Lass mal raten: Sofia ist besessen und wird per Exorzismus vom Bösen befreit?
Glücklicherweise nicht ganz, denn ausgetrieben wird hier nichts. Vielmehr entwickelt sich eine obsessive Suche in einem Mädcheninternat, in dem es beileibe nicht so lustig zugeht wie bei Hanni und Nanni.
Die vierzehnjährige Sofia (Sara Jiménez) hat vor einige Zeit ihre Mutter verloren, die als Lehrerin an einem Internat tätig war. Angeblich wurde ihre Leiche nie gefunden. Um sich Gewissheit zu verschaffen, meldet sie sich als Schülerin an und deckt schon rasch einige düstere Machenschaften aus. Doch nicht nur unter den Lehrkräften scheint es finstere Geheimnisse zu geben…
Ganz so fehl leitet der Titel also nicht, - in gewisser Hinsicht ist die Titelgebende durchaus besessen. Es scheint eine übersinnliche Macht zu geben, welche sich zunächst anhand von Visionen offenbart. Diese könnten Hinweise auf vergangene Ereignisse im Internat sein, wie etwa streitende Stimmen aus einer Etage drüber oder eine feuchte Decke. Jedoch verbreitet sich der Schrecken insgesamt eher langsam, während der Schulalltag unter den wenigen Schülerinnen (es gibt offenbar nur eine aktive Lehrkraft) ein wenig schleppend erzählt wird.
Zwar manifestieren sich hier und da düstere Andeutungen, doch es gibt weder Erschreckmomente, noch die Visualisierung paranormaler Phänomene. Stattdessen darf man sich durchaus über drastische und völlig inakzeptable pädagogische Maßnahmen ärgern, die unweigerlich gewisse Rachegelüste anfeuern dürften. Hierdurch schließt sich am Ende zumindest ein Kreis.
Mithilfe des passablen Scores, der düsteren Farbgebung und der alt anmutenden Kulissen kommt zumindest eine leicht beklemmende Stimmung auf und auch das Zusammenspiel der wenigen Figuren vermag einigermaßen bei Laune zu halten. Jedoch benötigt es bis zum entscheidenden Akt beinahe eine Stunde, wonach ein Twist das komplette Ausmaß offenbart und gleichermaßen eine Motivation für weiteres Vorgehen liefert. Die erhoffte Genugtuung findet leider nicht in vollem Umfang statt, eine angemessen garstige Note bleibt hingegen bestehen.
Vielleicht hätte es geholfen, die ersten zwei Drittel mit etwas mehr Spuk oder zumindest Background der Vergangenheit anzureichern, da sich die Chose phasenweise zu sehr nach Internatsdrama denn Horror anfühlt. Immerhin ist Hauptdarstellerin Sara Jiménez treffend besetzt, da sie zu gleichen Teilen eine Verletzlichkeit, jedoch auch eine entschlossene und unberechenbare Ader überzeugend zu verkörpern weiß.
Dennoch bleibt die Geschichte inhaltlich zu dünn, um über die nur kurze Laufzeit von 80 Minuten die volle Aufmerksamkeit zu schüren und ein entsprechendes Maß an Suspense zu generieren.
Knapp
5 von 10