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Die Story ist wohlbekannt ( mit diesen oder anderen Rollen- und Ortsnamen ) : Der junge Hutter wird von Herrn Knock auf das Schloss des mysteriösen Grafen Orlok geschickt um ihm Papiere zu überreichen , damit jener ein Haus in der Stadt Wisborg erwerben kann . Doch der Graf ist alles andere als ein freundlicher alter Herr . Er entpuppt sich als blutsaugender Vampir , der Hutter auf seinem Schloss einsperrt , während er sich auf die Reise nach Wisborg macht um sich dort an dem Blut von Hutters Frau Ellen zu laben ...


Bevor jemand weiterliest , möchte ich gleich warnen !
Es handelt sich bei diesem Nosferatu mitnichten um das große Hollywood Remake von 2024 , sondern um das Independet Remake von David Lee Fisher aus dem Jahr 2023 !!!

Als ich den Film gestern auf einem Streamingdienst entdeckte , dachte ich sofort : " Da will Asylum wieder von einem großen Hollywood Film profitieren . Also Danny Trejo anrufen , fragen ob er mal einen Vampir spielen will und in einer Lagerhalle losdrehen . "
Doch nach kurzer Recherche musste ich mich im Geiste bei den Machern entschuldigen . Regisseur und Drehbuchautor David Lee Fisher begann den Film nämlich bereits vor 10 Jahren durch eine Kickstarter Kampagne und benötigte eben diese Zeit um den Film zu beenden . Dass er schon 2005 ein Remake von " Das Kabinett des Caligari " auf die Bildschirme brachte , zeigt , dass Fisher wohl der expressionistische deutsche Horrorfilm am Herzen liegt , denn viel Geld mag bei Teens und auch Erwachsenen mit solchen Themen wohl kaum zu erwarten sein ( es sei denn man presst ein paar Dutzend Millionen in das Projekt und castet bekannte Schauspieler ) .

Und das dieser Film ein Herzensprojekt ist , sieht man ihm durchaus an . Fisher folgt ( wenigstens größtenteils ) nicht nur der Geschichte des Original Films von 1922 , sondern übernimmt die meisten und bekanntesten Aufnahmen . Da wurden Sets möglichst genau nachgebaut , die Schriftstücke sind originalgetreu und auch die Hintergründe wurden dem Klassiker nachempfunden . Die Musik ist passend und teils durchaus gruselig und könnte vielleicht aus einer vertonten " Nosferatu " Version stammen .
Ein regelrechter Besetzungscoup gelang Fisher mit der Verpflichtung von Doug Jones als Titelfigur . Der Mann , der seit Jahrzehnten in die Rollen von Monstern und fremden Wesen schlüpft ( Abe Sapiens in " Hellboy " , Silver Surfer in " Fantastic Four " , der Faun in " Pan´s Labyrinth " usw. ) , ist natürlich genau der richtige Kerl für einen Graf Orlok und hätte den Vampir wohl auch in einem Film mit größerem Budget spielen können . Da nahm man mal eine ( halbwegs ) bekannte Person nicht nur um den Namen auf das Titelbild pinseln zu können , sondern weil er in die Rolle passte . Jones spielt zwar " nur " Max Schrecks Grafen nach , doch dies so überzeugend , dass man ihn auch in dem 1922er Original hätte casten können .

Merkwürdig ist , dass Fisher gerade gegen Ende dann einige Änderungen einbaut . So wird ein großer Teil der Handlung in Wisborg , als dort das Grauen umgeht , gestrichen ( das war wahrscheinlich zu aufwändig ) und Hutter benimmt sich plötzlich wie ein Actionheld , indem er dem Grafen sogar Drohungen hinterher ruft , was ein wenig lächerlich wirkt . Ellen stammt plötzlich von Zigeunern ab ( die Worte des Films ) und kann daher eine Art magisches Amulett / Stein anfertigen und es gibt einen ( nur gaaaanz leicht angedeuteten ) Hinweis auf eine lesbische Sehnsucht von Ruth ( bei der Ellen untergekommen ist ) zu Ellen .

Leider wurden viele Szenen vor Greenscreen gedreht und in , wohl bearbeitete , Bilder aus dem Originalfilm hinein getrickst oder gleich komplett am PC gestaltet . Das sieht in manchen Einstellungen ( z.B. erster Blick auf Orloks Schloß ) , besonders in schwarz weiß , noch ganz gut aus . An anderen Stellen ( z.B. Hutter und Ellen verabschieden sich auf einer Treppe ) wirkt es so , als habe man Figuren aus einem Bild ausgeschnitten und in ein anderes geklebt .

Doch als das größte Manko des Films , stellen sich die Dialoge heraus . Vielleicht nicht unbedingt die Qualität , aber oft , wie sie vorgetragen wurden und auch ihre Länge .
Da wurden die wirklich gut gestalteten Szenen des Originals , das nun einmal ohne Sprache auskommen musste , übernommen , aber dann mit schöner Regelmäßigkeit hinein gequatscht . Da kam es mir so vor , als habe man einen echten Stummfilm mit Szenen eines Sprachfilms zusammengeschnitten und dass das nicht gut gehen kann , kann man sich wohl denken . Vielmehr hätte man ( während des gesamten Films ) versuchen sollen die Dialoge auf ein Minimum zu reduzieren . Diese Dialoge " getragener " vortragen zu lassen und auch ein wenig versuchen sich auf altertümliche Weise zu unterhalten , auch wenn so etwas schnell ein wenig gewollt klingt , wäre auch kein Fehler gewesen . Wenn nämlich im Finale , als sich Orlok Ellen nähert , Hutter Hilfe holt und dann noch lange mit einem Mann redet , von Herrn Knock aufgehalten wird , der wiederum von Wolfram ( Ruths Mann ) erschossen wird , dann unterbricht das einfach die so schön stumm gestaltete Szene des Originals und nimmt ihr jeden Zauber .


Fazit : Bestimmt mit viel Hingabe gemachter " Fanfilm " mit einem Nosferatu , der durchaus in einen " größeren " Film gepasst hätte . Schön zu sehen , dass sich jemand mal für was anderes als " Star Wars " oder " Harry Potter " begeistert , aber einen Grund , warum man sich den Film statt des Originals ansehen sollte , kann ich einfach nicht entdecken . Er fügt dem Original keine neuen Aspekte hinzu und verbessert es auch sonst nicht . Wenn man es aber trotzdem mal versuchen will - beißen wird der Film schon nicht ...

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