Fünf ganz unterschiedliche Typen schaffen es, aus einem sibirischen Gulag zu fliehen. Zwar war die Flucht von langer Hand geplant, doch auf ihrem langen Weg nach Finnland durch die sibirische Wildnis entwickelt sich ein brutaler Kampf ums Überleben.
Es gibt Filme, die schüren eine gewisse Erwartung, hervorgerufen durch das Marketing, nur um diese dann im positiven Fall zu unterwandern, im negativen Fall aber nicht zu erfüllen. Das Plakat suggeriert mir hier einen kalten Thriller, eventuell mit einem hartnäckigen Jäger, der den Fliehenden stets auf den Fersen ist. Der Trailer, den ich zuvor zum Glück nicht gesehen habe, suggeriert ein Action-Brett. Letzteres ist großer Bullshit, ersteres nur ein bisschen.
Whiteout ist ein spannender Survival-Thriller, der direkt in medias res geht und auf Nebensächlichkeiten wie eine ordentliche Figurenzeichnung rundweg verzichtet. Wir bekommen Protagonist Henry kurz in eisiger Wildnis gezeigt, dann geht es sechs Wochen in die Vergangenheit, wo sein nicht näher bezeichnetes Büro seines nicht näher bezeichneten Arbeitgebers von nicht näher bezeichneten Bewaffneten überfallen wird, die ihn und einige weitere, ihr ahnt es, nicht näher bezeichneten Kollegen in ein Arbeitslager nach Sibirien entführen, um Lösegeld einzufordern.
Wer die Täter sind, wer der Arbeitgeber ist, was Henry in Russland für einen Job hat, nichts wird erläutert. Selbst das Arbeitslager wird nur sparsam gezeigt. Es gibt Hunde und bewaffnete Wachen und beide fackeln nicht lange. Die meisten von Henrys Kollegen tauchen einfach nicht mehr auf, andere Gefangene sind zunächst nicht relevant. Bis dahin hat der Film tatsächlich beinahe jedes ernsthafte Interesse verspielt, zu viel ist nichtssagend, zu wenig weiß man über Henry, außer, dass er Familie hat und diese liebt, als dass man wirklich mitfiebert. Einzig in wenigen kurzen Szenen erfahren wir, dass er Mut hat und sich durchbeißt.
Dann kommt die Flucht und die ist tatsächlich rasant inszeniert und geeignet, einen sich langsam anschleichenden seligen Schlummer zu vertreiben. Und der kommt auch nicht wieder, denn der folgende Weg durch die Wildnis ist zwar nicht so actionreich, wie der Trailer behauptet, dafür aber spannend und abgründig.
Dass das Geschehen dabei nicht zu eintönig wird, dafür sorgen die Landschaften von Manitoba und Ontario in Kanada, die Sibirien doubeln durften. Die Kälte und Anstrengungen sind zu jeder Zeit deutlich spürbar und mit den stetig steigenden Spannungen in der Gruppe durch Hunger und Verzweiflung, steigt auch stetig die Spannung, bis hin zum fiesen, aber konsequenten Schluss.
Handwerklich ist das sauber gemacht, die Darsteller gehen auch in Ordnung und von drei kurzen, blutigen Momenten abgesehen, entsteht die Härte durch die Geschichte, die recht kompromisslos daherkommt und auch dadurch zu gefallen weiß.
Eisiger Survival-Thriller, dessen Story sich nicht auf Action fokussiert, sondern auf menschliche Abgründe und dadurch ein gutes Maß an Spannung aufbaut und einen Überlebenskampf in sibirischer Wildnis zeigt, der sicher etwas anders als erwartet abläuft. Man muss nur die ersten 10 Minuten schlucken, überstehen und akzeptieren, dass keine helfenden Erklärungen geliefert werden. Hat mir danach sehr gut gefallen, weshalb die Wertung dennoch recht hoch ausfällt.