Review

Zu wenig Haare auf den Zähnen

Nachdem Leigh Whannell schon dem „Unsichtbaren“ neue Facetten abgewinnen und ihn (qualitativ wie monetär) enorm erfolgreich in das Heute hieven konnte, kann man verstehen, dass Universal ihn auch direkt noch an eine weitere „ihrer“ Horrorikonen lässt. Nun darf er also den neuesten „Wolf Man“ inszenieren und einen Familienausflug in die waldbedeckte und rurale Heimat des Vaters ausarten lassen…

Das Böse kommt von innen

Whannells „Wolf Man“ hat seine Stärken und Trümpfe, keine Frage. Abbott und Garner sind Charaktergesichter und können das. Beide spielen aufopferungsvoll und glaubhaft. Sie unterbauen das komplette filmische Gerüst, das ohne sie leider einsturzgefährdet erscheinen würde. Der starke Bodyhorrorblickwinkel hat etwas. Und einige Passagen, wo aus verschiedenen Blickwinkeln oder gar Spezien (!) geblickt wird, sind schlicht audiovisuell sensationell. Das ist tragisch, traurig, bitter und garstig. Die Wunden und langsamen Verwandlungseffekte können sich sehen lassen. Und insgesamt funktioniert der intimere, familiärere und schmerzhaftere Ansatz. Das ist nicht komplett neu, weit weg davon. Dennoch ist die Konnotation und heftige Betonung darauf ein Alleinstellungsmerkmal. Die Soundkulisse stimmt, die Optik ist sehr dunkel, aber passt. Und die Hintergedanken und Deutungsebenen von Heimat über DNA bis Männlichkeit sind interessant und nicht von der Hand zu weisen. Und trotz alledem ist „Wolf Man“ dann doch nicht die erhoffte Frischzellenkur für das liebenswürdige und immer tragische Universal-Monster. Da war „Der Unsichtbare“ doch ein deutlich mutigeres, drastischeres Update auf die ikonische Figur. „Wolf Man“ spielt sehr nach den Regeln seines Subgenres und traut sich wenig. „Das war’s?!“ war leider mein erster Gedanke beim Abspann. Das ist über die gesamte Laufzeit dann doch zu wenig, um wirklich zu überzeugen und hängen zu bleiben. Trotz ein paar kreativer und tragisch-emotionaler Kniffe und Höhepunkte. Zu wenig, zu düster, zu komprimiert, zu safe. 

Fazit: spannend, klasse und trickreich inszeniert, hochwertig produziert, gut gespielt, mit fiesen Bodyhorrormomenten und einem tragischen Familienrückgrat - und doch kauft Whannell dem Werwolfmythos am Ende kaum Neues ab. Alles wirkt sehr beiläufig, leer und begrenzt in seinen Möglichkeiten, Themen und Tiefen. Das Wenige was er macht, macht er allerdings solide und bissig. 

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