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Filme über Personen aus dem Musikgeschäft flimmern inzwischen mit einer gewissen Regelmäßigkeit über die Leinwand. Das vorliegende Werk dreht sich um Robert Allen Zimmerman, besser bekannt als Bob Dylan. Zumindest zeigt es einen Ausschnitt aus dessen Leben in den 1960er Jahren. Die Songs kennt man wohl alle und da es einige von ihm gibt, gibt es hier auch so einige. Nach bekannter Biopic-Formel werden diese auch pflichtschuldig eingespielt, wobei man die Entstehung oder Hintergründe überwiegend ausspart. Hauptsache alle paar Minuten bekommt man einen Hit.

Handwerklich ist „A Complete Unknown“ kein schlechter Film, er ist in seinem Aufbau nur sehr formelhaft. Dylan selber ist ein begnadeter Songwriter und Texter, seinem Gesang war ich aber nie sonderlich zugetan. Dem dauerquarzenden Timothée Chalamet in der Hauptrolle muss man zugute halten, dass er Dylans Erscheinung und Tonalität gut trifft, darstellerisch gibt es da wenig auszusetzen. Der Rest vom Cast ist Beiwerk, es gibt sonst nur Nebendarsteller und -innen. Edward Norton, Elle Fanning, Monica Barbaro, Dan Fogler – sie sind dazu da, um zu reagieren. So begleitet man Bob durch die hier abgebildete Zeitperiode, erlebt das Bekanntwerden, die Schattenseiten des Ruhms, die Wandlung von einem Genre ins andere. Wirklich akkurat ist „A Complete Unknown“ nicht, mischt Zeitliches, fiktionalisiert Figuren und Ereignisse, Heroin fällt weg. Kanten lässt man Dylan hier zwar, wirklich dramatisch wirkt das aber nie.

Mangold hat betont, dass er kein klassisches Biopic wollte, dass es ihm hauptsächlich um die Kollision von Dylan und der Folkmusik gehe. Passend hierzu beruht das Skript auf dem Buch „Dylan Goes Electric“ von Elijah Wald, welches sich mit dem Thema auseinandersetzt. Für diesen behaupteten Fokus nimmt das Ganze dann aber recht wenig Platz in den 140 Minuten ein und am Ende bleibt die Figur schwer greifbar, weil man nicht viel über sie erfährt. Optisch ist „A Complete Unknown“ hübsch, in warmen Farben und stimmigem Design entfalten sich die frühen 1960er Jahre vor dem Auge.

„Your songs are like an oil painting at the dentist's office.“

Am Ende gibt es die typischen Einblendungen. Wer noch was gemacht hat. Und dass Dylan seinen Nobelpreis nicht abgeholt hat. Dass er ihn trotzdem genommen hat war dann wohl nicht rebellisch genug. Eine kleine Aufregung in einem von James Mangold in dessen Stil typisch-solide zusammengezimmerten Film. Chalamet liefert in der Rolle eine ansprechende Leistung und nuschelt sich durch dieses bebilderte Best-Of von Dylans Songs, der Rest ist Beiwerk. Selbst seine eigene Geschichte, die hier flexibel präsentiert wird und einiges auslässt – insbesondere auf die Entstehung seiner Werke bezogen. Handwerklich in Ordnung, sieht chic aus, ist aber auch unerwartet konventionell und wenig tiefgründig.

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