Review

Die Kleinstadt Holland in Michigan um das Jahr 2000 rum: Auf der Suche nach einem verlorengegangenen Ohrring stößt die Haushaltskunde-Lehrerin Nancy Vandergroot auf Hinweise darauf, dass ihr Ehemann Fred, der als Optiker auffällig oft während mehrtägiger Trips auf irgendwelchen Konferrenzen zugange ist, eine Affäre zu haben scheint. Anstatt Fred zur Rede zu stellen, schnüffelt Nancy - die über die mögliche Untreue ihres Ehemanns weniger aufgebracht ist, als man eigentlich annehmen würde, sondern das Ganze als aufregende Abwechslung zu ihrem langweiligen Alltagstrott regelrecht genießt - diesem gemeinsam mit ihrem erst jüngst nach Holland gezogenen Kollegen Dave Delgado nach. Statt auf irgendein junges Flittchen stoßen die beiden jedoch auf eine ungeklärte Mordserie an jungen Frauen, die sich immer dann ereignet hat, wenn Fred angeblich auf einer seiner Konferrenzen gewesen ist... Der schräge Blick hinter die pittoreske Fassade amerikanischer Kleinstädte, wo sich wahre Abgründe auftun, steht bei "Holland" auf dem Programm, der damit ziemlich deutlich in der Tradition eines "Blue Velvet" daherkommt und sich folglich auch fast schon zwangsläufig an dem besagten David Lynch-Streifen messen lassen muss... von dem ich übrigens kein Fan bin, der aber doch vor nun fast 40 Jahren schon so ziemlich alles besser hinbekommen hat als der vorliegende Mix aus Krimi-Melodram und sachten Serienkiller-Anleihen, dessen unspektakuläre und überraschungsfreie Handlung nur den Rahmen für die Performance von Nicole Kidman liefern soll, die hier immerzu im Mittelpunkt des Interesses steht und ergo ein seltsames Star-Vehikel für sich aufgetan hat. Wenn man folglich mit ihrem nervigen Hausfrauchen nicht vibet (und man bei ihrem derzeitigen Anblick den Gedanken, dass es ein oder zwei Schönheitsoperationen weniger auch getan hätten, nicht mehr aus dem Kopf kriegt), dann werden das harte 110 Minuten Laufzeit, zumal es Regisseurin Mimi Cave wie schon bei ihrem 2022er-Debüt "Fresh" wiederum nicht wirklich daran gelegen ist, mit ihrer Inszenierung die Thriller- oder gar Horror-Sparte akkurat zu bedienen oder auch nur in Sachen Erzähl-Tempo mal einen Gang hochzuschalten, denn der Streifen zieht sich echt wie Kaugummi. Eine wirklich tiefgreifende Spannung, wie sie dem Thema an sich angemessen wäre, oder auch nur einen narrativen Zug entwickelt "Holland" nämlich leider nie, dafür gibt es gelackte Bilder und merkwürdige Dekors, die für ein gewisses Maß an Skurrilität sorgen sollen. Immerhin: Weit, weit nach der Halbzeitmarke, wenn die Geschichte endlich an dem Punkt angekommen ist, der da bereits so lange absehbar gewesen ist, versucht die Cave zumindest noch, das Publikum mit zwei kurzen, aber Kunstblut-intensiven Momenten zu schocken und das Ganze als Genrefilm etwas greifbarer werden zu lassen... too little, too late. Das Allerschlimmste an dem Streifen ist dann aber doch, dass die Angelegenheit da letzten Endes irgendwie auf nichts hinausläuft und man sich völlig vergebens durch die anfängliche Slow-Burner-Langeweile gequält hat, in der Hoffnung auf einen finalen Knalleffekt, der allerdings niemals kommt. Fazit: Stinkt wie holländischer Käse!

4/10

Details
Ähnliche Filme