Auf die Freunde von asiatischer Schocker- und Suspensekost wartet mit "Sung Horn" ein neues Machwerk der Art "Ring" und "Into The Mirror". Der thailändische Horrorstreifen ist wieder einer dieser Filme, bei denen man sich nach dem Ansehen nicht schämen muss, wenn man ihn nicht verstanden hat...
Der Film beginnt mit einer frischen Story (Spoilerwarnung!): Drei junge Mitarbeiter eines Layoutshops in Thailand fahren nach Feierabend getrennt nach Hause. Jeder von ihnen erlebt dabei ein anderes, mehr oder minder ungewöhnliches Ereignis. Der erste der drei Jungs kommt von der Straße ab und fährt gegen einen Baum. Als er erwacht, findet er sich in der runtergekommenen Hütte einer alten Frau wieder, die an Straßenrand wohnt und scheinbar in die Zukunft sehen kann. Sie sagt ihm voraus, dass er doch am nächsten Tag auf der Arbeit lieber die Stufen anstelle des Aufzugs nehmen soll. Und tatsächlich, der Fahrstuhl bleibt stehen. Der zweite der Bande steckt im Stau, als plötzlich ein Blumentopf von oben auf seine Motorhaube herabfällt, der versehentlich von einer Bewohnerin eines Hochhauses (mit Namen Oam) runtergestoßen wurde. Die beiden verlieben sich sofort und verbringen in den darauffolgenden Tagen ihre Zeit miteinander. Die hübsche Oam plant zudem noch in selbiger Woche, ein Café zu eröffnen - leider in einer ziemlich lauten Umgebung und somit steht ihr Vorhaben unter einem schlechten Omen. Der dritte unserer Gruppe steckt zunächst ebenfalls im Stau. Dort begegnet ihm ein seltsames kleines Mädchen auf der Straße, mit dem er um seine Spielzeugautos zockt. Ab sofort spielt sich selbe Szene jeden Abend auf dem Heimweg ab, bis das kleine Mädchen angefahren wird und mit tödlichen Verletzungen ins Krankenhaus kommt. In der Zwischenzeit kehrt unser erster Protagonist zurück zur alten Frau, um herauszufinden, was es mit den Weissagungen auf sich hat. Doch in ihrem Haus entdeckt sie ein Foto von Oam und seinem Freund, von jenen die alte Frau behauptet, dass beide tot seien. Das Zeichen erkennend und das Schlimmste befürchend, versucht er die beiden rechtzeitig zu warnen...
"Sung Horn" ist ein frischer Schocker made in Asien, mit nett fotografierten Bildern und einer frischen Story. Die einzelnen Episoden der vier Hauptprotagonisten und deren Umwelt verschmelzen sich im Laufe des Films zu einem relativ schwer durchschaubaren aber spannenden Handlungsstrang. Erst gen Ende versucht der Film den verwirrten Zuschauer aufzuklären. Dies wird unter anderem durch gewagte Rückblenden und Visionen erreicht - wer aber meint, den Film nach Ansehen komplett zu durchschauen, dürfte falsch liegen. Denn die beiden Autorenbrüder Oxide und Danny Pang versuchen nur ansatzweise das Treiben der letzten 80 Minuten aufzuklären und belassen es bewußt dabei, wesentliche Elemente verschlüsselt und im Dunkeln verborgen zu halten. Zum Mitdenken wird also aufgefordert - und in der Tat: wer nicht ganz bei der Sache ist, wird kaum einen Sinn hinter "Sung Horn" finden. Leider muss man allerdings auch sagen, dass in Sachen Erzähltechnik und Filmschnitt etwas klüger hätte vorgegangen werden können. Manchmal ist es wirklich schwer, den Anschluss zwischen einzelnen Handlungsszenen sofort zu verstehen oder nachzuvollziehen.
Ansonsten gibt es technisch gesehen nichts zu meckern. Die Requisiten und Drehorte sind durchaus ordentlich, die Effekte gut ausbalanciert und brauchbar in Szene gesetzt, und wie bei den Asiaten so üblich darf man sich auf einige schöne und geheimnisvolle Kameraperspektiven und Einstellungen freuen. Die Schauspieler sind zwar unbekannte Gesichter und keineswegs perfekte Darsteller, aber stellen sich vorallem für das thailändische Kino recht gut an. Sollten sie in Zukunft weitere Filme machen, bin ich mir sicher, dass man von ihnen noch etwas zu erwarten hat.
Zuviel Worte kann und sollte man über "Sung Horn" nicht verlieren. Es ist wahrscheinlich wie so oft, dass Filme dieser Kategorie, Art und Herkunft das Publikum spalten, und so sollte sich jeder am besten selbst ein Bild davon machen. Freunde des asiatischen Suspensekinos, die auch gerne nach Ansehen eines Films im Dunkeln tappen und drüber nachgrübeln, und zugunsten der Ästhetik auf einen straff erzählten Streifen verzichten können, kommen auf ihre Kosten. Zwar läßt der Film meiner Meinung nach zuviele Fragen offen, aber erreicht somit auch eine kompakte Laufzeit von knapp 80 Minuten und hat deshalb ein tolles kurzweilig unterhaltendes Format. Die Story weiß zu berühren und ist dank der sympathischen Darsteller ein gelungener, wenn auch versteckter Appell an die Menschlichkeit.
Als Fazit läßt sich sagen, dass "Sung Horn" ein netter und durchaus ansehbarer, wenn auch nicht perfekter Versuch des aufstrebenden Kinos aus Thailand ist. Für sein Genre durchaus unterhaltend und dank eines gewissen poetischen Touchs auch ästhetisch, schön anzusehen und anregend für die Sinne.
Interessant wäre zumindest einmal eine englische Synchro des Films, da die englischen Untertitel der thailändischen Version leider sehr bescheiden sind und den ansonsten soliden Streifen deshalb etwas abwerten.