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Hamburger Hill ist der Name für einen unscheinbaren Hügel im vietnamesischen Dschungel, der im Rahmen der letzten großen US-Bodenoffensive im Mai 1969 unter unverhältnismäßig hohen Verlusten eingenommen wurde. Und wer nun an Hackfleisch und Ketchup denkt, bekommt sogleich eine sehr treffende Vorstellung von Verlauf und Ausgang der Kampfhandlungen. Ironischerweise besaß der von den US-Militärs nur mit einer Nummer bezeichnete Hügel 937 keinerlei strategischen bedeutsamen Wert und wurde gleich nach der Einnahme wieder aufgegeben. Die anschließend geführte Kontroverse über eine derartige Kriegsführung markierte einen Wendepunkt im Vietnamkrieg und führte fortan zu einer mehr defensiven Strategie der Amerikaner.

Der gleichnamige, auf diesen Ereignissen basierende Film aus dem Jahr 1987 begleitet die Kompanie von Sergeant Frantz (D. McDermott), eine Einheit der berüchtigten „Screaming Eagles“ Fallschirmtruppen der 101. Luftlandedivision, die den Auftrag bekommen, den Hügel einzunehmen. Bevor es in den Kampf geht, bekommen die Soldaten jedoch noch Gelegenheit, sich ein wenig zu vergnügen und sich an die sogenannten Fucking New Guys zu gewöhnen. Denn wie üblich kommen zu den kampferfahren Soldaten neue, unerfahrene Rekruten, was zu anfänglichen Spannungen und Auseinandersetzungen führt. Der Sergeant sieht dies aber gelassen und verpasst den forschen Rekruten anstatt einer Moralpredigt lieber einen nachhaltigen Crashkurs in Sachen Überleben im feindlichen Dschungel. Unterstützt wird er dabei vom Sanitäter Doc Johnson (Courtney B. Vance), der die gute, nachdenkliche Seele der Kompanie verkörpert. Doch auf das, was die Soldaten bei ihrem anstehenden und zunächst nach Routine aussehenden Auftrag erwartet, ist dann niemand wirklich vorbereitet, denn die vermeintlich geschwächte Nordvietnamesische Armee hat ausgerechnet auf Hügel 937 einen schwer befestigten Stützpunkt errichtet. Aber nicht nur die eigene Aufklärung lässt die Truppe im Stich, auch Wetter und sogenanntes Friendly Fire werden ihr Übriges dazutun, dass die unausweichliche Schlacht am Hamburger Hill ihren Namen zu Recht verdienen wird.

Regisseur John Irving (Der City Hai, 1986) gelingt es, mit Hamburger Hill einen gleichermaßen spannenden wie ergreifenden Kriegsfilm abzuliefern, der außerdem gänzlich ohne Pathos und Klischees auskommt. Lediglich als reiner Anti-Kriegsfilm betrachtet kann Hamburger Hill im Vergleich zu Werken wie Platoon oder Der Schmale Grat, deren Thesen ja schon fast als philosophisch zu bezeichnen sind, nicht ganz mithalten. Dafür fehlt es sowohl der Handlung als auch den Dialogen an Tiefgang.

Irving wollte jedoch ganz bewusst einen actionbetonten Kriegsfilm machen, der sich nahe an den tatsächlichen Geschehnissen orientiert. Und wenn Soldaten hauptsächlich damit beschäftigt sind, im Schlamm liegend um Ihr Überleben zu kämpfen, dann muss das Nachdenken über die Sinnhaftigkeit ihres Auftrags erst mal hinten anstehen. Dennoch gelingt Irving mit Hilfe einiger exzellenter Darsteller und wenigen, aber dafür sehr markanten Dialogen eine sehr gute Portraitierung der Hauptcharaktere sowie deren Stimmungslage. Eine besonders starke Bindung zu einzelnen Charakteren entsteht zwar nicht, jedoch fiebert man im Kampfgeschehen mit und ist betroffen, wenn ein Protagonist nach dem anderen den sinnlosen Gipfelsturm mit seinem Leben bezahlen muss. Am Ende bleibt dann die Nachdenklichkeit dort, wo sie auch am meisten Sinn macht, nämlich beim Zuschauer.

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