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Folk-Horror liefert im Kern durchaus Einblicke in andere Zeiten, befremdliche Kulturen und Rituale und bestenfalls noch gruselige Erscheinungen. Der kanadische Beitrag der Regisseure Alexander J. Baxter, Leigah Keewatin und Jessica Moutray versäumt es jedoch recht früh, die Erzählung in einen nachvollziehbaren Kontext einzubetten.

1263: Im Zuge der Pest hat sich ein kleines, abgeschirmtes Dorf im Wald gebildet. Der Gott des Gebietes, Jikirag, erlaubt den Menschen sich von der Natur zu ernähren, jedoch nicht mehr zu nehmen als notwendig. Doch Gier sorgt dafür, dass Jikirag auf Rache sinnt und die Siedler nach und nach dezimiert…

Nach einer immerhin noch verständlichen Einleitung, in der zwei Männer in der Nacht einen vermissten Jungen suchen und ihn anschließend finden, folgt ein ziemliches Durcheinander, obgleich nicht allzu viele Figuren involviert sind. Kinder werden zumeist in kleinen Hütten eingesperrt und sollen den Wald erst gar nicht betreten, die Dorfälteste vollzieht Rituale mit Kräutern und Ausbrennen von Wunden und dazwischen taucht eine Art Moosmonster/Waldmeister auf, der im Grunde nur kurz herumbrüllt und wieder verschwindet.

Eine Identifikationsfigur oder gar einen Sympathieträger gibt eine derartige Konstellation erst gar nicht her, denn entweder verhalten sich die Leute unberechenbar und hinterhältig oder sie sind zur Passivität verdammt. Erschwerend hinzu gesellen sich Dialoge, welche zu keiner Zeit derart zu hören gewesen sein dürften. Im Original versucht man eine Art Shakespeare zu imitieren, was die Synchro erst gar nicht zu übernehmen versucht und dennoch keine Alternative zu finden scheint. Einzig das Sound-Design, Parts des Scores und des Make-ups gehen noch in Ordnung.

Denn dieser bleiche Antagonist und Behüter des Waldes ist nicht übel gestaltet, doch auch der unternimmt zu wenig, vor allem nichts Blutiges. Zwar versucht man es ansatzweise mit etwas Körperhorror und kleinen Wunden, doch sobald es ans Eingemachte geht, verlagert man den Verlauf ins Off. Überdies hat es die Erzählung zu keiner Zeit eilig, so dass eine Beerdigung mit drei Leuten auch schon mal einige Minuten dauern kann, gleiches gilt für ähnliche Szenen, welche die allgemein vorhandene Lethargie mehrfach untermauern.

Auch darstellerisch sticht niemand positiv hervor und selbst die Kostüme wirken einerseits zu lieblos zusammengenäht und anderseits viel zu sauber, um glaubhaft als Alltagskleidung durchzugehen. Spannung kommt bei alledem zu keiner Zeit auf, in sehr wenigen Momenten entsteht mithilfe von etwas Nebel eine taugliche Stimmung, doch die überlangen 121 Minuten geraten bereits nach einer halben Stunde zur Geduldsprobe, an der man sich besser nicht versuchen sollte.
2,5 von 10

 

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