Blaue Rosen sind nicht gut zu liebkosen
Ein Hollywoodbaby hat mal wieder zu viel David Lynch geguckt… In „The Blue Rose“ untersuchen zwei junge Privatdetektive einen Mordfall zwischen Hollyweird, Unterbauch der Traumfabrik und Technicolor-Fieberalptraum…
Zuckerwatte aus Schimmel
Puh, wo soll ich bei „The Blue Rose“ anfangen… Er ist ein Stinker. Ein schönes, bestialisch stinkendes Derivat. Aus Lynch und Refn, aus Gosling und Shane Black, aus Einbildung und Selbstüberschätzung. Ja, teils gibt es schöne Muster, Stilfacetten, Hommagen und Farbverläufe. Und wer von weird-surrealem Hipstermuff nicht genug bekommt, wird auch hier genug hineininterpretieren können. Die Vorbilder sind klar zu erkennen - das fehlende Talent Eigenes oder gar Gutes, Geniales, Gültiges zu schaffen aber noch viel klarer. Der Regisseur dann noch gleich als Hauptdarsteller - grottig und steif. Das eigentliche Murder Mystery - beiläufig und egal. Ray Wise als deutlichste Anspielung - vergeblich. „The Blue Rose“ könnte wirklich eine K.I.-Interpretation und -Kreuzung aus Film Noir und lyncheskem Mystery sein. Das hat teils so wenig menschliche DNA, das es einen fröstelt. Was man ja auch positiv deuten kann. Ich empfinde „The Blue Rose“ jedoch als schmerzhaft daneben. Mitten aus Hollywood - völlig neben der realen Welt oder anständigen Erwartungen an einen Film. Der junge Regisseur George Baron sollte viel kleinere Brötchen backen, vielleicht erstmal Musikvideos meistern - denn dieses Regiedebüt überschätzt sich an allen Ecken und Enden. „The Blue Rose“ ist genauso fake und giftig wie seine titelgebende, übersprühte Blume. Als ob der Disney Channel Lynchs Erbe unbedingt weiterführen musste. Absolut schockierend hohl. Fast schon deswegen - im Body Snatcher- und Meta-Sinne - gruselig.
Twin Leaks
Fazit: so schön und so leer… wenn Hollywoodhipsterkinder stilvoll und eingebildet auf die Kacke hauen (dürfen). Unpleasantville. All Hülle, voll knülle, meist Gülle. Dagegen ist z.B. „Under the Silver Lake“ der Traum vom Real Deal.