Vorschusslorbeeren sind nun definitiv etwas mit denen das lang erwartete Prequel zur Exorzisten-Saga Exorcist: The Beginning nicht gesegnet war. Chaos beim Dreh und ein nahezu kompletter Austausch der Crew inklusive Regiewechsel von Paul Schrader auf Renny Harlin führten zu zwei nahezu komplett unterschiedlichen Filmen, von denen nun der erste begutachtet werden darf. Diese Entstehungsgeschichte macht die Frage wie gut, bzw. schlecht der fertige Film letztendlich geworden ist besonderst spannend.
Die Geschichte spielt, wie der Titel bereits vermuten lässt vor der bekannten Trilogie. Der Priester Lankester Merrin hat der Kirche abgeschworen und flieht nach Ende des zweiten Weltkrieges vor seiner Vergangenheit nach Afrika. Von einem mysteriösen Antiquitätenhändler wird er beauftragt an der Ausgrabung einer antiken christlichen Kirche in Kenia teilzunehmen und dort ein bestimmtes Artefakt sicherzustellen. Dort angekommen häufen sich die mysteriösen Vorfälle und schnell wird klar, dass ein Dämon seine Finger im Spiel hat.
Wichtig bei einem Horrorfilm sind die Punkte Spannung und Atmosphäre und hier liegen auch klar die Stärken des Films. Seinen es die schaurigen Ruinen der freigelegten Kirche, das heruntergekommene Krankenhaus oder die staubige Ausgrabungsstätte, die Kamera rückt die Szenarien immer ins richtige Licht und produziert unheilschwangere Bilder. Die gelungene Optik zieht sich durch den gesamten Film und weis in Verbindung mit dem, ab und an etwas zu modernen, Soundtrack zu gefallen. Von der Machart her wirkt der Film wie aus einem Guss, storytechnisch sieht das schon etwas anders aus. Obwohl viele Genreklischees verarbeitet wurden, funktionieren die gruseligen Sequenzen verdammt gut, mangelnde Spannung kann man Exorcist: The Beginning nicht zum Vorwurf machen. Gleiches gilt für die Schock-Momente, die zwar meist auf den standardmäßigen Einsatz von lauten Soundeffekten basieren, aber gut über den Film verteilt sind und ihre Wirkung nur selten verfehlen. Was die Darsteller betrifft verdient Stellan Skarsgard als Lankester Merrin besonderes Lob. Das was in der Rolle vom gefallenen Priester, der seit einem dramatischen Erlebnis während des zweiten Weltkrieges (welches wir in stimmigen Rückblenden gezeigt bekommen) dem Alkohol zugeneigter ist als seiner Religion, an Klischees beinhaltet, macht er durch eine jederzeit souveräne Leistung wieder wett. Die anderen Darsteller sind zweckmäßig und passend, nur James D’Arcy als Vatikangesandter bleibt blass, aber das mag auch Absicht sein. Wo wir schon mal beim Lob sind muss man auch die teilweise heftigen Goreszenen erwähnen. Ich drück es mal so aus, nicht das der Film die Blutfontänen nötig gehabt hätte, aber bei Leuten, die einen Horrorfilm nur ab einer bestimmten Menge Kunstblut gut finden, wird es an diesem Punkt definitiv nicht scheitern.
Klingt doch alles ganz gut, doch wo liegen die Schwachstellen? Fangen wir bei der kleineren an, den Computereffekten. Ein Horrorfilm, der mit einer gelungenen Geschichte und überzeugender Atmosphäre ausgestattet ist, kommt auch ohne State-of-the-Art Effektorgien aus, das hat zuletzt Underworld eindrucksvoll gezeigt. Aber wenn man dann CGI-Effekte in einen Film stopft, um halt den Effektgehalt aufzuwerten, dann sollten diese zumindest gut sein. Das sind sie in diesem Film aber leider so gut wie nie. Wer die Wölfe in Day After Tomorrow schon schlecht fand sollte mal warten bis er den computeranimierten Hyänenangriff im neuen Exorzisten gesehen hat. Auch andere digital ergänzte Szenen wirken aufgesetzt und deplaziert, wie der Sandsturm, die Kletterpartien einer besessenen Person gegen Ende oder auch die zehntausenden kopfüber gekreuzigten Soldaten in der Eröffnungssequenz. Ein größeres Problem hat der Film mit seiner Dramaturgie, vieles ist klischeehaft und wenig überraschend, so denkt man sich bei vielen dramatischen Enthüllungen über den mystischen Hintergrund: Na klar, dass hab ich mir schon die ganze Zeit gedacht (kann auch daran liegen, dass der Trailer viel zu viel vorwegnimmt, auf keinen Fall vorher gucken!). Nennen wir das Problem beim Namen, der Film ist vorhersehbar. Zudem wirken einige Nebenhandlungen unnötig und hereingebastelt, als Beispiel nenn ich hier mal Selbstmord des Armee-Kommandanten. Zwar ist die Szene wie fast alle toll gemacht, aber eine neue Figur einzuführen, und diese dann so abrupt und überflüssigerweise wieder aus dem Film zu nehmen wirkt etwas abgehackt. Man könnte einige Sequenzen aus dem Film nehmen, ohne dass man sie im Handlungsverlauf vermissen würde, sicher ein Ergebnis der Nachbearbeitung am Schneidetisch, doch es fällt auf. Als letztes muss ich noch das Finale kritisieren, leider sind die letzten 15 Minuten die schwächsten des Films, hätte man die Sache spannender oder überraschender zu Ende gebracht, würde ich den Film eine höherer Wertung geben. Der Versuch hier eine Brücke zum Erstling zu schlagen, indem man Merrin im Zweikampf einer schlecht geschminkten besessenen Person den Teufel austreiben lässt, wirkt oft lächerlich und ist bis auf ein zwei nette Schocks völlig unspannend, zudem wird das ganze auch noch kitschig aufgelöst.
Fazit: Exorcist: The Beginning ist ein recht konventioneller Horrorthriller, der auf der Habenseite eine gelungene durchgängige Atmosphäre, erstaunlich heftige Schocks und einen sympathischen glaubwürdigen Hauptdarsteller zu bieten hat. Gegen den Film sprechen dramaturgische Schwächen, ein ungruseliges Finale und der ein oder anderen effekttechnische Totalausfall. Kein Film den man sehen muss, aber Horrorfreunde werden hier sicher gut unterhalten. Wenn man die überflüssigen Vergleiche mit William Friedkins Klassiker weglässt, muss man feststellen, dass der Film besser geworden ist, als seine Entstehungsgeschichte, miese Kritiken und das Einspielergebnis vermuten lassen würden.