Review

Unheimliche Portrait-Gemälde, bei denen sogleich der Eindruck entsteht, die Augen der dargestellten Person blicken den Betrachter permanent an, können schon mal für eine leichte innere Unruhe sorgen. Vielleicht war dies die Inspiration für Autor und Regisseur Sasha Sibley, der den Stoff auf Basis seines Kurzfilms von 2020 entwickelte.

Juni 1968: Evelyn hat von ihrem entfremdeten Cousin ein Landhaus geerbt. Kurzerhand reisen sie, ihr Mann Adam und die drei Kinder zum Anwesen und sind vor allem von den Portraits einiger verstorbener Vorfahren beeindruckt. Doch die Faszination beruht auf einem Familienfluch, der sich schon bald auf die Anwesenden überträgt…

Das Setting der späten 60er bietet schon mal eine weitgehend erfrischende Abwechslung, da aufgrund von Nostalgie ansonsten eher die 80er bemüht werden. Das verwinkelte Landhaus geht okay, doch das Hauptaugenmerk liegt eindeutig auf den titelgebenden Bildern, welche teilweise für eine angemessen bedrohliche Stimmung sorgen. Auch der stilvoll arrangierte Score generiert früh für atmosphärische Momente.

In der Familie gibt es indes nicht nur Sympathieträger. Dad scheint ein wenig cholerisch veranlagt zu sein, während die Mittlere mit Schüben der Pubertät zu kämpfen hat. Die Besetzung ist jedoch treffend und die Performances fallen zweckdienlich aus, da hier niemand sonderlich gefordert wird. Die Geschichte fordert allerdings auch nicht das Publikum, welches bereits mehr als ein Dutzend Spukhausfilme gesehen hat.

Denn trotz der kreativen Prämisse läuft das Geschehen weitgehend generisch ab und es dauert darüber hinaus fast eine halbe Stunde, bis sich endlich mal ein Schrecken einstellt. Ab da gibt es hingegen regelmäßig übernatürliche Einschübe, bei denen primär die Veränderungen der Bildmotive mit zerlaufenden und sich neu formierenden Farben positiv ins Auge stechen. Hinzu gesellen sich eher bekannte Motive, wie sich versteckende Kinder, aufschlagende Türen und eben Gemälde, die ein Eigenleben entwickeln und deren Macht über die Familie recht unterschiedlich ausfällt.

Neben einigen effektiven Jump Scares gibt es ein paar kurze Rückblenden, es benötigt einmal mehr bestimmte Aufzeichnungen und überraschenderweise könnte der Ort des Geschehens vorzeitig verlassen werden, was anderen Familien in ähnlicher Situation ja oftmals erst gar nicht in den Sinn kommt. Zwar schwingt dem Treiben zuweilen etwas Willkür mit, doch das Timing geht überwiegend in Ordnung und trotz überaus geringen Blutvergießens halten ein paar düstere Vorgänge bei Laune.

Insgesamt mangelt es der Story an speziellen Kniffen oder gar überraschenden Wendungen, doch die 85 Minuten Laufzeit kombinieren ansonsten ein flüssig ablaufendes Geschehen mit einigen tauglichen Effekten und dazugehörigen Spannungsmomenten. Einen sonderlich bleibenden Eindruck dürfte der Stoff zwar nicht hinterlassen, mitnehmen kann man ihn jedoch bedenkenlos.
Knapp
6 von 10

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