Review

Ein polnischer Hoffnungsschimmer innerhalb einer dystopischen Vision? Aufgrund des Mikrobudgets von 250.000 Euro und einer Drehzeit von nur neun Tagen sind in solchen Fällen erfahrungsgemäß Bedenken angebracht. Doch Autor und Regisseur Piotr Biedron untermauert mit simplen Mitteln, wie nachhaltig so ein Kammerspiel unter freiem Himmel ablaufen kann.

Klimakriege und Pandemien haben die Erde nahezu unbewohnbar gemacht. Womöglich ist Ewa (Magdalena Wieczorek) der letzte Mensch auf Erden, der sich auf eine kleine Station auf einer Anhöhe zurückgezogen hat. Stets begleitet vom Wachroboter Arthur, der darauf programmiert ist, keinen Unbefugten auf das Gelände zu lassen. Doch eines Tages versäumt Ewa, das neue Passwort nachzuschlagen, woraufhin ihr Arthur den Zutritt zu lebensnotwendigen Ressourcen verweigert…

Die Gefahr eines Ein-Personen-Stücks (mit zweiter Stimme) liegt auf der Hand: Es gibt nur wenige Interaktionen, ein relativ geringes Konfrontationspotenzial und so gut wie keine Action, weshalb die Angelegenheit als Sci-Fi-Drama kategorisiert werden kann. Und doch gestaltet sich die Erzählung recht anschaulich, obgleich sich in der ersten Hälfte vergleichsweise wenig ereignet.

„Er könnte auf einer wahren Geschichte basieren“ ist als anfängliche Einblendung sogar glaubhaft, denn man wirft einige Themenkomplexe wie Klimaveränderungen, Flüchtlingskrisen und Kriege, aber auch den zunehmenden Einfluss von KI in den Raum, was sich folgerichtig an Arthur manifestiert, welcher streng an seinen Algorithmen festhält und trotz eines scheinbaren Paradoxons, - einerseits Ewa persönlich zu schützen, andererseits ohne gültiges Passwort den Zutritt blockieren, sich nicht mit einfachen Mitteln austricksen lässt.

Der Roboter selbst erinnert unweigerlich an den von „Wall-E“ und ist beinahe schon klischeehaft gestaltet, er bewegt sich jedoch zweckdienlich und artikuliert sich weitgehend nachvollziehbar, denn selbst nach dem Jahr 2040 scheint es noch nicht möglich, Emotionen und Empathie mit der künstlichen Intelligenz zu vereinbaren. Entsprechend rennt Ewa die Zeit davon, auch nur an lebensrettendes Wasser zu gelangen, da im umliegenden Gebiet alles kontaminiert ist und die Sauerstoffmenge für eine weitere Exkursion zu gering ist.

Das alles gestaltet sich im Verlauf zwingender, wird allerdings häufig von tief schwarzen, recht zynischem Humor begleitet, was sich bis zu den letzten Szenen durchzieht und mit einer garstigen Pointe abschließt. In Sachen Spannung hätte es im Mittelteil zwar einige Straffungen geben können, doch auf atmosphärischer Ebene punkten das Szenenbild und vor allem der angenehm eingängige und zur Isolation passende Score.

Darstellerin Wieczorek verkörpert die junge Frau mit dem Wunsch der Einsamkeit zumindest durch Gesprächen mit dem Roboter entgegenzuwirken recht passabel und wird im Verlauf zusehends auch physisch gefordert. Kamera und Schnitt arbeiten souverän und obgleich storytechnisch nicht alle angerissenen Themen in die Tiefe gehen, bleiben die 88 Minuten durchaus ein wenig hängen.
Knapp
7 von 10  

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