"Es gibt keine schlechte Werbung": Als in den USA der 1980er der von Konservativen losgetretene Moralkreuzzug gegen das Rollenspiel "Dungeons & Dragons" wütete förderten empörte Elternverbände die Verkaufszahlen diesen Genrebegründers und schnitt sich mit der 1W12 - Zweihandstreitaxt kritisch ins eigene Fleisch. Eines jener unfreiwilligen Werbewerke für das Spiel war "Mazes and Monsters" von 1982, eine Verfilmung eines gleichbetitelten Buches der Autorin Rona Jaffe und seinerseits die Ausbeutung der Leidensgeschichte des einige Jahre zuvor verstorbenen Studenten James Dallas Egbert III. Der bekennende Rollenspieler und hochintelligente Jugendliche litt zu Lebzeiten an Depressionen und Drogenproblemen, hatte zudem mit der Homophobie seines Umfeldes und dadurch auch seinem eigenen Selbsthass zu kämpfen. Waren genannte Faktoren ausschlaggebend für seinen Suizid schieben Buch und Film alles auf das damals noch obskure Hobbies des Teenagers. Uff!
Probleme haben auch die vier Hauptakteure des Filmes, allesamt typisch amerikanische Studenten mit sehr weirden Ecken und Kanten: die angehende Schriftstellerin Kate zeigt sich zu Beginn sichtlich von ihren Männerproblemen und der einschüchternden Wirkung ihrer Intelligenz auf die Kreaturen mit dem Y - Chromosomgenervt, während der schnieke David unter seinem Fuckboyimage und den Berufsvorstellungen seiner Eltern leidet, die ihn lieber als Informatikgenie denn als Spieleentwickler sähen. Hutfetischist Jay Jay hingegen wird durch die ständigen Renovierungsarbeiten seiner Mutter an seinem Zimmer immer wieder seiner Nerven und seiner Persönlichkeits beraubt und ist ob seines jungen Alters von gerade 16 ohnehin ein Außenseiter. In dem Hochschulabbrecher und Milchbubi Robbie finden die drei einen neuen Mitstreiter für ihren gemeinsamen Frustabbau im Fantasyrollenspiel "Labyrinth der Monster", welches der psychisch labile (weil von den Eltern stets rumkommandiert und vom älteren Bruder verlassen) Bubi bald allzu ernst nimmt.
Nach einer Spontan - LARP in einem nahegelegenen Höhlensystem wächst die Meise, die unter Robbies Pony brütet endgültig auf Adlerformat heran und begibt sich in Richtung Freiflug: der sich nun als Kleriker wähnende Robbie wird immer eigenartiger, segnet Unbekannte auf der Straße, verlässt Inzwischenfreundin Kate im Sinne seines Zölibats und begibt sich zu unguter Letzt nach New York, um eins mit seinem Gott zu werden. Nebenbei darf im Übrigen noch ein Kleinkrimineller durch seine dürre Patschehand sterben.
Wie das Ganze doch mit veränderten Vorzeichen aussähe, wenn Robbie Mitglied des After School - Bible Clubs seiner Uni wäre und danach sein Zölibat und eine religiös motivierte Selbstwerdungsreise anträte: das wäre einer der Filme, die man als besonders inspirierend von prominenten Christfluencern empfohlen auf Pureflix finden würde, wenn auch ohne den Mord oder wenn überhaupt dann mit anschließender Erlösungsgeschichte. Stattdessen haben wir es hier mit einem recht einfallslosen, psychologisch fragwürdigen Propagandafilm zu tun und nicht mal mit einem guten, der mit unfreiwilliger Komik ob der Darstellung des veralteten Gedankengutes unterhält: nein, "Im Labyrinth der Monster" ist nicht das "Reefer Madness" der Rollenspielszene, sondern stumpfes Wettern konservativer "Kunstschaffender" gegen die Fantasyszene garniert mit jeder Menge Amateurpsychologie auf niederstem Küchentischniveau und angereichert mit einigen billig inszenierten Halluzinationen Robbies.
Menschen wie Claus Bienfait, Christa Jenal oder andere Berufsverbitterte hätten ihr perverses Vergnügen daran, diesen Film zu schauen und mit dem Finger auf den jungen, der Realität entschleichenden Tom Hanks zu zeigen. Zum Glück war in deutschsprachigen Gebieten das Thema Rollenspiel nicht so kontrovers, als dass sich Glaubensgemeinschaften außerhalb kurioser Sektenkreise wie den Zeugen Jehovas je dafür interessiert hätten. Wahrscheinlich kam der Film deshalb erst neun Jahre später in deutsche Fernsehgefilde, wo er vor einigen Jahren gerne noch als filmische Kuriosität gezeigt wurde. Wie viel Sinn das bei einem Film hat, der nicht mal als Gagrohstoff für SchleFaZ taugt, ist fraglich.