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Als Nachzüglerkind lebt Lucy (Madison Bailey) schon ihr ganzes kurzes Leben mit den Nachwirkungen der traurigen Geschichte ihrer Schwester Summer: ihre Eltern haben ständig Angst um sie und freuen sich gar nicht, als sie eine positive Rückmeldung auf ihre Bewerbung bei der NASA erhalten hat - denn dazu müßte sie eine zeitlang in eine andere Stadt ziehen. Dabei hatte  Lucy nie Gelegenheit, ihre ältere Schwester kennenzulernen, da diese 20 Jahre zuvor einem unbekannten Serienkiller zum Opfer fiel.
Als sie am Todestag der Schwester wieder einmal die Stelle besuchen, wo diese gewaltsam aus dem Leben schied, entdeckt Lucy in einer Scheune in der Nähe eine merkwürdige Apparatur, die plötzlich anspringt: es ist eine Zeitmaschine, die sie - welch Zufall - ins Jahr 2003 zurückversetzt. Nachdem Lucy festgestellt hat, daß sie wirklich in der Vergangenheit gelandet ist, beschließt sie, den Lauf der Dinge zu verändern und den Mord an ihrer Schwester zu verhindern. Der junge Quinn (Griffin Gluck), ein physikbegeisterter Schüler, glaubt ihr die Story von ihrer Reise aus der Zukunft und macht sie mit Summer (Antonia Gentry) bekannt. Die lädt sie dann auch zu sich nach Hause ein, wo Lucy ihre eigenen Eltern kennenlernen darf. Das Hauptproblem jedoch besteht darin, Summer ihren bevorstehenden Tod anzukündigen...

Das labeling "Horror" der kanadischen Netflix-Produktion Time Cut täuscht mal wieder darüber hinweg, daß es sich bei dem Streifen von Regisseurin und Drehbuch-Co-Autorin Hannah Macpherson um ein weitgehend harmloses Teenager-Fantasy-Filmchen handelt, das besonders das Verhältnis der beiden Schwestern in den Fokus stellt und den maskierten Serienkiller nur als Vehikel nutzt, um die beiden zusammenzubringen. Das immerhin gelingt ganz leidlich, denn die Chemie zwischen den beteiligten Teenagern passt, die Story selbst stolpert jedoch von einem Logikloch zum anderen.

Während es noch ganz amüsant erscheint, daß die Schüler im Jahr 2003 ganz andere Klamotten tragen als 2024, andere Musik hören und mit einem Handy nichts anfangen können (was historisch gesehen ohnehin Blödsinn ist, da es damals sehr wohl Handies gab, nur eben keine Smartphones), bestimmen für den Rest der Handlung vor allem emotionale Beweggründe das weitere Vorgehen. Denn eigentlich würde Lucy gerne im Jahr 2003 verweilen, da sie sich auf Anhieb prächtig mit Summer versteht, (die so ganz nebenbei kurz vor ihrem lesbischen Outing steht - Hallo Zeitgeist) und auch ihre eigenen Eltern lassen gleich beim ersten Besuch Lucys Floskeln wie "Du bist hier immer willkommen" fallen (öhm?) - wenn da nicht der Serienkiller wäre, den es irgendwie aufzuhalten gilt. Aber darf man den Lauf der Dinge so einfach verändern, wie Quinn einwirft, der sich vor den Konsequenzen fürchtet?

Über all diesen Erwägungen vergißt das Drehbuch dann, die Herkunft der Zeitmaschine auch nur irgendwie zu erklären, und wieso Lucy ausgerechnet ins Jahr 2003 transferiert wird und nicht ins Jahr 1641 oder überhaupt in die Zukunft. Macht aber nichts, da der sehr auf Harmonie bedachte Time Cut erwartbar mit einem schwesterlichen Happy-End schließt und der jugendlichen Zielgruppe noch auf den Weg mitgibt, sich nicht allzuviele Sorgen über Zukunft und Vergangenheit zu machen, sondern in der Gegenwart zu leben. Was natürlich überhaupt keinen Sinn ergibt, nachdem Lucy ihr Glück gerade in der Vergangenheit gesucht und gefunden zu haben scheint - wtf?

Fazit: Time Cut ist ein betont positiver Teenager-SciFi-Streifen über zwei Schwestern, die ein gefährliches Experiment glücklich überstehen. Zielgruppengerecht gut gespielt, von der Logik her jedoch grober Unfug und mangels Gore ganz besonders für Horror-Fans nicht zu empfehlen. 4 Punkte.

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