"10. Mai 1969. Truppen der 101. Airbourne Division haben den Feind am
Fuss des Hügels 937 in Ashau Valley angegriffen. Nach 10 Tagen und 11
blutigen Angriffen nannten die dort kämpfenden Truppen diesen Ort
Hamburger Hill."
"Hamburger Hill" will mehr sein als seine Anti-Kriegsfilm-Vorgänger der 80er Jahre. Ein Jahr zuvor servierte Oliver Stone mit dem grandiosen "Platoon" einen Beitrag, der bis heute kaum erreicht wurde. Auch "Hamburger Hill" konnte sich nie aus dessen Fahrwasser befreien. Trotz guter Darsteller und deren starker Leistung vermag allerdings nicht so sehr der Funke überspringen wie bei "Platoon". Jenes mag wohl auch an den extrem überzeugenden Leistungen von Berenger, Dafoe und Sheen gelegen haben. "Hamburger Hill" hat keinen aus der Masse herausragenden Charakter, weiß aber durch das Wir-Gefühl der Einheit zu überzeugen.
Darsterllisch ist der Cast von "Hamburger Hill" sogar heute noch nahezu unbekannt. Sehen wir mal vom heute gut mit Rollen ausgestatteten Don Cheadle (Boogie Nights, Hotel Ruanda) und dem mehr oder minder erfolgreichen Dylan McDermott (Tödliche Weihnachten, Ein Date zu dritt) ab. Die Protagonisten wissen aber trotz ihrer Unbekanntheit zu überzeugen.
Die Tragik ist zweifelohne nicht weniger vorhanden wie in Stone's Oscar-prämierten Meisterwerk. Evtl könnte man "Hamburger Hill" sogar etwas mehr Tiefgang zuweisen. Die Charakterzeichnung ist zwar nicht so ausgefeilt, aber dennoch findet man sich schnell zurecht und fühlt mit dem lebenden Kanonenfutter mit. Leider, wie ihn 95% aller Kriegsfilme üblich, wird der Feind (in diesem Falle wiedermal der Vietcong) als unmenschliches Monster dargestellt. Anders als beispielsweise in Clint Eastwoods Beitrag "Flags of our Fathers/Letters from Iwo Jima".
Was die Härte angeht, so schlägt "Hamburger Hill" so manchen anderen Genre-Beitrag um Längen. Selten habe ich so drastische, hammerharte Sequenzen zu Gesicht bekommen. Auch das Ende ist ein Schlag in die Magengrube und visuell ein wahrer Leckerbissen.
FAZIT:
Tragisch, blutig, brutal und schockierend kommt "Hamburger Hill" auf leisen Sohlen daher. Ein meißt verkannter Beitrag, welcher jedem Kriegsfilm-Sympathisanten wärmstens ans Herz gelegt sei. Eine komplett unzensierte DVD-Auswertung wäre in Deutschland mal sehr Wünschenswert.
8/10