Aus dem schlichten Mobiltelefon, erst klobig, dann klappbar wurde binnen kurzer Zeit ein Allrounder des Alltags, den viele nicht mehr missen möchten. Natürlich gab es bereits einige Düsterfilme über verhexte Handys, doch nur selten war ein Ding so unausgegoren wie in vorliegendem Fall.
Nach dem Unfalltod ihres Verlobten Liam leidet Wynne an PTBS und es zieht sie zu einem einsam gelegenen Landhaus. Als sie über die Kamerafunktion ihres Handys Visionen und verzerrte Bilder ihrer Umgebung wahrnimmt und kurz darauf ein weiteres Mobiltelefon der Vorbesitzer des Hauses findet, schnürt sich der Kreis enger. Der benachbarte Mechaniker Chris möchte der jungen Frau helfen, doch er gerät dabei selbst ins Visier des Bösen…
Der Stoff wirkt wie ein Nachzügler aus der Corona-Zeit: Eine von der Zivilisation abgeschirmte Kulisse, nur wenige Figuren und zwei davon am Telefon, die jeweils ohne direkten Auftritt bleiben. Dennoch ließe sich mit diesem Minimalismus etwas anfangen, wenn denn die Hauptfigur einigermaßen interessant oder zumindest präsent wäre. Doch Wynne bleibt dermaßen blass, dass ihr Chris mit seiner permanenten Laberei und dem ständigen Philosophieren binnen weniger Szenen das Wasser abgräbt.
Dies führt allerdings in einigen Szenen zu sehr zähen Füllmaterial. Als Chris ihr das Schießen mit einer Muskete beibringt, vergehen mal direkt mehrere Minuten und auch die Halluznationen mit einem vermeintlich zurückgekehrten und tröstenden Liam bringen die Handlung rund um das Titelgebende nicht voran. Im Gegenteil: Genau dieser Kernpunkt bleibt weitgehend nebulös.
Zwar bebildert bereits die Exposition das Schicksal der Vorbesitzer, doch man kann nur mutmaßen, dass sich der Ort über das jeweilige Mobiltelefon quasi einen Kanal zum Befeuern böser Triebe sucht. Die Willkür geht allerdings so weit, dass die Hauptfigur im letzten Drittel einen bösartigen Zwilling aus Fleisch und Blut erhält: Chris erlebt somit eine Wynne-Wynne-Situation.
Immerhin ist das Langfilmdebüt von Luke Sommer, der das Drehbuch seiner Frau Rachel adaptierte auf handwerklicher Ebene okay, die Performances gehen in Ordnung und der Score ist sogar recht ambitioniert. Doch der Ausführung merkt man gleichermaßen an, dass der Ursprung auf einen gleichnamigen Kurzfilm basiert, der nun die Ideen fehlen.
Entsprechend gibt es viel Drama ohne Tiefgang, aber nur allzu selten Spannung oder gar Mitfiebern, was der übereilte Showdown mit schwach inszenierter Pointe in allen Belangen unterstreicht. Das enttäuschende Ergebnis wird wahrscheinlich dazu führen, dass Zuschauer im Verlauf der Geschichte mehr auf ihr Handy schauen, als der lahmen Handlung zu folgen.
3 von 10