Insgesamt dritter Katastrophenthriller von Oxide Pang Shun, begonnen mit dem Flammendes Inferno Klon Out of Inferno (2009), welcher durch solides Einspiel immer mal eine offizielle Fortsetzung erhalten sollte, diese allerdings nicht, sondern spät nur den thematisch ähnlich gehaltenen Flash Over (2023) erhielt, welcher wiederum an den Kinokassen keinerlei Aufruhr macht und überhaupt stark an The Bravest (2019) erinnerte. Das hier vorher als ehemals Crisis Route angekündigte Projekt blieb mit ca. 40 Mio. USD eigentlich auch unter den Erwartungen, und ist wiederum die Abwandlung eines ähnlichen Geschehens, von The Chinese Pilot a.k.a. The Captain (2019) nämlich, Vergleiche und Unterschiede zu entdecken, Gemeinsamkeiten und Differenzen zu sehen und bewerten. (Immerhin geht es ihm beruflich und privat besser als Bruder Danny Pang Fat, welcher mit kleinen Actionthrillern strauchelt und quasi komplett unter dem Radar mittlerweile läuft, angesichts der Qualität der Werke auch verständlich.):
Air Marshal und Sicherheitsexperte Gao Haojun [ Andy Lau ] hat nach einem verherrenden Autounfall die Blindheit seiner jungen Tochter Gao Xuaojun [ Zhang Zifeng ] 'verursacht', was neben all den Streitereien mit seiner damaligen Frau Fu Yuan [ Liu Tao ] auch zu einer Scheidung geführt hat. Ausgerechnet bei dem Jungfernflug eines neues Airbus A380 mit auch dem CEO der Hangyu Airlines, Li Hangyu [ Guo Xiaodong ] an Bord, trifft Gao auf seine seitdem nicht mehr gesehene Familie wieder, und ausgerechnet auf der Reise wird der Flieger durch Mike [ Qu Chuxiao ] und einem Dutzend Hijacker gekapert.
Von der HK-Seite ist Universe Entertainment Limited anbei, der Film wird zuweilen (HKMDB) auch als lokale Produktion gezählt, dafür sind zu viele Überschneidungen mit der VRC inkludiert und das Budget zu hoch, Budget gleich Einspiel übrigens. Die Geschichte beginnt bereits 8 Jahre vor dem eigentlichen Geschehen, ein Familien-/Ehedrama in s/w gehalten, mit Streits, mit Unfällen, mit tragischen Geschehen, mit dem Injizieren von Persönlichkeit und Intimität in die Handlung, einer weiterführenden Charakterisierung. Es gibt gute Tage und es gibt schlechte Tage, es gibt Erinnerungen, die man lieber verdrängen würde wollen und welche, an die man sich klammert, es gibt Tagträume und kurze Spannen von Aufmerksamkeitsverlusten.
Der Tag selber fängt ungeplant an, eine Absage, eine Art Bereitschaftsdienst, die ausgesetzt wurde für die nächsten 72h, dazu eine Exposition, eine Pressevorführung, eine Promotionaktion, das Areal blitzblank und gewienert, nur beim Hauptdarsteller selbst brodelt es. Ein neues Flugzeug wird vorgestellt, eine Art fliegendes Fünf-Sterne-Hotel, ein Prunkstück der Firma, Luxus mit Flügeln; China weit vorn in der Wirtschaft und der Wissenschaft und Technik, Spitzenreiter in allem und Marktführer sowieso. Schnelle Schnitte, viele Perspektiven, viel Hektik, von innerer Unruhe getrieben ist man hier, vieles gleichzeitig, schon beim Launch und beim Check-in, beim Buchen, beim Gepäck verstauhen, dazuZufälle und Schicksalsschläge, bevor die eigentliche Angelegenheit beginnt. Stirb langsam über den Wolken, im Superjumbo, oder auch Passagier 57; ironischerweise und interessanterweise haben die Südkoreaner gleichzeitig ein ähnliches Projekt am Start gehabt, mit Hijack 1971, dort in der Vergangenheit, hier in Gegenwart bis nahen Zukunft, dazu Investoren und Schulden und Companygedönse.
Beruf und Privat überschneidet sich von Beginn an, die Hauptfigur hat einiges hinter sich und noch einiges vor sich, es wird zusammengerafft, das war bei Stirb langsam (die Scheidung) nicht unähnlich, aber beiläufig erwähnt, nicht ausgedehnt. Viele helle Töne hier, Weiß, helles (Baby)Blau, helles Grau, viel Komfort und Bequemlichkeit, viel Vorbereitung und Planung, dann der Start in die Lüfte, der Abheben von der Bahn. Eine Geschäfteklüngelei wird eingespeist, ein Wiedersehen nach 8 Jahren, dazu einige Personen, die schon beim Betreten des Flugzeuges oder beim Warten auf das Go als merkwürdig, als ungehobelt, als unfreundlich auffallen. Ansonsten nimmt es sich Zeit bis zur eigentlichen Ausführung, der Film arbeitet mit Andeutungen und Rückblenden, mit einem versuchten Spannungsaufbau, mehr besser und mal weniger gelungen, ein Werk für die Massen der VRC, auch weniger ausführlich als The Captain, dieser war in vielerlei Sachen weniger Fiktion, weniger Drama als vielmehr trockener und mit Fakten, und trotzdem dramatischer.
Geklimper auf dem Klavier also erstmal, länger und ausdauernd, dann ein provozierter Zwischenfall an Bord, ein Abzug der Wachmannschaften, der Männer generell, eine Ablenkung, eine Geiselnahme, eine Entführung. Regisseur Pang inszeniert das möglichst außen vor, das heißt, er hält sich an das Geschriebene, er nutzt sein Wissen um Thrill und deren Aspekte, er hat zwei bis drei interessantere Darsteller, darunter den Antagonisten mit an Bord, mit in der Kabine. Dann kommt es auch schnell zu ersten Gewaltakten und Toten, eine Erpressung mit Nachdruck, ein willkürliches Auswählen von Opfern. Lau dabei längere Zeit in der Beobachterrolle, wie sein Regisseur, ein routiniertes Gehabe, in Ruhe vorgehend, eine Einsame Entscheidung gefällt. Dazwischen dann eine große Verschwörungsplotte, zudem ist die Hauptfigur nervlich eher am Ende, vorher schon gewesen, jetzt sowieso, Nahkämpfe auf engstem Raum sind dabei überinszeniert, rasche Montage, herausgeschnittene Einstellungen, dazu Einsatz von Farbfiltern, alles auf einmal, Pang ist nunmal kein Actionregisseur. Einige Auseinandersetzungen und Brutalitäten werden ratifiziert und auch als strukturierte Bearbeitung geschnitten, später dann teilweise extreme Zeitlupen, das ist durchaus mit Effekt, hat aber nur Sekundenwert.