Überlebensfilme scheinen sich zu einem Steckenpferd des britischen Regisseurs Howard J. Ford zu entwickeln, denn zuvor drehte er 2022 das felsige Abenteuer „The Lodge“ und begibt sich nun in die Gewässer des Dschungels, wo fiese Kannibalen auf dumme Touristen warten.
Zwei befreundete Paare befinden sich im Urlaub in Südostasien und buchen eine ausgiebige Kajaktour mit ihrem Guide Nick. Doch als nach der ersten Übernachtung jemand aus der Gruppe verschwindet und sich dabei offenbar in die heiligen Gefilde eines Ureinwohnerstammes bewegte, befindet sich der Rest der Truppe in Lebensgefahr…
Ford hält sich nicht allzu lange mit Vorgeplänkel auf und bringt die Dynamik der scheinbar harmonischen Paare rasch auf den Punkt, da es schließlich doch ein paar dunkle Geheimnisse und einiges Unausgesprochenes zu geben scheint. Dabei kommen die beiden Frauen deutlich besser weg als die vermeintlich besten Freunde. Dass es sich bei der Bedrohung um Kannibalen handelt, untermauert indes bereits die Exposition, als zwei Waldarbeiter geholt werden.
Als exzellente Wahl stellen sich binnen kurzer Zeit die Kulissen im scheinbar wilden Teil Thailands heraus, wobei der Handlungsort nie genau definiert wird, womöglich um niemanden zu diffamieren. Der dichte Dschungel und der Fluss mit nicht immer eindeutigem Verlauf schüren eine teils dichte Atmosphäre, wobei ein wenig die natürlichen Tiergeräusche fehlen und die Fauna ohnedies ein wenig zu kurz kommt. Andererseits: Fehlen Tiere in einem Kannibalenfilm, bleiben unnötige Rituale aus, die man in den 80ern leider noch breit und lang zelebrierte.
Entsprechend dauert es nicht lange, bis einige Schatten durchs Dickicht huschen und erste Attacken erfolgen. Teilweise verhalten sich die potenziellen Opfer zuweilen irrational, auf der anderen Seite verfolgen sie strategisch kluge Züge zur Gegenwehr, wobei es zwischendurch immer mal wieder zu körperlichen Auseinandersetzungen und etwas Blutvergießen kommt, was durchweg ohne CGI vonstatten geht. Allzu explizit fallen die Gewalteinlagen jedoch nicht aus, da neben einer Enthauptung, Fleischwunden und einem Kehlenschnitt nicht viel mehr auszumachen ist.
Darstellerisch wird brauchbare Kost geliefert und auch der Score ist um dramaturgische Spitzen bemüht, wobei er mitunter etwas zu dick aufträgt, was gleichermaßen für die Sounduntermalung gilt, sobald etwaige Erschreckmomente ins Spiel kommen. Als deutliches Plus erweist sich hingegen die versierte Kamera, welche die Landschaft stimmungsvoll einfängt und zwischendurch ein paar gelungene Fahrten über Flussareale einbindet.
Versucht der Stoff anfangs noch, ein paar Umweltaspekte anzusprechen, geht es im Verlauf nur noch um einen Überlebenskampf, der durchaus einige spannende Momente zu bieten hat, jedoch keine nennenswerten Überraschungen parat hält. Innerhalb der knackigen 86 Minuten Laufzeit treten keine Längen auf und mit der Konzentration aufs Wesentliche liefert der Streifen einige Zutaten, die man sich als Survivalfreund wünscht.
6,5 von 10