Review

Gesamtbesprechung

Seit der Jahrtausendwende blüht die narrativ aufwändige, komplexe TV-Serie, doch immer wieder gibt es da Einzelfälle, die sich widersetzen – wie z.B. „Fastlane“.
Die Serie um die Undercovercops Donovan ’Van’ Ray (Peter Facinelli) und Deaqon ’Deaq’ Hayes (Bill Bellamy) ist Fast Food fürs Auge, dessen Folgen man beherzt einzeln gucken ohne die Folge davor oder danach zu kennen – nur selten haben die einzelnen Episoden Bezug zueinander. Ironischerweise fing „Fastlane“ in seinen letzten Folgen an komplexer zu werden, wurde dann aber wegen zu hoher Produktionskosten eingestellt und endet mit einem Cliffhanger, den man dann natürlich nicht mehr zu Ende führen konnte.
So folgt man beiden Cops, die von Wihelmina ’Billie’ Chambers (Tiffany Thiessen) in Folge eins noch in bester Buddy Movie Manier zum Duo wider Willen gemacht werden, bei ihren Einsätzen für das sogenannte Schlaraffenland (bzw. Candy Store im Originalton). Immer wieder müssen schicke Frauen becirct, dicke Wummen abgefeuert und extrem schicke Karren schnell gefahren werden, am Ende sind die Bösen fast immer tot oder verhaftet und die beiden Bullen dürfen zankend davon latschen – wie beim Buddy Movie halt üblich, hier nur in serieller Form, wobei „Fastlane“ es schafft den Knatsch der beiden Draufgänger frisch zu halten, weshalb sich die Streitereien nicht totlaufen.

Das Rezept ist reichlich simpel, besonders anspruchsvoll oder wendungsreich sind die Geschichten der einzelnen Folgen nie, häufig ist es sogar egal, wer nun ein Verräter ist oder für welche Seite jemand spielt. „Fastlane“ setzt auf Oberflächenreize in Videoclipästhetik, die hier dermaßen exzessiv ausgelebt wird wie schon in den „3 Engel für Charlie“-Filmen von Serien-Co-Creator McG. In Hochglanzoptik werden Kameramätzchen, schnelle Schnitte und wilde Zeitsprünge zelebriert, hässliche Frauen gibt es in „Fastlane“ eigentlich nie, stattdessen rennen überall Modelmädels rum, welche die Kamera auch gerne mal in extremer Zeitlupe einfängt, wenn sie gerade aus dem Auto steigen, tanzen, ihre Haare zurückwerfen oder auch ausnahmsweise mal was Plotrelevantes tun. „Fastlane“ ist die volle Prollpackung, aber dabei absolut ehrlich, denn hier wird nicht schamlos versteckt, was man sein will, nein, es wird stolz ausgestellt.
Insofern ist es nicht unbedingt eine Serie zum Vergöttern, sondern eher etwas zu Abschalten und Berieseln, denn untermalt von einem modernen Soundtrack mit starkem Hip Hop Einschlag (gelegentlich dürfen aber auch mal Bands wie Papa Roach oder Boysetsfire ran) gibt es massig Action zu sehen, nicht sonderlich derbe, aber aufs Feinste überspitzt, mit Zeitlupenexplosionen, waghalsigen Autostunts und auf coole getrimmten Ballereien. Alles dermaßen exzessiv, dass selbst Tony Scott und Michael Bay daneben wie bodenständige Actionfilmer wirken, aber gerade dadurch auch etwas, was man nicht alle Tage sieht. Leider können da nicht alle Folgen so punkten wie der von McG inszenierte Pilot, aber es gibt weitere Highlights wie Folge 20, in der gleich zu Beginn ein rollendes Drogenlabor in die Luft geht.
Bei soviel Oberflächenreizen stört es auch kaum, dass die Darsteller in erster Linie gelackt und schön sein müssen. Peter Facinelli und Bill Bellamy harmonieren als Copduo, machen ihre Sache geht gut, aber von der Chemie einer Paarung Marke Mel Gibson/Danny Glover oder Will Smith/Martin Lawrence können sie doch nur träumen. Auch Tiffany Thiessen als toughe Chefin muss da in erster Linie nur knackig und sexy sein, schauspielerisch können da eher Gaststars wie Bill Duke, Jay Mohr oder Robert Forster mal Akzente setzen.

„Fastlane“ ist insgesamt so gehaltvoll wie McDonalds Menü in der Mittagspause, aber sofern man das akzeptieren kann, kriegt man durchgestylte Actionkost, die voll auf Oberflächenreize, nette Gags und visuelle Spielereien setzt. Nicht überragend, aber nicht mehr als es sein will – nette Unterhaltung, die man freilich schnell wieder zu vergessen droht.

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