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Ausnahmsweise angesichts der letzten Arbeiten im zeitgenössischen Actionthriller hier als Period Piece Setting angesiedelter Martial Arts Film von Regisseur Qin Pengfei, der allerdings vermehrt die Genres wechselt und überhaupt fleißig im Geschäft dabei ist: Blade of Fury bereits sein vierter (von insgesamt sechs) im Jahre 2024 veröffentlichter Film, mit den Stars seiner letzten Werke auch, hier ausnahmsweise in den Hauptrollen zusammen, mit Tommy Sik (a.k.a. Ashton Chen, welcher in Bodyguard, 2024 ein kämpferisches Cameo getätigt hat) und Qu Jingjing, welche in ebenjenem Film der weibliche Star und die Titelrolle zugleich war, aber demnächst bspw. auch für den angedachten The Wandering Earth 3 mit eingeplant ist, dort aber eher als eine von vielen:

Messerfänger Pei Xing [ Ashton Chen ] tauschte ursprünglich sein Leben gegen Geld als Kopfgeldjäger, doch nachdem er die Tötung von Menschen miterlebt hatte, die für Gerechtigkeit einstanden, erwachte er allmählich und beschloss, zurückzuschlagen.

Lian Ray Pictures steckt hier dahinter, plus iQIYI selber, eine Eigenproduktion, keine frei verkäufliche, etwas mehr Wert auf Qualität als bei Treasure Hunting (2024, die recht verscherbelt wird) öffentlich gelegt. Ein in Zerstörung, in Brandfetzen stehenden nächtliches Dorf, ein markanter Titel, die Welt in Chaos, Outlaws überall. Ein Kopfgeldjäger auf der Spur der Ausgestoßenen, vom Staat bezahlt, die Gegend durchforstend, das Risiko erhöht. Ausgedörrte Wüstenschluchten werden hier in Augenschein genommen, erst eine Ansage, dann die Reaktion. Aus dem wenigen Schatten in die Sonne wird gegangen, ein Treffen in der Hitze, es wird aufgestanden und aufeinander zugegangen, ein Deal nicht erreicht, er wird ausgefochten. Eine kurze rabiate Auseinandersetzung, gebrochene Knochen, viel in Bewegung, dazu einige Form von Brutalität, hinten raus auch Aufspitzen von Händen, fast eine Christuspose, inmitten Sand und Staub, inmitten halb Lebender und vieler Toter. Die gesuchte Ware entpuppt sich nicht als Juwelen, sondern als Mensch auf zwei Beinen, als entführte Frau, die Probleme gleich macht, die das Kopfgeld als Belohnung negiert, die das 'Wanted: Dead or Alive' nicht beachtet, die keine Gefangennahme in Kauf nimmt, die den letzten Überlebenden kaltblütig massakriert. Die Bilder hier etwas anders als beim Treasure Hunting vor allem, farbenreicher, die Dekoraktion konstruktiver, die Dramaturgie griffig, die Darsteller besser. In Kulissen wird natürlich gewandert, in vergleichsweise glaubhaften aber, in reich bevölkerten Umgebungen, mit viel Gefahr und Elend, mit strenger Herrschaft bis hin zur Diktatur. Angst wird hier spürbar, die Angst des einfachen Volkes, ein Stillgestanden der Gesellschaft vor der herrschenden Präsenz, eine skrupellose Weltordnung, mit wenig Sympathien für alle, mit der Flucht in Alkohol und Glücksspiel, mit allgemeiner Drangsalierung. Schläge als Erbauung hier, überzeugende kämpferische Fähigkeiten, viel der Kampf in Massen, ein Ausschalten von Schergen, ein schnelles Abwehren. Die Szenen relativ kräftig eingefangen, ein Bemühen um Visualisierung, um optische Griffigkeit, dazu ein rasches Fortschreiten der Geschichte, die eingangs mit offenen Positionen noch arbeitet und mittendrin startet, die verschiedene Personen und Gruppierungen zusammen und gegenüber stellt.

Eine Rückblendenstruktur dabei unausweichlich, die Albträume des Protagonisten, die Erklärung der Herkunft, die Zeichnung einer männlich beherrschten Ära, Frauen nur als Damsel in Distress oder bestenfalls als Hilfe. Informationen werden ausgetauscht, Angebote gemacht und Aufträge ausgesprochen, ein Pfeil durchbohrt den Hals einer Frau, eine heimtückische Attacke, eine blutige Ablenkung, eine Falle, eine weitere, diesmal mit Schusswaffen und Schneidewaffen vollzogene Auseinandersetzung. Behände die Formationen, reduziert das Wirework, rein zur Unterstützung und dem Hervorheben der Effektivität, ebenso wie die agile Kameraarbeit, viel Gemetzel im kleinen Rahmen, ein rauer Wǔxiá-Vertreter. Mal kämpft man gegen Giganten, mal gegen Kleinwüchsige, bald ist man selber auf dem Steckzettel, wird selber angegriffen statt die Attacken auszuführen. Kommunikativ ein Flüstern, die Taten sprechen eine andere Sprache, eine aggressive Phase; die Hauptperson als Ärgermacher hier und Magnet für Ärger, eine mysteriöse Person, die einem nicht wirklich nahe wächst und deren Belange eher am Rande interessieren; etwas, dass sich leicht nachteilig ausdrückt, es fehlt die Identifikation, es ist ein reines Prozessieren. Im Kino hat sich das Genre etwas rar gemacht, die Zeiten dafür sind vorbei, sie waren vor einigen Jahren in der VRC durchaus am Blühen, vorher natürlich in HK, ein Schaffen von Klassikern dort, zudem auch der dortige Blade of Fury (1993, Regie Sammo Hung, Darsteller u.a. Ti Lung, Cynthia Khan, Ngai Sing), inhaltlich hier ungebunden, als nicht etwa als Vorlage, allerhöchstens als Inspiration gehört. Regisseur Qin, der seine Vorbilder kennen dürfte, angesichts seines Interesses am Themengebiet, versucht hier eine Eigenständigkeit zu schaffen, er arbeitet mit den Mitteln des Selbstzwecks auch, der Gewalttätigkeit, dann wieder dem Kontrast zu beschaulichen Bauten und der friedlichen Natur, er versucht sich als moderner, aber nicht die Tradition vergessender oder ignorierender Vertreter. Menschenleben sind hier nichts wert, manchmal wird man den Wölfen zum Fraß vorgeworfen, vorher ein Duell auf Leben und Tod, einfach zur Belustigung. Zwänge werden verneint hier, sind aber automatisch vorhanden, die Hierarchie eng, einer befiehlt, alle haben im Grunde zu gehorchen, Widerstand dagegen gibt es selten, dieser wird meist schnell gebrochen. Auf Stoismus wird hier gesetzt, auf Kaltblütigkeit und Abgestumpftheit, auf Automatismus; zwischendurch und selten friedliche Landschaften und ebensolche Impressionen, manchmal auch der Versuch einer Intimität.

Wunden werden verarztet, Fortgänge in Montagen bereitgehalten, teilweise abrupte Szenenwechsel, spätere Momente erinnern deutlich (und verweisen kurz vor dem Abspann auch) an die Eye for an Eye - Zweiteiler (2022/24, mit Qin dort mit als Action-Regisseur), eine Art Lone Wolf and Cub meets Zatoichi; etwas, dass der dortige Hauptdarsteller Xie Miao schon (damals selber als Heranwachsender) aus The New Legend of Shaolin (1994, neben Jet Li als Vater) kennt und umgekehrt (und hier im späten Cameo) weiterführt. Die unfreiwillige Vaterschaft, die keine ist, sondern nur eine auf Zeit, dabei als leichter Versuch der Romantisierung und Humorisierung, ein Kümmern um eine hilflose Person, ein Erwachen als Mensch, über einen anderen Menschen, einen der sich noch nicht selber zu helfen weiß, der die Übernahme der Erziehung braucht. Zwischendurch haben die Tiere mehr Menschlichkeit und Beschützerinstinkt als die Menschen hier, einer abgebrühter als der andere, muss man seine Identität verstellen oder ganz wechseln, wenn man sich der Weltordnung nicht anpassen möchte, schlägt man sich nur mit äußeren und inneren Wunden durch das Leben; ist man vom erzählerischen Duktus ein wenig im Extremen gefangen, ohne Ausgleich, ohne Balance. Eine vom-Saulus-zum-Paulus Geschichte, in tiefer Dunkelheit, in bedeutungsschwangerer Reduktion, wie ein Dasein im Sarg, mit abgetrennten Köpfen, Zerteilungen und anderen Verunstaltungen, aber auch einem wahrhaft feurigen Finale, welches in der Machart, der Umsetzung seinesgleichen sucht. 





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