Jeder hat seine Vorstellung von gewissen legendären Persönlichkeiten. Fremde, wir kennen nur die oft ikonisierte Außendarstellung, welche in der Form eigentlich nur fernab von Social Media Überladung möglich ist. War, diese Mythen werden immer weniger, wir haben eigentlich fast nur noch trübes Glas betreffend der sogenannten Prominenz. Um gleich auf den Punkt zu kommen, das ist nicht Bob Dylan, zumindest in meinem Kopf. Die Frage ist, ob jener überhaupt dargestellt werden soll oder sich hier ein Fan auf dem Regiestuhl einen Traum erfüllt und versehentlich eine eher fragliche Wahl für die Hauptrolle getroffen hat, ihm jene vielleicht sogar vorgesetzt wurde. Stichwort Chalamet. Erstmal Hochachtung für den Aufwand, den er für das Projekt betrieben hat. Generell hat der junge Mann ohne Frage Talent, befindet sich aber in einem gefährlichen Strudel falscher Selbstreflexion. Die Real Life Darstellung und Dauerrolle eines sensiblen großen Künstlers, dann aber der der Widerspruch auf zwei Beinen mit tiefem Ausschnitt an seiner Seite. Nein, da passt einiges nicht zusammen. Er fühlt die Rolle offensichtlich, verhebt sich dabei aber so sehr, dass sich die Darstellung umso mehr als reines Schauspiel anfühlt. Das Mindset ist hier der Fallstrick und durchbricht die vierte Wand, Herzlich Willkommen im Zirkus. Das mag individuelles Empfinden sein, aber für die Projizierung einer nicht greifbaren Persönlichkeit wie Dylan, ist der Ansatz in Todd Haynes „I’m Not There“ vermutlich passender. Der Titel „Complete Unknown“ sagt doch alles, und obwohl eigentlich nichts dargestellt wird, als ein bisschen wunderbarer song-getragener Zeitgeist, wirkt die Darstellung anmaßend und übergriffig. Großartig dagegen war Edward Norton als Peter Seeger, der Salieri mit gutem Herzen. Auf den Punkt, aber bei dieser Persönlichkeit funktioniert das auch anders, bzw. überhaupt.
Einen Vorwurf an den Film kann ich nicht teilen: „man erfährt nichts über den Menschen Bob Dylan“. Wie schon gesagt, da gibt es nichts, ein offenes Buch mit sieben Siegeln sozusagen. Ich kann euch aus Erfahrung sagen, es sind die härtesten Schalen, hinter denen die tiefsten Seelen liegen. Was soll es da zu erfahren geben, was das Fragezeichen selbst nicht weiß.