Während im Horrorgenre auch weiterhin munter das Thema „Murmeltiertag und Ähnliches“ zuschanden geritten wird und das sogar mit Erfolg, hat ausgerechnet die Verquickung eines anderen Klassikers mit einem Slasher eigentlich von allen Seiten nur Haue abbekommen, was mich lange hat zögern lassen, ob ich mir „Time Cut“ wirklich geben sollte.
Denn hier spielen auf des Messers Schneide eine Variante von „Zurück in die Zukunft“ durch, die nicht mal ansatzweise ihren Ursprung leugnet, hier wird einfach munter variiert.
Was den meisten bei diesen Fassung sauer aufgestoßen ist, dürfte vermutlich der Mix gewesen sein: es ist kein frontlastiger Slasher, es spritzt nicht literweise Blut und es ist auf eine fröhliche Teenage/Young-Adult-Mischung hin auch keine dolle Sci-Fi.
Das Skript von Michael Kennedy, der eben jene artverwandten Filme der letzten Jahre wie „Freaky“ (Körpertausch) und „It’s a wonderful Knife“ (Ist das Leben nicht schön) verwurstete und hier das nächste filmhistorische Zitat für die Generation Social Media aufbereitet.
Aber, und das muss man wohl für Horrorfans ganz dolle als Warnung mitliefern, hier geht es auch gefühlig zu, Trauer, Teenage Angst, Einsamkeit, zweite Wahl zu sein gegenüber jemandem, den man nie kennengelernt hat, eben der eigenen älteren Schwester, die über die Klinge des Slashers ging, vor satten 21 Jahren. So geht es Lucy, die zwar jetzt eben nicht von ihren Eltern total ignoriert wird, aber im Tiefschatten ihrer Schwester Summer lebt, so dass es für Ma und Pa eigentlich nur die Erinnerung und nicht das Jetzt gibt.
Passend dazu ist seit der Mediensause mit vier Teenage Kills der Ort durch, die Häuser am Verfallen, die Läden zu, die Stimmung trübe und alle huschen nur von Kurs zu Kurs. So weit, so offensichtich, so platt (ein bisschen zumindest).
Was kann da also passieren, in einem Film dieser Art ohne einen Doc Brown? Klar, man rennt in einer Scheune in eine Zeitmaschine und landet plötzlich (everybody smells a twist!) im Jahr 2003, kurz bevor man Summer das Licht ausgepustet hat.
Erwartungsgemäß teilt sich der Film also jetzt in mehrere Teile auf: die Jagd nach dem Killer und das Verhindern der Morde; der Frage, was man an der Vergangenheit drehen kann, um ggf. die Zukunft zu ändern, das Präsentieren der inzwischen auch schon zu den vergangenen Klassikern gehörenden Mode und Musikszene der Millenial-Jahre, komplett mit MTV-Klammottis und Nokia-Klapphandys und schlussendlich der Auflösung der Familienproblematik, denn Lucy zieht und da hält sich der Film auch nicht endlos auf, bald mit einem nicht ganz sattelfelsten Dreh bei ihrer eigenen Familie ein, die all das bietet, was sie nie hatte, nur von denselben Leuten.
Natürlich erfährt man so etwas Neues nicht nur über Mutter, sondern auch über Schwesterherz, die ebenfalls ein Enigma war, bis man sich mit ihr anfreundet.
Als Streusel gibt es dann noch den 2003-er-Nerd, der sich über die erst in zwei Jahren auf den Markt kommenden Smartphones jetzt schon einnässt und der bereitwillig die Doc-Brown-Rolle übernimmt.
Kommt mir jetzt bitte nicht mit Zeitreiselogik: das Konstrukt knarrt ziemlich in allen Wahrscheinlichkeitsangeln und nimmt sich am Ende die Freiheit, noch ein Schippe „parallele Zeitlinien und ihre Gefahren“ oben drauf zu packen.
Aber, und das muss ich konstatieren: das Ding hat Zug! Sowieso handlich einkondensiert und in Form gepresst zu gerade mal 92 Minuten hält sich der Film genau mit allem NICHT auf, was man schon aus Zemeckis‘ Klassiker kennt, sondern versucht sich hier und da mit einem eigenen Ansatz, denn man fokussiert auf eine eigene Zielgruppe. Die ist übrigens vornehmlich weiblich (Co-Drehbuch und Regie Hannah MacPherson), aber wer seinen inneren Teenager noch fühlt, kommt kaum dazu bei dieser bunten Bauchfrei-Nostalgieparty mit einigen In-Jokes, ohne 1,21 Gigawatt, dafür aber einem twistigen Überraschungstäter dazu, neues Popcorn zu machen. Und das Finale ist dann von einer beachtlichen Konsequenz, wenn man das Thema bedenkt, insofern ein sehr brauchbarer Feelgood-Film, der für die ganze Familie funktioniert.
Natürlich – und das dürfte in jedem Review stehen – hat der Plot sensationelle Grundähnlichkeit mit „Totally Killer“ aus dem Jahr zuvor, wo Kiernan Shipka einen Slasherausflug nach 1987 machen durfte. „Time Cut“ bekam im direkten Vergleich die gelbe Karte gezeigt, aber obwohl die Filme sich sehr ähnlich sind, hab ich an „Totally Killer“ mehr arbeiten müssen, vor allem weil die Adaption von 1987 extrem bemüht wirkte und sich Shipkas Figur mit größerem Moral- und Verhaltensgefälle (35 Jahre) doch einer wirklich sympathischen Identifikation verweigerte. Sicher „Totally Killer“ war komplexer aufgebaut, kam früher und war näher am klassischen Slasher, hatte unbestreitbare Qualitäten, aber mehr sichtbaren Spaß und mehr emotionale Tiefe schleppt „Time Cut“ mit sich rum – und ehrlich gesagt, kann ich die Reisen in die seligen 80er jetzt wirklich nicht mehr sehen, da sie mehr und mehr wie eine Parodie einer Parodie inszeniert sind.
Für Time Cut breche ich daher mal eine Lanze – schaut euch lieber den mit euren Kindern an oder ihr Jugendlichen gefälligst ohne eure Eltern. (7/10)