Mit „Scanners“ drehte David Cronenberg einen seiner einflussreichsten Filme, der zwei Sequels sowie die beiden „Scanner Cop“ Spin-Offs nach sich zog.
Bei den titelgebenden Scannern handelt es sich um telepathisch begabte Menschen, deren zusätzliche Sinne äußerst sensitiv sind. Dies bedeutet zum einen, das sie besondere Fähigkeiten besitzen, zum anderen aber auch, dass sie sehr anfällig sind und auf Störungen unberechenbar reagieren. Zurückgeführt wird die Herkunft der Scanner auf ein besonderes Mittel, das Frauen während der Schwangerschaft einnahmen – ein Topos, den auch jeder weitere Film zu dem Thema aufgriff.
Die normal gebliebenen Menschen reagieren mit Unverständnis, teilweise gar mit Hass auf die Scanner. So sind die Scanner auch nicht unbedingt ungefährlich, mit ihren Fähigkeiten können sie gar menschliche Köpfe zum Platzen bringen. Darryl Revok (Michael Ironside) hat gar eine militante Scanner-Untergrundorganisation ins Leben gerufen, die dem Rest der Menschheit den Krieg ansagt. Eine ganz neue Form von Terrorismus also in einem Sci-Fi-Film, der sich insgesamt wenig futuristisch gibt.
Auch der junge Cameron Vale (Stephen Lack) ist ein Scanner, der sich seiner Talente jedoch noch nicht ganz bewusst ist und erst lernen muss mit ihnen umzugehen. Doch ausgerechnet er wird in die Auseinandersetzung von Behörden und Untergrund verstrickt, als ihn ein Arzt dazu anwirbt, um Revoks Gruppe zu infiltrieren...
„Scanners“ gehört definitiv zu den gradlinigeren, weniger verkopften Filmen Cronenbergs. Gerade die Topoi von Sexualität und neuem Fleisch werden nur am Rande angesprochen, auch andere Hintergrund-Themenkomplexe nur am Rande beleuchtet: Die Verantwortung der Medizin, der Rassenhass gegenüber den Scannern (ähnliches untersuchten die „X-Men“-Filme Jahre später) sowie die besondere Form von Terrorismus durch die Scanner. Alles durchaus interessant, jedoch nur teilweise thematisiert, vielmehr steht hier die Terroristenhatz im Mittelpunkt.
Da es sich bei Cameron selbstverständlich nicht um einen Rambo-Verschnitt handelt, protzt „Scanners“ nicht mit einem derben Privatkrieg. Jedoch beschreibt Cronenbergs Film durchweg flott und spannend, wie Cameron immer mehr zum Gegenspieler des fiesen Revok wird und ihm schließlich Paroli bietet. Die Story ist dabei sicherlich nicht allzu komplex, große Überraschungen sollte man besser nicht erwarten, doch dafür erzählt „Scanners“ seine Geschichte durchweg mit Drive, was die Spannung auf solidem Niveau hält.
Zudem bedient Cronenberg die Zuschauer auch mit einigen Schauwerten, wobei „Scanners“ weniger auf die Bilderwelten des neuen Fleisches abzielt. Stattdessen gibt es derbe FX vor allem in Form platzender Köpfe zu sehen, wenn die Scanner mal ihre Fähigkeiten einsetzen, zudem fährt „Scanners“ auch ein gewisses Maß an Action auf, z.B. eine relativ spektakuläre Befreiungsaktion. Nur das Finale könnte besser sein, rein effekttechnisch macht das Scannerduell definitiv was her, aber angesichts des zuvor Gebotenen hätte man vielleicht doch ein kleines bisschen mehr erwartet.
Der relativ unbekannte Stephen Lack absolviert die Hauptrolle auch zufriedenstellend, wenngleich er auch nicht so herausragend ist, dass man sich fragen müsste, warum ihm denn eine größere Karriere verwehrt blieb. Nachhaltiger ist da der Eindruck, den Michael Ironside als Bösewicht hinterlässt, weshalb er später auch häufig für derartige Rollen gecastet wurde, während der Rest vom Cast gut, aber weitestgehend unauffällig spielt.
So bleibt ein gelungener schnörkelloser Cronenbergreißer, der zwar mit vergleichsweise simpler Story aufwartet, diese aber zackig erzählt und mit einigen Schauwerten präsentiert. 7,5 Punkte meinerseits.