Review

Die Universal-Klassiker, die ursprünglich der Reihe nach einer Frischzellenkur unterzogen werden sollten, kennt „Saw“-Erfinder Leigh Whannell bereits in Ansätzen. Denn 2020 erfährt „Der Unsichtbare“ eine sehenswerte Neuinterpretation, während es hier an den Klassiker „Der Wolfsmensch“ von 1941 geht.

Nach einer nicht so entspannten Jugend bei seinem Vater Grady (Sam Jaeger) kehrt Familienvater Blake (Christopher Abbott) nach dem Tod seines Vaters mit Frau Charlotte (Julia Garner) und Tochter Ginger (Matilda Firth) zurück zum Ort seiner Kindheit. Doch kurz vor ihrer Ankunft taucht ein ominöses Wesen auf und den dreien gelingt die Flucht in Gradys Haus. Noch ahnt niemand, dass die eigentliche Gefahr direkt unter ihnen lauert…

Whannell wählt mit seiner Neuinterpretation einen eher intimen Weg der Geschichte, indem er Familiendrama und Metamorphose zu vereinen sucht. Das funktioniert in einigen der ersten Szenen recht gut, - sei es beim Jagen in der Wildnis oder beim nunmehr erwachsenen Blake im zumeist liebevollen Umgang mit der Tochter, während die Ehe aufgrund unausgesprochener Dinge auf wackeligen Füßen steht. Die Einmischung von außen scheint eher sekundär, denn es geht im Verlauf zunehmend um den Zusammenhalt der Familie, obgleich parallel eine Bedrohung um das Haus wahrnehmbar ist.

Diesbezüglich setzt man lange Zeit auf akustische Impulse, indem der zurückhaltend eingesetzte Score dem Sounddesign weicht, verschiedene Distanzen der Annäherung des Bösen zum Vorschein kommen und später ein Perspektivenwechsel mithilfe von Farbfiltern und verschwommenen Dialogen zur Geltung kommt. In dieser mittleren Phase macht sich leider das inhaltlich schleppende Tempo mehrfach bemerkbar, denn auf spannungsgeladenen Angriffen folgen oftmals sehr bedächtige Momente, welche deutlich zuviel Dynamik herausnehmen.

Die teils aufwendigen Verwandlungseffekte mit sauberem Make-up ändern daran nichts, denn inhaltlich folgt man erwartungsgemäßen Pfaden ohne den Hauch einer Überraschung. Da kommen einem konventionell inszenierte Angriffe wie beim Ausharren auf dem Dach eines Gewächshauses eher entgegen, denn auch hier punkten das Timing und die durchweg effektiv eingesetzte Kamera, welche primär dann Suspense erzeugt, wenn sie den Schrecken nur andeutet, wie beim Verschanzen auf einem Hochsitz.

Leider fehlt den zwischenmenschlichen Belangen die emotionale Zugkraft, was den durchweg überzeugenden Mimen keineswegs vorzuwerfen ist. Die Erzählung findet kaum einen Weg, die angemessene Tragik zum Ausdruck zu bringen, wonach vor allem die finalen Minuten weitgehend enttäuschen. Atmosphärisch und spannungstechnisch sind zwar kleine Höhepunkte auszumachen, doch insgesamt mangelt es der Geschichte an erinnerungswürdigen Momenten.
Knapp
6 von 10





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