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Im März diesen Jahres ist Erwin Geschonneck im hohen Alter von 101 Jahren verstorben. Er gehörte zweifelsohne zu den bekanntesten Schauspielern in der DDR und stellte seine Wandlungsfähigkeit in den verschiedensten Charakterrollen unter Beweis, wie in „Nackt unter Wölfen" oder im Märchenfilm „Das kalte Herz". Kultstatus erreichte mit ihm auch die Nachkriegskomödie „Karbid und Sauerampfer", wo er als gewissenhafter Arbeiter Kalle sieben Fässer Karbid durch die Gegend kutschiert und dabei allerlei seltsame Abenteuer erleben muss. Lang ist es her, dass ich diese Filme gesehen habe.

Doch neulich fiel mir diese DEFA-Klamotte wieder mal in die Hände. Der Film handelt von Benno, der in den Ferien eine Kleingartensparte aufmischt. Sein „Ferien-Opa" Oskar ist alles andere als begeistert von seinen Streichen, hat aber selber genug zu tun mit seiner streitsüchtigen Gartennachbarin Irma Kalweit (Agnes Kraus) oder dem jungen Ralf Klotz (Henry Hübchen), der sein Kofferradio auf Anschlag dreht und die Mädels im Minutentakt abschleppt. Doch Oskar wehrt sich mit seinen Methoden und ist damit überhaupt kein gutes Beispiel für Benno und seinem Ferienkumpel Mutz.

Klar, der Zweiteiler verkörpert seichte Komödienkost und die Story mit Streiche spielenden Ferienkinder ist auch Anno 1982 nicht neu. Doch bei „Benno macht Geschichten" werden diese Banalitäten über den Durchschnitt gehoben, was insbesondere dem genialen Schauspiel der kauzigen Nachbarn Geschonneck und Kraus zu verdanken ist. Zudem ist der Film heute ein verschmitzter Rückblick auf eine betuliche DDR-Kleingarten-Idylle, ohne jedoch den heutigen Betrachter mit übertrieben sozialistischen Assoziationen zu befremden. So gelingt eine augenzwinkernde Zeichnung des damaligen Alltages, egal ob unkomplizierte Nachbarschaftshilfe (Oskar hilft als Elektriker im Ruhestand im nahe gelegenen Ferienlager aus), die immer bereit stehenden Schnapsgläser (klar wurde damals mehr Hartes gesoffen) oder die gar gruslige Einheitsschrankwand, die auch in einer mittelgroßen Massivlaube nicht fehlen durfte. Oft sind es eben die Details, die den Charme ausmachen.

Fazit: Amüsanter Rückblick auf vergangene Tage, die lange her zu sein scheinen. Für eine Komödie wie „Benno macht Geschichten" waren Schauspieler wie Erwin Geschonneck ein wahrer Glücksfall und kann gerade deshalb immer noch empfohlen werden.

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