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Die 9-jährige Elsa führt nicht unbedingt ein Leben, das man sich als Mädchen in ihrem Alter so vorstellt. Sie hat keinen Vater, der ihre Mutter verlassen hat, als er erfahren hat, dass sie schwanger ist. Und von ihrer Mutter wird sie vernachlässigt, da diese Nachts lieber mit ihren Freundinnen durch die Straßen zieht, als auf ihre Tochter aufzupassen. Nicht einmal Elsas Namen ist der, der eigentlich für sie bestimmt war, weil das Standesamt das "i" zwischen dem "l" und dem "s" vergessen hat. Symptomatisch also.

Bei Rentner Julien ist es im Grunde nicht viel anders. Von einer möglichen Familie erfahrt man Nichts, der Zuschauer weiß nicht, ob er Kinder hat, verheiratet ist oder es zumindest mal war. Er ist ein Einzelgänger und wohnt zurückgezogen in seiner Wohnung. Seine Leidenschaft gilt ganz dem Sammeln von Schmetterlingen.

Als eines Tages Elsa wieder von ihrer Mutter im Stich gelassen wird, schleicht sie sich in Juliens Auto, der sie, unbemerkt, auf eine Reise durch die Berge Frankreichs nimmt. Auf der Suche nach dem Isabel-Falter. Eine Freundschaft der ungleichen Personen entwickelt sich...

"Der Schmetterling" ist mehr als ein simpler Kinderfilm. Schade, dass er am Karfreitag im Nachmittagsprogramm des RBB versteckt wurde. Er hat schlicht und einfach mehr verdient. Die Entwicklung der Freundschaft Juliens und Elsas zaubert einem nicht nur einmal ein Schmunzeln aufs Gesicht. Anfänglich noch genervt von Elsas naiver und äußerst aufdringlicher Fragestellung, scheint sich nach und nach doch ein Interesse an dem kleinen Mädchen zu entwickeln. Nicht nur das, er fühlt sich richtig verantwortlich für Elsa, erzählt ihr Geschichten und beginnt, auf immer mehr kindliche Fragen seiner ungleichen Freundin ausführlich zu antworten.

Die tollen Naturaufnahmen und die wunderschöne Musikuntermaltung tun ihr Übriges. In poetischen und tollen Bildern erzählt der Film seine Geschichte. Der gefühlskalte Julien, der es gewohnt ist, nicht viel mit Menschen zu tun zu haben und sich ausschließlich auf seine Schmetterlingsammlung konzentriert, entwickelt Gefühle, welche, wie man eines Nachts auf der Hütte in den Bergen erfährt, eigentlich schon immer vorhanden sind, er sie nur nicht zeigt. Man erfährt, wieso er eigentlich auf der Suche nach dem Isabel-Falter ist.

Schauspielerisch wandeln die 2 Protagonisten auf höchster Ebene. Der Film ist auf keinen der Beiden zugeschnitten, sie nehmen sich beide Nichts in Sachen grandiosem und sympathischem Schauspiel. Nicht nur die naive, unschuldige und liebe Elsa gewinnt die Zuschauer für sich, auch der kauzige und bisweilen übertrieben launische Julien wirkt von Anfang an äußerst sympathisch.

Die Tatsache, dass Elsa verschwunden ist und ihre Mutter sich sogar irgendwann mal richtige Sorgen macht, spielt im Film gar keine so große Rolle. Das ist auch nicht Sinn des Ganzen. Elsas Mutter, die laut Elsa zufällig auch Isabel heißt, wie der Falter, nachdem sie suchen, spielt eher eine untergeordnete Rolle, genauso wie die Gendarms. Im Mittelpunkt steht die Entwicklung der Freundschaft der beiden ungleichen Hauptdarsteller und vor allem die Art und Weise, wie diese entsteht.

Alles in allem wirklich ein sehr sehr sehenswerter Film, der auch zurecht seine Durchschnittsnote bei ofdb besitzt. Leider in Deutschland wohl viel zu unbeachtet und unbekannt, in den französischen Kinos lockte er immerhin über eine Million Zuschauer an. Doch die Franzosen sind ja bekannt, sehenswerte Filme zu machen.

8,5/10 Punkte

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