Kein anderer Titel wäre passender gewesen für diesen Film, nimmt er doch gleich jegliche inhaltliche Kritik vorweg: Nach A COMPLETE UNKNOWN weiß man über den Menschen Bob Dylan nicht mehr als zuvor, was ohnehin schon nicht viel war.
Anders als Todd Haynes in seinem Bob Dylan-Experimantalfilm I’M NOT THERE, versucht James Mangold hier jedoch nicht, das Mysterium zu verstärken, auch wenn Dylan immer wieder mit seiner Backstory kokettiert, er sei unter Zirkusleuten aufgewachsen. Wir bekommen zumindest einige biographische Anhaltspunkte geboten.
Der Film beginnt 1961 mit Bobby Zimmermanns Ankunft in New York, wo er Woody Guthrie im Krankenhaus besucht und dort seinen baldigen Sponsor Pete Seeger kennenlernt, und endet am Tag nach Dylans legendär kontroversen elektrisch verstärkten Konzert auf dem Newport Folk Festival, wo er mit seiner Band gegen den Willen der Veranstalter und Teilen des Publikums mal eben den Folkrock erfand. Dazwischen ist viel Lokalkolorit: Dylan hängt mit Frauen ab (in der Hauptsache Elle Fanning als wichtige Lebensabschnittspartnerin und Monica Barbaro als gesanglich eindrucksvolle Joan Baez), Dylan schreib Songs, Dylan übt Songs, Dylan spielt Songs in Folkkellern.
Wirklich beeindruckend sind die Gesangsdarbietungen. Timothée Chalamet channelt Dylan wirklich ganz hervorragend und zu den Highlights des Films gehören die Duets mit Joan Baez – einmal zu Beginn ihrer Affäre, wenn sie gemeinsam „Don’t think twice“ intonieren und ein Jahr später, nach dem Ende ihrer „Beziehung“, wenn sie sich halb ironisch live „It ain’t me babe“ um die Ohren singen, dabei aber solch einen Spaß und eine Lust versprühen, dass Dylans Lebensgefährtin das Weite sucht. In solchen leider viel zu raren Momenten überträgt sich tatsächlich ein Gefühl von der Leinwand in den Zuschauerraum und man bekommt eine Ahnung von der Faszination, die Dylan ausgeübt haben muss. Und das ist deutlich spannender als jede Biographie.