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Der Flughafen LAX an Heiligabend: Mitten im geschäftigen Feiertags-Trubel tritt ein Unbekannter an den kleinen Sicherheits-Beamten Ethan Kopek heran und zwingt diesen, dafür zu sorgen, dass ein bestimmter Koffer ungehindert durch die Gepäck-Kontrolle kommen und an Bord einer bestimmten Maschine gelangen wird... denn anderenfalls muss seine schwangere Freundin Nora dran glauben. Ethan findet schnell heraus, dass sich in dem besagten Koffer eine Giftgas-Bombe befindet, mit der während des Fluges ein Anschlag auf eine Politikerin verübt werden soll, bei dem zudem auch sämtliche anderen Passagiere sterben werden... und nun muss sich ganz schön was einfallen lassen, um den Attentätern irgendwie dazwischenzufunken und gleichzeitig das Leben seiner Freundin zu retten... Nachdem seine beiden The Rock-Vehikel "Jungle Cruise" und "Black Adam" an den Kinokassen nicht wie erhofft abgeräumt haben, backt Jaume Collet-Serra mit dem Netflix-Thrillerchen "Carry-On" nun offenbar notgedrungen wieder ein merklich kleineres Brötchen, aber zumindest hat man es doch geschafft, Liam Neeson irgendwie aus der Angelegenheit rauszuhalten... immerhin. Die Originalität schlechthin hat Drehbuchautor T.J. Fixman da auch nicht für sich gepachtet, denn bereits meine wenigen Zeilen Kurz-Inhalt lassen deutlich die Vorbilder durchscheinen, bei denen man sich hier in Sachen Handlung dreist bedient hat: Neben Collet-Serras eigenem "Non-Stop" standen da natürlich auch "Stirb Langsam 2" mit seinem weihnachtlichen Flughafen-Setting sowie John Badhams 1995er-Echtzeit-Thriller "Gegen die Zeit" mit Johnny Depp ganz augenscheinlich Pate... und diese drei Streifen sind auch nach mehreren Jahrzehnten, die sie teilweise bereits auf dem Buckel haben, immer noch WESENTLICH besser als "Carry-On", der mal echt von dem Erzähl-Gimmick des Letztgenannten kräftig profitiert hätte, denn die über annähernd zwei Stunden Laufzeit zerdehnte, dünne Plotte zieht sich da doch ganz schön und hätte durchaus ein wenig mehr Tempo vertragen können. Wie schon so oft zuvor zeigt sich auch hier wieder einmal, dass die Güte von Collet-Serras Werken doch immerzu abhängig von der Qualität der Drehbücher ist, die man ihm da zum Verfilmen in die Hand drückt, denn ein schwaches Skript kann auch er mit seinen Regie-Mätzchen nicht aufpäppeln, wie man ja auch schon an "Unknown Identity" oder "The Shallows" gesehen hat, zumal er sich inszenatorisch auch keine neuen Tricks mehr draufgepackt hat, sondern stattdessen nur noch selbst zu zitieren scheint: Da gibt es wieder mal die im Bild eingeblendeten Text-Nachrichten auf dem Smartphone und ein kurzes Handgemenge in einem Auto, das da wie in "The Commuter" als vermeintliche One-Take-Szene ohne Schnitte präsentiert wird... was allerdings überdeutlich mittels schwacher Effekte in der Post-Pro billig zusammengestoppelt wurde und deshalb auch ziemlich scheisse aussieht. So dürftig die Machart, so dürftig auch die Darsteller: Taron Egerton ist nach den "Kingsman"-Streifen als Action-Held mal wieder kaum ernst zu nehmen und kommt hier stellenweise echt rüber wie "Parker Lewis - Der Coole von der Schule" im John McCLane-Modus, während der eigentlich auf Comedy-Parts geeichte Jason Bateman als skrupelloser Bösewicht doch nur gänzlich fehlbesetzt erscheint. Selbst wenn man die Ansprüche an solche Streaming-Ware aufgrund eigener Erfahrungs-Werte bereits im Vorfeld prophylaktisch runter schraubt, enttäuscht "Carry-On" doch auf ganzer Linie. Schade drum, denn eigentlich würde man Jaume Collet-Serra ja doch mal wieder sowas wie den großartigen "Orphan - Das Waisenkind" (immer noch mit Abstand sein bester Film!) gönnen...

3/10

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