Schockstarre
„Don't Move“ fällt am ehesten in die Kerbe solcher spannungsreichen „(Road)Kammerspiele“ wie „Trunk“, „Buried“, „Curve“, „Red Eye“ oder „Phone Booth“. In dem exklusiven Netflixthriller spritzt ein Serienmörder einer trauernden Frau in der waldigen Landschaft eine lähmende Substanz, sodass ihr immer stärker aufkommender Zustand ihren Überlebenskampf gegen Natur und ihren Angreifer noch deutlich schwerer macht als eh schon…
Dann geh doch zu Netto!
Nicht klassisches Horrorfutter für den späten Oktober, dennoch die meiste Zeit angespannt und sehr direkt. Seine Lauflänge und Ideen strapaziert er nicht über. Er kommt umweglos zu seiner „Situation“. Er überpaced nicht. Beide Leads spielen das glaubhaft. Wittrock darf endlich mal außerhalb der „American Horror Story“ zeigen, was er kann. Und die Dame macht sehr viel mit kleinen Details, Bewegungen, Mimik. Muss sie ja auch, hat sie keine andere Wahl, das ist das Konzept. Dennoch musst du das erstmal so bringen. Der Score geht sehr aggressiv nach vorne, springt einem förmlich ins Gesicht (bleibt aber nicht im Ohr). Das muss man mögen. Die Credits zu Beginn sind ebenfalls wuchtig und irgendwie passend zum Krimi eine modernisierte Art von Saul Bass. Und für seine begrenzte Lage packt er immer wieder alle paar Minuten neue Ideen und Hindernisse auf den Weg. Für alle Beteiligten. Das muss er auch. Aber das ist dennoch beachtlich. Selbst wenn beispielsweise Natur, Polizisten oder Missverständnisse, Messer oder tragische Backstories jetzt keine Kreativitätspreise gewinnen. Aber sie erfüllen ihren Zweck. Und ich bin davon überzeugt, dass „Don't Move“ auch dem „perfekten Netflixfilm“ sehr nahe kommt. Klar, deutlich, leicht zugänglich, ohne doppelte Böden, große Zielgruppe, viele Überschneidungen, spannend, nachvollziehbar, nicht lang. Das heißt nicht, dass das der perfekte Thriller oder Film ist. Doch er scheint maßgeschneidert für sein Publikum und für einen Kopf-aus-Freitagabend mit Frau, Hund und vielleicht 'nem Bier. Was aber natürlich auch bedeutet, dass er nie auch nur ansatzweise ausartet oder richtig böse wird, an Grenzen geht oder herausfordert, wagt, gewinnt, im Kopf bleibt. Alles bleibt massentauglich und brav. Aber während seiner Laufzeit und für das große rote N macht er wenig falsch.
Der Anti-„Dexter“
Fazit: konzentriertes und knackiges Giftduell, das sicher selbst Hitchcock nicht schlecht gefunden hätte. Durchgehend intensiv und spannend. Klein und kompakt. Einfallsreich (genug) und immer intensiv. Macht viel aus wenig (Bewegung)!