Ein holpriger, ansatzweise unterhaltsamer Werwolf-Karneval
Ian zieht in ein kleines Dorf irgendwo in der Pampa. Er verliebt sich in Elisabeth, die Tochter des örtlichen Predigers, und knüpft erste Freundschaften mit den Einwohnern. Dann besucht ein Wanderzirkus das Dorf, geleitet von einem blasierten Schönling Namens Harper. Zwischen Ian und Harper scheint es eine mysteriöse Verbindung zu geben. Eine Verbindung, die droht, das friedliche Dorf ins Chaos zu stürzen …
Die nie enden wollende Howling-Serie ist zurück, dieses Mal mit Part VI: The Freaks. Der sechste Teil setzt den Trend fort, den der Vorgängerfilm Howling V bereits vorgezeichnet hat: Weg vom dämlichen Trash hin zum einigermassen ansehnlichen Kino. Wenn man die öde erste Viertelstunde erstmal überwunden hat, bekommt man eine nette Geschichte mit charismatischen Figuren erzählt. (Na ja, immerhin haben diese Figuren einen Charakter, was bei Teil fünf nun so gar nicht der Fall war.) Zentrum das Filmes ist Harpers Kuriositätenkabinett, das Menschen mit körperlichen Deformationen zur allgemeinen Belustigung und Faszination zur Schau stellt. Hope Perello fängt die groteske Zirkusatmosphäre dieses Ortes gut ein. Auch die Verwandlungsszenen werden ordentlich inszeniert; allerdings weniger durch Spezialeffekte, als durch gelungene Schnitttechnik. Manchmal spielt Perello sogar mit Farbkontrasten: zum Beispiel bei einer Kussszene, in der ein Gesicht rot, das andere blau schimmert. Trotzdem liegt die Stilebene dieses Filmes nicht viel höher, als die einer TV-Produktion.
Das Drehbuch beschäftigt sich indes mit Fragen, die im Franchise bisher (fast) nie zur Sprache kamen. Es portraitiert den Werwolf nicht als böses Ungeheuer, sondern als unschuldig Besessener; als „Freak“, der nicht in die Gesellschaft passt und deshalb von ihr verstossen wird. Dieses Dasein als Fremder wird durch eine Liebe zwischen Mensch und Tier aufgebrochen. Ähnliches hatte wohl schon Philippe Mora im Sinn, als er 1987 das spektakulär trashige Sequel Howling III drehte. Perello nimmt sich dieser Thematik wesentlich konsequenter an, liefert aber letztlich nicht viel mehr als Klischees. Was Harper über Freaks zu sagen hat, klingt pompös, ist aber ebenfalls nicht sonderlich tiefgründig. Immerhin hat man sich darum bemüht, ein bisschen über die sozialen Konsequenzen der Lykanthropie nachzudenken.
Handfesten Horror bekommen wir nur selten geboten. Die gruseligen Szenen können an einer Hand abgezählt werden: Ein gut platzierter Jumpscare, eine blutüberströmte Leiche, drei Verwandlungen, und das war’s dann auch schon. Den Werwolf bekommen wir öfters zu Gesicht, nur leider sieht er eher unterentwickelt aus. Das Schauspiel ist dieses Mal ganz in Ordnung; Brendan Hughes als Protagonist Ian ist sympathisch, Bruce Payne als Harker gibt den prahlerischen Bösewicht mit sichtlicher Freude („So f*cking what?!“). Michele Mathesons Stimme nervt zuweilen, als Love Interest Elizabeth kann sie aber durchaus überzeugen.
Im Finale kämpfen zwei Monster gegeneinander. Das Gezappel wird zwar keinen Preis für die beste Choreographie gewinnen, aber wenigstens bietet uns Howling VI etwas Werwolf-Action. Die kommt in der gesamten Reihe ohnehin zu kurz. Es ist zu begrüssen, dass sich das Skript stärker um die Charaktere kümmert und ein paar Fragen anreisst (wenn auch nicht zu Ende denkt), die über das Thema „Schaut mal! Ein Werwolf!“ hinausgehen. Das heisst aber nicht, dass die Geschichte besonders originell oder logisch erzählt wäre. Viele Hintergründe bleiben unerklärt, so etwa die Motive der Gegenspieler Ian und Harper. Technische Pannen sind auch auszumachen: Mindestens zwei Mal hängt ein Mikrophon ins Bild. Toll.
Auch dieser Film wird aus der Howling-Reihe keine prestigeträchtige Horrorserie machen. Ein bemühter Plot mit liebenswürdigen Charakteren ergibt noch lange keinen spannenden Horror. Dafür hätte man mehr Zeit und Geld in die Umsetzung investieren müssen. (Was man wohl beides nicht hatte.) Howling VI ist ein holpriger, ansatzweise unterhaltsamer Streifen. Kann man sich antun, zumal es sich um einen der kompetenteren Howling-Titel handelt.
5/10