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Im Jahre 1973 kam ein Horrorfilm in die Kinos, der selbst heute noch ein Millionenpublikum sowohl begeistert als auch erschreckt: "Der Exorzist"! Jene unheimliche Geschichte, um ein von Dämonen besessenes Mädchen, dass erst durch einen grauenhaften Exorzismus wieder davon befreit werden konnte. Ein Kultfilm war geboren. Und wie bei allen erfolgreichen Filmen, so gab es auch hier Sequels. Zuerst der höllisch schlechte 2. Teil, der die Geschichte von Regan weiter erzählt und danach der wieder annehmbare dritte Film, welcher sich dann eher auf den ermittelnden Inspektor Kinderman und einen mysteriösen Patienten X konzentrierte. Nun, über 30 Jahren nach dem Original-Exorzisten, kribbelte es der Produktionsfirma Morgan Greek wieder in den Fingern und ein weiterer Exorzisten-Film sollte das Licht der Welt erblicken. Genauer gesagt sogar zwei. Weil sich die Produzenten nämlich nicht mit der ersten Version des Films, von Paul Schrader, zufrieden geben wollten, schafften sie mit Regisseur Renny Harlin eine neue Version, die nun endlich in die Kinos kommen sollte. Aber (auch) diese Version ist nichts Besonderes.

In punkto Story geht es dieses mal zurück in die Vergangenheit. Erzählt wird die Geschichte des jungen Pater Merrin, der seinen Glauben an Gott verloren hat und sich nun als Archäologe behaupten will. Bei einer seiner Expeditionen, wird er allerdings mit seinem früheren Beruf wieder in Verbindung gebracht. Er soll nämlich bei der Ausgrabung einer alten Kirche anwesend sein. Dabei kommt er allerdings, erstmalig, mit dem teuflischen Dämonen in Berührung. Was hier auf den ersten Blick noch ganz interessant klingt, wurde leider in einem relativ schwachen Skript umgesetzt. Logiklücken gibt es viele, spannende Momente sucht man, bis kurz vor Schluss, vergebens. Zudem kann man mit den Figuren auch in keinster Weise mitfühlen, sie bleiben durchgehend schablonenhaft.

Das größte Manko des Films ist allerdings der verheerend oft auftretende Leerlauf, der vor allem in den ersten 2/3 des Films, nicht zu verleugnen ist. Bis Merrin auf den Dämonen trifft, bleibt das Treiben leider viel zu langweilig. Höhepunkte gibt es kaum, meistens säuseln die Figuren, ihre nichtssagenden Dialoge, nur so vor sich hin. Schockeffekte sind dabei zwar nicht unbedingt spärlich gesät, doch zumeist sind sie so vorhersehbar, wie beim X-ten Scream-Verschnitt. Ein gepflegtes Nickerchen, könnte sich hier und da durchaus einstellen.

Im Finale dreht der Streifen dann aber plötzlich höllisch auf. Aus dem drögen Einerlei wird, nach gut 70 Minuten, plötzlich ein rasantes Gruselstück gezaubert. Vor allem der heftige und blutige Exorzismus-Versuch an einem kleinen Jungen, und der, wie eine Spinne durch die Höhle kriechende, Dämon, sorgen für Herzflattern. Dazu der flotte Showdown zwischen Merrin und dem Dämonen. Langsam fragt man sich, warum Regisseur Renny Harlin es nicht gleich von Anfang an so rasant aufgezogen hat. Wie er es in diesen letzten Minuten beweist, kann er es doch und es hätte seinem Film durchaus gut getan.

Was die Inszenierung angeht, so gibt es dann auch noch ein paar positive und negative Dinge zu berichten. Als positiv, ist auf alle Fälle die grandiose Optik des Ganzen zu bezeichnen. Mag der Streifen lange Zeit auch noch so dröge sein, was die visuelle Umsetzung angeht, gibt es eigentlich kaum etwas zu rütteln. Mal trüb, mal steril, mal farbenfroh, mal blaß, taucht Harlin den Exorzisten-Film, immer wieder in ein wunderbares, atmosphärisches Licht. Dazu der Einsatz einiger passender Farbfilter, die ebenfalls der Atmosphäre gut tun.

Einzelne Kratzer erhält die wunderbarer Optik allerdings durch einige grottige Spezialeffekte. Anscheint hatten die Produzenten Angst vor echten Tieren, anders ist es nicht zu erklären, warum sowohl die Raben als auch die Hyänen allesamt aus dem Computer stammen. Und sie wurden durchgehend recht schlecht animiert und stören die sonst makellose Optik ganz schön.

Und auch die Musik ist nicht so ganz das Wahre. Vom eindringlichen Score, des Original-Exorzisten, ist leider absolut nichts mehr übrig geblieben. Mehr ein üblicher 08/15-Kirchen-Horror-Score wird einem hier vorgesetzt. Erst beim Abspann machen sich dann wohlige Klänge breit, doch dann ist es zu spät.

Was die Darsteller angeht, so kann eigentlich nur Hauptdarsteller Stellan Skarsgård überzeugen. Er ist zwar kein zweiter Max von Sydow und ist eigentlich auch schon etwas zu alt, für die Rolle des jungen Ex-Priesters, aber seine Leistung ist allemal überzeugend. Alle anderen wirken dafür mehr als blass, vor allem Izabella Scorupco hat mich enttäuscht.

Fazit: Mäßiges Exorzisten-Prequel, dass durch sein wirres Skript, dem größtenteils drögen Ablauf und manch grottigem Spezial-Effekt, eher an den miesen 2. Teil der Reihe erinnert, als an den famosen ersten Exorzisten. Die geniale visuelle Umsetzung und der schweisstreibende Showdown, verhindern dann allerdings doch das Schlimmste. Unterm Strich kann man sich Harlins Version der Vorgeschichte also durchaus mal anschauen. Aber die Hoffnung, dass Schraders Cut, der hoffentlich bald veröffentlicht wird, besser sein wird, ist groß!

Wertung: 5/10 Punkte

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