Ein ziemlich abstruses Konzept haben sich die Macher dieses Films hier ausgedacht: Da gibt es eine Schlucht im Nirgendwo, die rund um die Uhr von ihrer Ost- und Westseite bewacht werden muss, und zwar von jeweils nur einer Person. Erst nach einem Jahr folgt die Ablösung. Der Vorgänger von Levi (Miles Teller) erwähnt das Gerücht, man bewache hier das Tor zur Hölle, es handelt sich dann aber doch nur um ein verunglücktes Regierungsexperiment.
Levis Counterpart auf der Ostseite ist die attraktive Drasa (Anya Taylor-Joy) und so entwickelt sich natürlich eine Romanze von Wachturm zu Wachturm. Als eines Nachts tatsächlich CGI-Monstermenschen aus der Tiefe emporgeklettert kommen, findet der Film vermutlich ganz unbeabsichtigt zu einer starken symbolischen Szene: Aufgrund des steilen Winkels kann keiner der beiden die Monster auf seiner Seite der Schlucht abschießen, dies gelingt nur von Gegenüber – wenn beide überleben wollen, sind sie aufeinander angewiesen. Dies soll jedoch die einzige Szene bleiben, die zumindest ein bisschen Tiefe erreicht, der Rest des Films bleibt flach.
Denn natürlich statten Levi und Drasa der „Gorge“ in der zweiten Hälfte des Films einen Besuch ab und geben Regisseur Scott Derickson (SINISTER, THE BLACK PHONE) Gelegenheit zu zeigen, was er bei DOCTOR STRANGE gelernt hat: Statt Grusel gibt es nämlich vor allem CGI-Fights und statt angsteinfößender Monster nur Computerfiguren, die Action erinnert bisweilen an Konsolenspiele. Man denkt wehmütig an Alex Garlands ANNIHILATION, der zwar am Schluss in Esoterik versumpfte, bis dahin aber aus einem vergleichbaren Szenario zumindest kreative Kreaturen und eine unheimliche Atmosphäre erzeugte.
Dabei zieht der Film sein Ding komplett humorbefreit durch, was insbesondere bei dieser hanebüchenen Prämisse doch schnell cringe wirkt. Hier wäre etwas Selbstironie und Over-the-Top-Attitüde hilfreich gewesen. Was bleibt, ist ein ungewöhnliches Datemovie (Taylor-Joy und Teller machen ihre Sache so gut wie möglich) mit unnötigen Monstereffekten und einer unterforderten Sigourney Weaver.