Review

Brüllte kein Löwe nach - hat dennoch seine Momente und Vision!

Die größte Schwäche des Remakes von "The Lion King" war seine Geschichte - die man in, auswendig und schon deutlich besser, kompakter erzählt gekannt hat. Das wirkte einfach nicht notwendig. Das war prachtvoll, hatte aber wenig Daseinsberechtigung. Nun erzählt "Mufasa" im selben, für meinen Geschmack immer noch sehr ansehnlichen (!) Stil die Vorgeschichte von Mufasa, Simbas Vater, und einem weiteren, stammfremden Löwen - und somit eine brandneue Story, sodass mein größter Grudge mit dem Original wegfällt und gelöst scheint. Doch leider kämpft "Mufasa" mit seinen ganz eigenen Fehlern und Dämonen...

Prequel mit Biss?

"Mufasa" ist für mich echt überraschend schwer zu bewerten und ein zweischneidiges Schwert. Er ist eigenständiger als sein Vorgänger, er ist origineller und thematisch tiefer, dunkler, reifer. Dafür zudem optisch heller und distinktiver, selbst wenn er dadurch etwas artifizieller erscheint und von seinem Fotorealismus verliert. Dennoch trumpft auch im Filmbereich Artdesign immer Detailreichtum, ähnlich wie bei Videospielen, sodass mir der Look insgesamt besser gefällt. Dazu ist die Geschichte nun natürlich weitaus weniger berechenbar, die Synchronsprecher sind besser denn je, die Bösewichte bleiben im Gedächtnis und der emotionale Kern aus Freundschaft und Familie, aus Bruderschaft und Verbundenheit, aus Außenseitern, Erbe, Streit und einem Teufelskreis ist weitaus weniger generisch als man meinen könnte. Und doch hat wie gesagt auch "Mufasa" echt ein paar fiese Warzen und Schwierigkeiten, die den Sehgenuss bei mir getrübt haben und gegen die selbst Pumbas Haut glatt wirken könnte. Die Songs wirken schwachbrüstig und nicht stark genug. Allesamt. Die Sprünge zurück in die "Gegenwart" samt dauernder Timon & Pumba-Alberei sind absolut fehl am Platz. Einige Phasen und Szenen wirken aufgewärmt und lediglich wie blasse Kopien der übermächtigen Vorlage (aus den 90ern!). Und Jenkins hat das Pacing nie ganz unter Kontrolle. Ebenso beißen sich einige seiner Töne und Themen mit dem Zielpublikum. Teils vogelwild. Jenkins wirkt wie der richtige und falsche Regisseur für dieses Projekt zugleich. Hört sich blöd und seltsam an, ist aber so. Scheint mir so. Da hätte er in seiner Regieprime sehr gut etwas Sinnvolleres und Bleibenderes auf die Beine stellen können...

Fazit: "Mufasa" ist ein überraschend brauchbarer Compagnon zum Remake. Insgesamt auf dessen Niveau und mit seinen eigenen Stärken (strahlendere Visuals, eigene Geschichte, Jenkins afrikanische Vibes). Das "Problem" ist nur: schon das Remake war eigentlich unnötig wie ein Kropf... und "Mufasa" könnte ebenso wenig weiter entfernt sein von Wichtigkeit und einem möglichen Klassikerstatus. Ein schlechter Film ist's aber mitnichten. 





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