Ouijabrett seine Mama!
Chuck Russell muss einem Horrorottonormalgucker nicht unbedingt direkt etwas sagen auf dem Regiestuhl. Gerade weil er eher nur in seiner Anfangszeit starkes Zeug herausgehauen hat. Härteren Horrorheads könnte aber ein Licht aufgehen - „Nightmare on Elm Street III“, „The Blob“ (1988), „Die Maske“, „Eraser“ oder „The Scorpion King“. Jup, eine kleine Nummer war er nicht. Dann ist er etwas im Serien- und Videothekenmorast versumpft, aber bewiesen, dass er sein Handwerk beherrscht, hat er allemal. Nun ist er in seinem Metier zurück - mit „Witchboard“, einem Light-Remake des gleichnamigen 80er-Vehikels, in dem ein altes Hexenbrett in New Orleans für Tote und schlechten Geschmack sorgt…
Man merkt bei „Witchboard“ einfach, dass einer am Steuer sitzt, der weiß wie es geht und aus einer handfesteren Zeit kommt - und das selbst mit solchem Mainstreammaterial! Russell hält das Ding gemein genug, trotz einiger ambitionierter Nebenschauplätze ufert es nicht zu sehr aus, die Härte ist da, ein paar Oneliner sitzen und Madison Iseman verbindet Attraktivität, Schönheit und veritable Scream Queen-Qualitäten. Der Cast allgemein ist äußerst attraktiv. Etliche Momente erinnern an „Final Destination“, es gibt sogar mittelalterliche Abstecher in die Zeit der Hexenverbrennung und eine buschige Katze wie in „Friedhof der Kuscheltiere“ wird auch noch in den Cocktail geworfen. All das mag in seinen schlechtesten Phasen etwas generisch nach Kraut und Rüben schmecken. Die meiste Zeit geht das aber überraschend gut durch. Dank Russell, meiner Meinung nach! Ohne all das jetzt zu weit über aktuellen Massengeschmack und Durchschnitt zu heben. Aber schlecht ist's jedenfalls nicht. Da hatte ich ganz anderes befürchtet…
Fazit: Chuck Russell kann’s noch - nicht mehr so wie früher, aber unterhaltsam und augenzwinkernd und gory genug! Eine der leichteren positiven Überraschungen des Mainstreamhorrorjahres!