Beginn einer bislang auf insgesamt drei Filme angewachsenen, in der Zukunft sicherlich auch mit einem 4. 'Teil' aufwartenden Reihe, welche auch teilweise in das westliche Ausland verkauft und dort als Heimmedium vertrieben wurde, eine Mischung aus Zatōichi - Der blinde Samurai (2003) und Blinde Wut (1989), indem Darsteller Xie Miao als seheingeschränkter Kopfgeldjäger durch die Welten streift, Wǔxiá mit Martial Arts (bei der Fortsetzung u.a. unter Aufsicht von Qin Pengfei) gemixt. Positive Kritiken und hohe Abrufzahlen der als VIP-Content bereitgehaltenen Produktionen, dieser hier, des Sequels Eye for an Eye 2 (2024) und einer Art Spin-Off namens Blade of Fury (2024), dann von Qin selber als dunkeldüstere Vom-Saulus-zum-Paulus Geschichte einer neuen Figur, aber mit Gastauftritt und angekündigter Konfrontation beider Charaktere als Cliffhanger bestückt, haben die Werke insgesamt auch in die Beachtung außerhalb der Landesgrenzen gebracht; ein seltenes Lob für chinesische Streamingprodukte, die gerade in unseren Gefilden oftmals auf niedere 'Trash'Spektakel mit allerlei wütendem Getier oder Nachahmern von Kinoproduktionen wie scheinbar weitere Geschichten um Ip Man oder Detective Dee reduziert werden;
Der blinde "Messerfänger" Blind Cheng [ Xie Miao ], der große Fähigkeiten besitzt, trifft Ni Yan [ Gao Weiman ], ein Restaurantmädchen, das brutal ermordet und misshandelt wird. Obwohl er zunächst nicht eingreifen wollte, wurde er allmählich in eine gewaltige Macht des dunklen Konflikts verwickelt; Blind Cheng durchforstet die Gegend, um Gerechtigkeit und Rache zu suchen, wobei auf dem Weg auch seine wahre Identität enthüllt wird.
Lian Ray Pictures sind hier wie dort dafür verantwortlich, mit einer geschichtlichen Einleitung wird begonnen, mit der Hauptperson, dem Blind Swordsman (Zusatztitel), einem Spiel im Gasthaus, einem versuchten Betrug, der Ausnutzung der scheinbaren Schwäche des Anderen, die Lüge fliegt auf, es wird sich entschuldigt, eine Hinnahme des Verlustes, so scheint es. Es wird vom Film gern und viel visualisiert, was der Hauptperson widerspricht, diese nimmt die Umgebung anders auf und wahr, mit verschiedenen verschärften Sinne, ein Ausgleich und eine Verstärkung der Empfindung. Ein Angriff in regennasser Nacht, von mehreren Seiten, Knochenbrüche en masse folgen, dann erst der Titel, dann die eigentliche Einleitung.
"Blind Sword" wird eingeblendet, ein Monat zuvor, mehrere Jahre zuvor, ein Epos in der Erzählung, nicht von der Ausdehnung, dort eher die Kurzfassung, die Laufzeit begrenzt, man hält sich an das Wesentliche noch, die Vorstellung, der Werdegang, ein bisschen was vom der Umgebung. Ein Fremder ohne Namen hier fast, ein Neuankömmling in der Stadt, viel Arbeit über die Optik, die zeitlupenreiche Gestaltung, ein erstes Zusammentreffen, ein scheuendes Pferd, eine böse Überraschung. Erzählt wird die Handlung von der weiblichen Protagonistin, der Titelheld eher maulfaul und von der abweisenden Art, schwierig im Benimm, zuweilen unhöflich im Ausdruck, keine Erzählerperson, eher der Zupackende, der Tatkräftige, ein Kopfgeldjäger gegen Bezahlung, ein Killer auch in Person. Teilweise wird die Szenerie sich vorgestellt, in Imagination gezeigt, im Zeitraffer gezeichnet, eine Hochzeit in der bleichen Sonne, ein Bankett zur Feierlichkeit, mit Drohungen allerdings und schnell aufgelösten Gästen, mit Unschärfen und Trunkenheit, mit Holzbauten in der Architektur, ein Gefangener im Gepäck, bald mehreren Toten in der näheren Gegend, ein volltrunkener Rausch später erneut die chronologische Umkehrung. Die Aktion selber hat man verschlafen, sie wird dem Zuschauer nicht vorenthalten, sie wird im Nachhinein dargereicht, für 75min eine umständliche Erzählführung. Viel Brutalität herrscht hier vor, mit Schwert und mit Pfeil und Bogen, mit Eisenklauen, zuweilen in der Öffentlichkeit, dann wieder in der Andeutung. Vom Glück des Überlebens wird hier gesprochen, von der Tragik dahinter nicht, man wandert zwischen Wǔxiá, Chanbara und Western, das Gesetz mal vertreten, mal selbst ausgeübt, mal weitergereicht an die offiziellen Stellen. In hellen Brauntönen und Beigefarben ist das gehalten, die Sonne scheint oft und reichhaltig, "A life for a life", mal ernst und wahrgenommen, mal Ausreden gesucht, nur im Vorbehalt als Spruch bereitgehalten.
Recht und Gerechtigkeit ist eine Sache hier, es werden Verbrechen gesühnt oder hingenommen, es werden Bauernopfer gesucht, die Kampfszenen schnell und grob, eine Mystik dargeboten, eine Reise der Rache, einerseits aus Rache, andererseits aus Überredung. Gebrochene Seelen und gebrochene Herzen hier, die Stätten werden größer und bevölkerter, die Hände rau, das darstellerische Spiel verhalten. Ausbrüche von Zorn und Gewalt gehören hier zur Tagesordnung, die Welt verroht, in Klassen und Hierarchien aufgeteilt, in Oberschicht und gleichzeitig Untergrund, in Blut und Schergentum, in Stockkampf und etwas Martial Arts, in Folter und Verunstaltung. Enthauptungen allenthalben. Wie auch in Blade of Fury geht es hier um eine Wandlung der Hauptfigur, eine Veränderung in der Gesinnung, dort wird es durchaus ähnlich gespielt, kommt aber überzeugender herüber, die Blindheit hier als Gimmick eingesetzt, es wird in beiden Filmen mit grausigen Bildern gearbeitet, teilweise fast Horror-artig, dort sind aber die Actionszenen einen Tick effektiver, da überschaubarer gehalten, wesentlich länger und deutlicher in den Einstellungen, hier wird zuweilen nur das Ergebnis gezeigt oder das Ganze in Andeutungen: das Bewusstsein für etwas Größeres und das Bemühen auch darum sowie jeweils einen furiosen Showdown (hier im weißen Schneekleid, dort in der nächtlichen Feuersbrunst) haben aber beide Arbeiten, zumal das hier ein Regiedebüt darstellt, Yang Bingjia hat zuvor als Autor gearbeitet und als Editor.