Eigentlich wollte Jérôme (Franck Dubosc) mit seiner Patchwork-Familie im Schlepptau nur seinen etwas senil gewordenen Vater Gilbert (Jean Reno) besuchen, um diesen mit dem titelgebenden Gesellschaftsspiel etwas aufzumuntern. Doch dann hatte dieser die Spielregeln vergessen, und da ansonsten auch niemand aus Jeromes Familie, die ohnehin kein Interesse an dem Spiel hatten, jene Regeln kannte, wurde aus dem Spieleabend dann wieder einmal nichts. Beim Zusammenräumen der Kiste mit den Spielkarten jedoch tut sich etwas Unvorhergesehenes: es rattert in der Kiste und plötzlich finden sich alle Beteiligten im Mittelalter wieder...
Zunächst können Jérôme, seine Frau Marie (Suzanne Clément) und die Kinder Clara, Théo und Louise gar nicht fassen, was da im Handumdrehen passiert ist, wie schnell sich das Haus verändert hat und was für seltsam antiquierte Klamotten die Leute im Dorf tragen, mit denen sie zwar kommunizieren können, die jedoch mit Begriffen wie Handy-Empfang, Kreditkartenzahlung etc. so gar nichts anfangen können. Dafür fallen sie alsbald einem Trupp Soldaten auf, deren Hauptmann über das Dorf wacht und die augenscheinlich Fremden mißtrauisch mustert. Können sie dieser Situation mit einem improvisierten Musikstück auf der Laute von Gitarrenlehrer Jérôme gerade noch entkommen, sehen sie sich bald einer viel größeren Gefahr ausgesetzt: die titelgebenden Werwölfe von Düsterwald werden das Dorf nach Einbruch der Dunkelheit heimsuchen und bedrohen dessen Einwohner. Entsprechend den Spielregeln bemächtigen sie sich eines oder mehrerer Dorfbewohner und sind bei Tageslicht nicht mehr von diesen zu unterscheiden - eine knifflige Aufgabe für den Hauptmann, der jeden Tag Verdächtige durch den Henker auf dem Hauptplatz hinrichten läßt und dabei manchmal auch ziemlich danebengreift. Zu ihrem Glück hat Jérômes Familie durch die Zeitreise jedoch auch Superkräfte erhalten, von denen jedes Mitglied bald gewinnbringend Gebrauch macht: der eine kann das Äußere Anderer annehmen, eins der Mädchen bleibt unsichtbar, Jérôme selbst kann Gedanken lesen - schaffen sie es, alle 4 Werwölfe zu identifizieren und mittels der ihnen abgenommenen Karten wieder in die Gegenwart zurückzukehren?
Mittlerweile gibt es das erfolgreiche französische Gesellschaftsspiel Les loups-garous de Thiercelieux und seine deutsche Ausgabe Die Werwölfe von Düsterwald schon über 20 Jahre, sodaß der Gedanke, daraus ein abendfüllendes Fantasyabenteuer für die ganze Familie zu machen, gar nicht so abwegig schien. Umgesetzt hat diese Idee dann Regisseur François Uzan, der auch am Drehbuch mitschrieb und ein paar bekannte französische TV-Darsteller - u.a. den vielseitigen Jean Reno für die Rolle des Großvaters - gewinnen konnte.
Herausgekommen ist mit Loups-Garous (englischer Titel: Family Pack) dann ein fröhlich-buntes Mittelalter-Spektakel, das von Situationskomik lebt, reichlich dumme Sprüche enthält und ab und zu auch ein paar gesellschaftspolitische Themen anpackt, freilich ohne diese zu vertiefen. Eine Patchwork-Familie mit Kindern aus erster und zweiter Ehe, darunter einem dunkelhäutigen, ist den mittelalterlichen Dorfbewohnern natürlich schwer zu vermitteln, ebenso die Tätigkeit einer Anwältin, was Gattin Marie, die auch als Frauenrechtlerin auftritt, nicht recht wahrhaben will, zumal sie sich mit ihrer Forderung nach Scheidungsrecht und ihrer Fähigkeit zu schreiben schnell als Ketzerin bzw. Hexe verdächtig macht. Diese und andere uns heutzutage selbstverständliche Rechte gab es im 13. Jahrhundert natürlich noch nicht, worauf der Film immer wieder mal in humorvoller Weise anspielt.
Doch mit einigem Einfallsreichtum, vielen glücklichen Zufällen und der Mithilfe des Künstlers Piero (Bruno Gouery) gelingt es Jérômes Familie, sich nicht nur gegen aufmerksam gewordene Dorfbewohner, sondern auch gegen die Werwölfe zu behaupten. Dazu müssen die einzelnen Familienmitglieder vor allem einmal zusammenarbeiten, was den verwöhnten Großstadtkids anfangs nicht immer leicht fällt. Die CGI-Wölfe, von denen zwischendurch auch eine Baby-Ausgabe auftaucht, sind entsprechend der vorgegebenen Familientauglichkeit wenig gruselig gestaltet und fauchen meist nur sinnlos in der Gegend herum.
Fazit: Die Werwölfe von Düsterwald ist ein mit reichlich Albernheiten und tanzbarer Musik unterlegter Familienfilm, der dank flottem Erzähltempo keine Längen aufweist, dessen durchwegs flacher Humor sich in diversen Anspielungen ergeht, dabei erfreulicherweise jedoch nie peinlich wird und somit für Jung und Alt gleichermaßen geeignet ist. 6 Punkte.