Als Wanderer zwischen den Welten hat der '67 geborene Frankie Lam in seiner seit den späten Achtzigern angelaufenen Karriere alle möglichen Wege und Gelegenheiten genutzt, um die schnell vorhandene Karriere aufzubauen und möglichst zu halten, mit unterschiedlichen Erfolg.. Ursprünglich als Sänger gestartet wurde er von TVB (=Television Broadcasts Limited) schnell als Schauspieler aufgebaut und hatte auch die entsprechenden Serien im Angebot, die ihn bei Publikum für eine Weile beliebt machten, Looking Back in Anger (1989) bereits, Revelation of the Last Hero (1992) auch zu Beginn, später Armed Reaction IV (2003) oder die ersten beiden Forensic Heroes (2006 respektive 2008) Produktionen. Lam hat zu dieser Zeit bzw. davor auch seine Möglichkeiten in den damals hergestellten Fernsehfilme erhalten, einer davon My Love, My Enemy, einer der vielen Thriller des Senders, ein Spiel mit Antäuschung, Vortäuschung und entsprechenden Risiken und Gefahren, ein mysteriöses und tödliches Geflecht:
Qiang [ Savio Tsang ] und An [ Frankie Lam ] sind seit ihrer Kindheit enge Freunde. Als An etwa zehn Jahre alt war, stellte er sich bei einem Mobbingvorfall mutig vor Qiang, um ihn zu retten, woraufhin der mächtige Unterweltboss Xiong auf ihn aufmerksam wurde. Dies führte dazu, dass An als Erwachsener der Unterwelt beitrat und ein Boss innerhalb der kriminellen Organisation wurde, wobei er von Xiong sehr geschätzt wurde. Qiang hingegen wurde ein Ermittler in der schweren Kriminalitätsabteilung.
1978 beginnt ursprünglich die Geschichte, in früher Kindheit noch, in unbeschwerter Weise, in aller Freundschaft, gemeinschaftlich verbunden durch Aufgewachsen in selber Herkunft. Lange hält der Frieden nicht vor, die Gegend nicht die beste, das Kriminellentum hält schon Einzug, macht selbst vor Kindern und Heranwachsenden nicht Halt, eine erste Lehre, die Lektion der Zukunft. Die Triaden beherrschen das Viertel, sie nehmen Geld zum 'Schutz' und zur Erpressung, eine Kameradschaft auf der Probe, ein Schwerverletzter in Notwehr, mit der abgebrochenen Leuchtstoffröhre als Verteidigung. Die Polizei ist spät dran und verspätet vor Ort, das zieht sich so in einem fort. Jahre sind ins Land verstrichen, die Zeiten sich geändert, ein Aufstieg wurd' vollzogen, man kleidet sich anders, man gehört zur Ehrenwerten Gesellschaft, in höchsten Kreise man diniert, von schönen Frauen wird man hofieret. In der Jetztzeit spielt die wesentliche Handlung, man ist gewohnt zu nehmen und zu geben, man ist auch von Gefahr umgeben, in erster Anschlag noch im Badezimmer eines Restaurants, urplötzlich und nichtsahnend. Geblutet wird und gestürzt (durch Glas), gekämpft und geschossen, ein misslungenes Attentat, vereitelt zufällig durch eine 'Madam'.
Ein Gangsterkrieg bricht aus, Prügelei und Verhaftungen auf den Straßen, wilde Handgemenge, Flucht und Verfolgung, mal auch das Auto als Rammbock benutzt; als Polizeirevier (und das Krankenhaus) anschließend voll mit Verhaftungen und mit Beschwerden. Der Cops VS Robbers Plot wird hier geboten und variiert, die Welt als ein Areal voller Gewalt und natürlich auch voller Zufälle gezeichnet, man kennt sich und man liebt sich (nicht), das Private bald so schwierig wie das Berufliche, es überschneidet sich. Der Polizeifilm und der Triadenfilm hier, Heroic Bloodshed in Reinkultur, mit viel Aggression gleich zu Beginn und fortwährend, mit Energie seitens der Regie, mit viel Diskussion auf beiden Seiten. Die Handlung durch die Kindheit vorgeschrieben und geprägt, ein Ausleben als Erwachsener, der Weg war längst gezeichnet, er wird jetzt bloß bestritten. My Enemy, My Love dabei ist Diktat und als Traktat, ein Überschreiten ungeschriebener Grenzen, ein Versuch des Lebens zwischen den vollkommen unterschiedlichen Welten. Zwei Seiten einer Medaille, Pflichterfüllung gegen Gefühle, dazu das Geschehen von früher, man sieht sich immer zweimal im Leben.
Nach dem Auftakt wird das Tempo natürlich etwas ruhiger, die Personen vorgestellt, ihr bisheriges Dasein, die Zusammenhänge im Hier und Heute erklärt. Gemeinsamkeiten werden festgestellt, auf den Unterschieden wird beharrt, manchmal hilft auch der Zufall, das Schicksal oder der Drehbuchautor; eine explosive Dreiecksbeziehung und eine buchstäbliche Explosion kündigt sich sn, zumindest hält sich das in den Zwischentafeln bereit; doch erstmals werden die Verhältnisse und ihre Veränderungen, gewollt oder nicht gewollt geklärt. Eine Lehre hier kann man schon mal ziehen, Hartnäckigkeit zahlt sich aus, zudem scheint die Produktion etwas besser gestellt zu sein, die Wohnverhältnisse angenehmer, die Statisterie voller, ein größeres Prozedere, später ein gröberes Prozedere, mit einem Außenseiter und dessen zukunftsweisende Entscheidung. Lam spielt seine rolle solide, von dem Rest der Darsteller kennt man mal Denjenigen und Mal den Anderen, der Rest ist unbekanntermaßen und per Credits bloß zu identifizieren. Lautgesprochen wird zumindest oft, die Waffen gezückt, der Runde Tisch verursacht eher die Verschärfung der internen Streitigkeiten, es wird nicht verhandelt, es wird bloß gedroht.
Die Brutalitäten der Hak Sek Wui werden teilweise angedeutet, teilweise ausgespielt, Auge um Auge, Zahn um Zahn, andere Sitten kehren ein, dagegen war es früher beschaulicher. Mit ein Grund für die Modifizierung des Wesens, für dein Einsatz der Gedankengänge, für anstehende Überlegungen, nicht alles bleibt beim Alten, vieles verändert sich, und dies zum Schlechten. Die Wahl der Schauspieler dabei gelungen, ein weiterer Beitrag zum Crime, dem steten Kampf zwischen Gangster und der Polizei, hier mit einer Frau vermehrt in der Hauptrolle, bald auch in der Bredouille, zwei Männer als Buhler. Alt und neu, Sicherheit und Gefahr, Konventionalität und das gewisse Gefühl und Gespür des Frischen, des Verbotenen, der Bedrohung. Eine moralisch schwierige Lage, Kopf gegen Herz, Verstand gegen Intuition, Vorurteile gehören überdenkt und werden manchmal auch bestätigt, das Dilemma der Mehrdeutigkeit der Existenz. Die Inszenierung verhält sich dabei einfach, es ist oft ein Zwei- oder Drei-Personen-Stück, einer kommt, einer geht, alle ein wenig dialoglastig auf Dauer, man hört sich gerne reden. Ein Waffendeal zur Halbzeit lässt dann das Blei und Blut spritzen, die Macheten schlagen Funken beim Aufeinandertreffen, die Ernsthaftigkeit nimmt ihren Einzug, nicht, dass es vorher fröhlicher im Ansinnen war. Zuweilen gerät man auch zusammen in einen Angriff, aus der Nichtigkeit heraus, aus der schlichten Konkurrenz zwischen den Banden, am falschen Ort zum falschen Zeitpunkt. Drei sind einer Zuviel, heißt es dann bald, zudem nehmen die Razzien zu, von oben, von Gregory Charles Rivers angeordnet, die Briten in der Kronkolonie noch in der Herrschergewalt; der Showdown im Verladehafen, eine großflächig blutige Flammenhölle.