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Fortsetzung zu dem auch als Blind Sword betitelten Wǔxiá - Regiedebüt von Yang Bingjia, einem vorherigen Drehbuchautoren und Editor, der mit dem Erstling Eye for an Eye: Blind Swordsman (2022) für kleinere Furore im Streamingmarkt gesorgt und auch eine westliche Distribution erreicht hat. Die Geschichte eines Kopfgeldjägers, der durch gewisse Umstände seine Lebensweise etwas überdenkt und ändert, mit einer an Zatōichi gemahnenden Hauptfigur, die die Seheinschränkung durch andere Sinne aufhebt und sich im Original ausnahmsweise im Kampf für das Gute engagiert hat, mit viel Blut und generell einiger Dosis an Brutalität. Visuell zuweilen eine gelungene Überraschung, inhaltlich eher unnötig verkompliziert bis desinteressiert, was im zweiten Versuch vielleicht wiederholt wird oder vielleicht auch etwas anders aussieht:

Der blinde Schwertkämpfer namens Cheng Xiazi [ Xie Miao ], begabt in Kampfkünsten, rettet versehentlich Zhang Xiaoyu [ Yang Enyou ], die unter der Zerstörung ihrer Familie gelitten hat. Unter der Überredung des nunmehrigen Waisenkindes hält Cheng sie widerwillig an seiner Seite und bringt ihm Fähigkeiten bei. Auch Xiaoyu wartet auf die Gelegenheit, sich zu rächen.

Zumindest laufzeittechnisch hat man hier deutlich angezogen, gut 20min mehr an Erzählung veranschlagt, die Produktionsfirmen dieselben, diesmal auch von iQIYI selber initiiert. Düstere Klänge von Beginn an, erst die Geräusche, dann die Bilder, eine Vorwegnahme des Späteren, vorher beginnt man wieder in einer Spielhölle, einem Gambling House, das war auch im Erstling schon der Beginn. Ein gebrochenes Genick hier als erster grafischer Eindruck, mehrere Knochenbrüche dann, die Actionszenen generell violent und effektiver auch, ist hier neuerdings Qin Pengfei mit an Bord der Choreografen, was man deutlich an der agierenden, aber übersichtlich bleibenden, zusätzlich integrierenden Kameraperspektive erkennt. Eine narrative Einführung wird dennoch bereitgehalten, damals von einer jungen Frau, diesmal von einem noch jüngeren Kind, eine Art Lone Wolf and Cub: Baby Cart to Hades (1972) diesmal, ein Schutzpatron für einen Heranwachsenden, eine Art Ersatzvater, wenn auch anfangs wider Willen. Die Hauptfigur ein Einzelgänger, knapp in den Worten, vermehrt in den Taten, vor sich dahin lebend in einer Welt, die meist recht bedrohlich gezeichnet wird und von Verletzungen bis hin zum Tod entstellt. Selten, dass eine Menschlichkeit, eine Empathie hier zum Vorschein kommt, meist geht es um plötzliche Gefahr, um Aggression und Unterdrückung, und Mord und Totschlag und auch der Freude darin, um Eskalation von Wut und Zorn, um Ungerechtigkeit, um zwecklosen Widerstand, und auch kein Halt vor wehrlosen Tieren, Frauen oder Kindern.

Die Geschichte ist ähnlich zum ersten Teil und dennoch etwas anders – beide Filme kann man unabhängig voneinander schauen und auch 'verkehrt' herum, es wird keinen Bezug von einem auf den anderen genommen –, die Wirkung deutlicher, man fängt auch quasi von Neuem an, es braucht erneut Überredungskunst, bis etwas getan wird; der Blind Killer alles andere als ein Sympathikus, nichts gelernt aus dem Vorgänger, hier zeichnet sich bloß die Hartnäckigkeit der 'Auftraggeberin' aus. Zwischendurch entrinnt man nur knapp einem unvorhersehbaren Schicksal, eine erste gemeinsame Hilfestellung, eine gemeinsame Arbeit, eine erzwungene Teamleistung. Einer ist auf den anderen angewiesen und umgekehrt, eine Reise durch das Land, wird hier gewandert, die Weiten durchquert. Die Handlung ist breiter und verständlicher, manchmal suhlt man sich im Elend, manchmal erschafft man optisch reiche, an Schönheit beeindruckende Bilder, dann ein Dreikampf auf einem Hausboot, eine beeindruckende Sequenz, auf der Enge des Stegs und im kleinen Holzgebäude mittendrin. Es gibt Ablehnung und Annäherung, Nähe und Distanz, Hilfe und Trennung, einen einmonatigen Zeitsprung, nicht wirklich mit Entwicklung. Eine andere Herangehensweise hier, teilweise in Montagen zusammengefasst, in Splitscreen, in Anekdoten vom Leben als Kopfgeldjäger, musikalisch auch wesentlich deutlicher, mit tatsächlich wirkungsvollen Melodien.

Zudem ist die Anzahl der Actionszenen erhöht, nicht bloß die Qualität, die Zerstörung an sich, die Behändigkeit und Beweglichkeit, die Schnelligkeit der Kombinationen, die Kreativität dahinter, die Sprache von Qin deutlich, zuvor hat man zuweilen nur die Ergebnisse der Taten gesehen, hier die Ausführung selber. Die längere Laufzeit ist vielleicht nicht immer zielführend, viel an Konversation erfolgt im gleichen Ton, in der selben Attitüde, das 'Heranzüchten' vom Nachwuchs hier erweckt aber mehr Interesse, zumal die kleine Darstellerin recht gekonnt aufspielt, und sich die Inszenierung auch um sie kümmert, Spannungsmomente darum installiert, der Unterschied zwischen "avenge" und "revenge" wird hier auch geklärt. Die Regie selber von Yang, nach seinem Skript, interessiert sich für die Persönlichkeiten und das Drama drumherum mehr als für das reine Kampfgeschehen; ein Interesse, welches nicht immer auch beim Zuschauer geweckt werden kann, trotz offenkundigen Bemühen, auch ein künstlerisch wertvolles, auch größeres, weitreichendes Geschehen zu platzieren. 





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