von einem Berg in den Tod stürzte, ist Iris (Kelsey Asbille) nicht mehr dieselbe. Eines Morgens fährt sie in aller Frühe allein zu jenem Berg, betrachtet noch einmal ein paar Kerzen und ein Bild des verunglückten Kindes, die an einem Baum in der Nähe stehen und schreitet dann selbst entschlossen zur Unglücksstelle. Doch während sie noch am Abgrund steht, in den sie aus Schuldgefühlen gleich selbst springen möchte, kommt ein Fremder (Finn Wittrock) des Weges und versucht, sie in ein Gespräch zu verwickeln. Es dauert ein wenig, bis er die junge Mutter aus ihrer Trauer herausreißen kann, dann jedoch entwickelt sich ein kurzes Gespräch - der Fremde hatte offenbar auch einen Verlust zu verkraften - und Iris geht wieder zurück Richtung Auto.
Eine glückliche Rettung? Mitnichten. Der fremde Mann Mitte Dreißig, der sich als "Richard" vorgestellt hat, hat seinen Wagen so dicht an ihrem geparkt, daß sie über die andere Türe einsteigen muß. Diesen Moment nutzt der Fremde, um Iris mit einem Taser außer Gefecht zu setzen. Als sie wieder erwacht, sitzt sie mit Kabelbindern gefesselt in seinem Wagen und "Richard" erzählt ihr beiläufig, daß er ihr ein Serum gespritzt hat, das sie langsam aber sicher bewegungsunfähig werden läßt. Der Fahrer outet sich dabei als Serienvergewaltiger und äußert auch, daß er sich schon auf die bevorstehende gemeinsame Zeit in seiner Hütte in dem weitläufigen Waldstück freut. Iris gelingt es, einen Unfall zu provozieren und aus dem Wagen zu fliehen, was jenen "Richard" allerdings nicht sonderlich beeindruckt. Er ruft ihr noch nach, daß ihr nur noch kurz Zeit bliebe, bis sie zusammenbrechen würde, und tatsächlich wird Iris bei ihrer Flucht immer langsamer und das Atmen fällt ihr immer schwerer...
Don't Move startet relativ unvermittelt und kommt ohne große Umschweife schnell auf den Punkt: eine junge Frau muß vor einem Vergewaltiger fliehen, der ziemlich selbstsicher auftritt und seine Taten offenbar sehr gut vorbereitet hat. Doch obgleich sie tatsächlich bald bewegungsunfähig wird, gibt ihr das Regisseursduo Brian Netto / Adam Schindler immer wieder die Chance, etwas an ihrer denkbar ungünstigen Lage zu ändern. Der Täter hat sie zwar bald wieder in seiner Gewalt, doch am Weg zu dessen Ziel gibt es noch ein paar Hindernisse zu überwinden.
Kelsey Asbille vermittelt dabei - unterstützt von der Kamera, die häufig ihre Perspektive einnimmt - eindrucksvoll ihre Zwangslage, in der sie über weite Strecken nichts anderes als ihre Augenlider zu bewegen vermag. Ihre Hilflosigkeit und ihr verzweifelter Kampf, ihre Körperlichkeit wiederzuerlangen, lassen das Publikum sofort mit der jungen Frau mitfiebern. Man spürt in jeder Sekunde ihren unbändigen Überlebenswillen, mit dem sie auch nach den kleinsten Möglichkeiten zum auf sich aufmerksam machen bzw. zur Flucht sucht. Und jedesmal werden diese Versuche von dem durch die Bank fiesen und verabscheuungswürdigen Vergewaltiger zunichte gemacht, den Finn Wittrock ebenfalls sehr authentisch, wenngleich sehr unangenehm authentisch verkörpert. Auch die wenigen Nebenfiguren des Streifens, wie z.B. der alte Bill (Moray Treadwell) oder die zufälligen Zeugen an einer Tankstelle sind gut durchdacht, sodaß das hohe Spannungslevel, das Don't Move schon nach wenigen Minuten aufzieht, lange Zeit erhalten bleibt.
Dieses Konzept eines schnörkellosen Terrorfilms geht etwa eine Stunde lang gut, dann jedoch bricht der Film doch noch ein. Etwa ab dem Auftauchen des Streifenpolizisten wird die Handlung unglaubwürdig: zu viele Zufälle, zu viele Leichen und Brände, die ohne die geringsten Konsequenzen bleiben. Das größte Logikloch jedoch besteht darin, daß der Vergewaltiger ganz zu Beginn des Films etwas Persönliches von sich preisgibt, was jemand, der mit festem Vorsatz ein Verbrechen plant, niemals tun würde. Und natürlich ist genau diese Information der Hebel, mit dem Iris schlußendlich ansetzen kann, jenen "Richard" entscheidend aus dem Konzept zu bringen. Das ist ein bißchen schade, denn über gut zwei Drittel des Films hielt einen das Schicksal der quasi zum Nichtstun verdammten Hauptdarstellerin mitfiebernd am Bildschirm, bevor die ärgerlichen Wendungen kamen, die die Story letztlich noch herunterziehen.
Fazit: Don't Move, mit geringem Budget in Bulgarien gedreht, der von der Ausgangslage her an den 2015er Curve erinnert, vermag über weite Strecken spannend zu unterhalten, kann diese Spannung jedoch nicht über die Ziellinie retten und säuft im letzten Drittel dialogtechnisch in Küchenpsychologie und handlungstechnisch in bemühter Action ab. Dank der bemerkenswerten Performance von Kelsey Asbille bleiben dafür insgesamt immerhin noch 6 Punkte.