Review

Rennie räumt den Magen auf und Renny räumt ihn aus, wenn ich das mal so vornewegschicken darf.
Der gebürtige Finne, der in punkto grobmaschige Action und Thrills sich erfolgreich als Hollywoods größte Studiohure verdingt, hat mal wieder zugeschlagen, weil er eigentlich nur seine Ruhe wollte.
Die bösen Studiobosse waren nämlich mit Paulchen Schraders Version des Exorzisten-Prequels gar nicht glücklich, weil da nicht genug Popcorntiefe drin zu finden war, schon mehr menschliches Drama. Das ging vielleicht 1973 noch beim ersten Durchlauf, aber heute will das doch keiner mehr sehen (weswegen die Neufassung in den Kinos auch Mörder-Kohle gemacht hat, tralalala....).
Alle Kandidaten wollten nachdrehen, Renny wollte aus dem Rennen sein und sagte, das Teil müsse man komplett neu drehen. Dumm gelaufen, die Jungs aus dem Studio kübelten mal schnelle 20 Mio. raus (andere Quellen sprechen von 50) und Renny mußte was ganz Neues aus dem Boden stampfen.
Traurig, aber wahr: man merkt es leider.

Dieses (ich bin mal so frei) binnen zweier Monate zusammengewichste Drehbuch bietet vielleicht handfesten Splatterfans noch so einiges brauchbares DVD-Futter für zwischendurch, trägt aber die Franchise des Teufelsaustreibers wohl endgültig zu Grabe. Wie schon Mr.Anderson (nein, nicht Neo, ich meine Paulchen Anderson, den Kult-Schrott-Filmer) kürzlich mit „Aliens vs. Predator“ bewiesen hatte, braucht man wohl heute nur noch die gängigen Motive der bestehenden Filme aneinanderzureihen (oder reihern) und fertig ist der Prequelschnellschuß.

Also raus aus der Kiste mit Father Merrin, der doch glatt gleich zu Beginn in der Kneipe pichelt, als gäbe es morgen nix mehr. Er sieht so aus wie in der Eröffnungsszene von Friedkins Original, nur eben ein Vierteljahrhundert jünger. Natürlich hat er den Glauben an Gott per Nazi-Trauma verloren und hängt sich nur widerwillig an einen wackeren, jungen Kirchenmann, der eine frühchristliche Kirche bei Nairobi um die Ecke ausbuddeln will.
Da ist natürlich kein Segen dran, denn drunten unter der Krypta liegt der Hund begraben, good old Pazuzu, der allerdings nicht namentlich genannt wird (es lebe das Copyright). Und jetzt baut das „Buch“ erst mal reichlich Figuren auf: eine traurig wirkende Ärztin, ein ekliger Bauführer, ein farbiger Übersetzer, ein kleiner Schokodrops als üblicher Verdächtiger, der Kirchenfutzi und die britische Armee noch dazu – nicht zu vergessen die patente Wildenhorde vom Kral nebenan.
Aufgebaut wird dieser ganze Popanz nur, um ihn dann nach alten Slasherregeln einen nach dem anderen weghobeln zu können, nur Merrin und der kleine Joseph (wenn das Kind schon den Namen eines Heiligen trägt) müssen natürlich überleben.

Harlin und Konsorten haben keine wirkliche Story, nur den Glaubensaufhänger und deswegen klotzen sie mit Effekten, wo es geht. CGI-Hyänen zerreißen Schokodrops großen Bruder, Speere werden durch Brustkörbe gerammt, ein mit Würmern überzogenes Baby wird geboren, Fliegen schlüpfen aus Pustelgesichtern und beim finalen Besessenheitsgefecht zwischen Ureinwohnern und Armee, da spritzt das Blut, da fliegen die Fleischfetzen. Selbstverfreilich gibt’s noch einen argen Plottwist, wer denn nun wirklich das Böse in sich trägt und Merrin hilft am Ende nur der wahre Glaube, juppheidi, genau der, der im Original so wirksam angezweifelt wurde. Aber Harlin und seine Jungs sind Anhänger von simplen Gleichungen und so reiht sich eine behelfsmäßige Gruselszene an die nächste; die Schlachteplatten nur unterbrochen von diversen Schockeffekten, die immer, aber auch wirklich immer durch plötzliches Verlöschen des Lichts eingeleitet werden, um dann für einen Buh-Effekt etwas Schröckliches ans Licht zu reißen, wenn es wieder angeht.

Die Simplizität dieser angewandten Methoden ist dermaßen nervtötend, daß man fast gar nicht merkt, daß der Cast zwar bemüht vor sich hinwerkelt, aber nicht mal Stellan Skarsgard eine Chance hat, irgendwas zu entwickeln. Selbst zum guten Schluß, wenn es denn mal auf Introspektive angekommen wäre, richtet sich der Fokus auf den grell geschminkten Regan-Klon (oder Urahn), der Obszönes bölkt.

Na, ob das szön (bzw. schön) ist, wage ich zu bezweifeln, gebraucht hat diesen wie üblich solide produzierten, aber der Serie nicht gerecht werdenden Chinaböller niemand.
In der stillen Hoffnung warten wir auf die Veröffentlichung von Schraders eigenem Cut – der Film hier trägt die Reihe zu Grabe, als alleinstehender Film ohne Bezüge an einen Klassiker wäre es gegangen. (4/10)

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