Regisseur John Irvin (Hunde des Krieges, Der City Hai) war selbst über acht Jahre in Vietnam als Kriegsberichterstatter. Nun rechnet er in "Hamburger Hill" schonungslos mit dem sinnlosen Vietnamkrieg ab. Wir befinden uns hier an einem völlig unwichtigem Hügel, der Dong Ap Dia heisst und von den Amerikanern die strategische Bezeichnung "Hügel 937" erhielt. Dieser Hügel liegt im Ashau Valley und am 10. Mai 1969 begann man dort mit der unsinnigen Operation "Apache Snow". Diese beinhaltet das einnehmen des Hügels, dafür wurde ein 600 Mann starker Trupp abkommandiert, davon starben in nur zehn Tagen 420 Soldaten. Daher rührt auch der Spitzname "Hamburger Hill", weil die Soldaten regelrecht zu Hackfleisch geschossen und gebombt wurden. Irvin schildert in drastischen Bildern diese sinnlose, zehntägige Operation. Jeden Tag muss der Hügel von neuem erklimmt werden und abends kehrt man stark dezimiert an den Fuß zurück. Bei der Truppe handelte es sich um die 101ste Luftdivision und die B-Kompanie 3/187, in welche auch einige Anfänger waren. Bei gleißender Hitze oder Dauerregen robbt man sich Stück für Stück an die vietnamesischen Stellungen heran, bei Regen macht den Soldaten besonders der Matsch zu schaffen. Man kommt nur mühselig voran, rutscht ohne Halt schnell wieder ab und wird ohne jegliche Deckung sofort erschossen. Hinzu kommt eine wirklich tragische Szene, als ein eigener Kampfhubschrauber dutzende von Soldaten mit dem MG erschießt, weil man sie von den Vietnamesen nicht unterscheiden kann. Auch sonst hat Irvin ein Händchen für Dramatik. Sympatische Charaktere werden gnadenlos verheizt und auch der Tod von Doc Johnson (Courtney B. Vance) könnte nicht trauriger dargestellt sein. Die zehntägige Schlacht am "Hamburger Hill" nimmt die gesamte zweite Halbzeit in Beschlag. Non Stop Dauerfeuer, bildschirmfüllende Explosionen und ein hoher Bodycount regieren die Metzelei. Irvins Inszenierung ist astrein und er artet nie in zu drastischen Brutalitäten aus.
Was nur unpassend daherkommt sind die Klischeecharaktere. Fast jeder Dialog beinhaltet Kraftausdrücke, man prügelt sich wegen einer Kleinigkeit und in fast jedem Gespräch geht es nur um Sex. Es mag zwar sein, dass sich die Soldaten solche Phrasen um die Ohren warfen um sich selbst und den Anderen Mut zu machen, aber ich denke nicht, dass Jeder so war, was hier leider der Fall ist. Die Hauptcharaktere sind Irvin nicht so toll gelungen, bis auf Doc Johnson, der den Irrsinn des Krieges stets hinterfragt und nicht wie zum Beispiel Sgt. Frantz Dylan McDermott) als tumbe Kampfmaschine funktioniert. Auch fällt die Charaktersierung der Rookies zu flach aus. Sie ist nicht intensiv genug, wie in Oliver Stones "Platoon" oder "Wir waren Helden". Trotzdem schockt es den Zuschauer, wenn sie im Dauerfeuer den Tod finden und auch vor der Operation "Apache Snow" muss man sich einige Gefechte mit dem Charlie liefern. Die Kulisse ist dabei immer authentisch und ungemütlich. Irvin geht zum Beispiel auf alle Krankheiten genau ein, die man sich in der grünen Hölle einfangen kann. Ein bisschen unpassend untermalt der Score in einigen Sequenzen. Gerade die beinahe klassische Musik im Finale passt nicht zum Geschehen. Hier hat Philip Glass einen Bock geschossen.
Dafür stimmen die Darsteller, obwohl ihre Charaktere nicht ausgereift sind. Don Cheadle (Swordfish, Traffic), Dylan McDermott (Hardware, The Fear Inside), Courtney B. Vance (D-Tox, Space Cowboys) und andere bekannte Gesichter, geben eine glaubwürdige Darstellung.
"Hamburger Hill" schildert in drastischen Bildern ein völlig sinnloses Unterfangen. Kleine Längen und schwache Charaktere, nebst nicht immer passendem Score, fallen ein wenig negativ ins Gewicht. Trotzdem sehr aufwühlend und authentisch.