Veränderte Fassungen klassischer Märchen sind im Grunde nicht ungewöhnlich. Selbst die Gebrüder Grimm schrieben ihr „Aschenputtel“ einige Jahre nach der Erstausgabe ein wenig um und erweiterten das Ende, damit zumindest die Stiefschwestern angemessen sanktioniert wurden. Regisseur Andy Edwards geht erwartungsgemäß noch einen Schritt weiter und lässt Cinderella blutig austeilen.
Nach dem Tod ihres Vaters hat es Cinderella nicht leicht. Sie muss für ihre Stiefmutter und die beiden Stiefschwestern als Magd schuften, sich erniedrigen und bestrafen lassen. Als der Ball des hiesigen Prinzen ansteht, ist Cinderella nicht dabei, doch mithilfe einer Fee (Natasha Henstridge) kommt es zum glanzvollen Auftritt auf dem Ball. Danach wird das Mädchen allerdings erst richtig drangsaliert, wonach ihr die Fee zu blutiger Rache rät…
Die britische Horrorkomödie glänzt nicht gerade mit frischen Ideen, denn sobald man besonders originell sein möchte, ist eher Fremdschämen oder zumindest Kopfschütteln angesagt. Der Tiefpunkt ist spätestens erreicht, als die Fee statt einer Kutsche ein E-Auto mit Chauffeur Elon Musk herbeizaubert (wobei der Kerl nicht einmal annähernd wie Elend Murks aussieht) oder dringend dazu rät in Apple zu investieren. Derartige Gagversuche wirken arg aufgesetzt oder komplett deplatziert.
Dabei sind die wesentlichen Figuren recht treffend besetzt. Vor allem die fiesen Schwestern schieben sich zuweilen effektiv die Bälle des peinlichen Verhaltens zu und auch die Stiefmutter weiß in den richtigen Momenten mit fieser Unberechenbarkeit zu punkten. Soweit sich der Stoff am Original orientiert, ist er mit simplen Mitteln sogar phasenweise atmosphärisch umgesetzt, während der Score angemessen untermalt und die Kostüme zumindest nicht allzu sehr nach Theaterfundus aussehen.
Mit Einsetzen der Rache wird es letztlich auch ein wenig blutig und es gibt aufgrund zweier heraus getrennter Augen eine Anlehnung ans Original, während ansonsten der Stöckel eines Schuhs zweckentfremdet wird, eine Enthauptung stattfindet und etwas blutig eingestochen wird. Die Effekte sehen okay aus und es wird weitgehend auf CGI verzichtet, welche ansonsten auch nur beim Glitzerstab der Fee zum Einsatz kommen.
Mit einer angenehm kurzen Laufzeit von 85 Minuten kommen immerhin keine Längen auf und während handwerklich keine negativen Auffälligkeiten auszumachen sind, bleibt die Story in ihrer Abwandlung doch frei von Überraschungen oder gar unerwarteten Kniffen.
Ein leichter Trashfaktor lässt sich nicht absprechen, dennoch versagt ein Großteil der Gags, doch zumindest zündet ab und an einige Situationskomik. Insofern eine sehr vorsichtige Empfehlung allenfalls an komplett eingefleischte Märchenfans, die mit blutigen Variationen kein Problem haben.
4 von 10