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Ganz sanft nimmt das Mädchen die Raupe aus dem Terrarium und reicht sie auf seinem Finger dem kleinen affenartigen Wesen. Dies nimmt es mit seiner Kralle und…setzt es zurück ins Terrarium. In jedem anderen zeitgenössischen Film wäre die Raupe wohl Zack! im Magen des Wesens gelandet. THE LEGEND OF OCCHI ist jedoch kein solcher Film. 

Der erste „Familienfilm“ des Arthouse-Studios A24 ist eine etwas sperrige Mischung aus Adventure, Coming of Age, Fantasy und Creature Feature, so als hätten Wes Anderson, David Lowery und Taika Waititi E.T. neu inszeniert. 

Die Story ist simpel, es ist die gleiche, die u. a. auch schon HOW TO TRAIN YOUR DRAGON erzählt hat: In der Nähe eines entlegenen Dorfs in den Karpaten leben „Ochis“ im Wald, Fabelwesen, die Orang Utans gleichen, mit spitzen Zähnen und scharfen Krallen. Während ihr Vater (Willem Dafoe) und ihr Bruder (Finn Wolfhard) zusammen mit den Dorfjungen Jagd auf die angeblichen Monster machen, nimmt Yuri (Helena Zengel, SYSTEMSPRENGER) ein kleines verletztes Ochi in ihre Obhut, um es zu seiner Familie zurückzubringen. 

Die Stärke des Films ist jedoch nicht seine Story, es sind seine Bilder: Regiedebütant Isaiah Saxon hat ein unglaubliches Gespür für Szenerien und der Computer wurde hier erfreulicherweise mal nicht hauptsächlich für die Kreaturen, sondern für das Kreieren magischer Landschaften und Lichtstimmungen eingesetzt. Die Occhis wurden völlig überzeugend mit Puppen umgesetzt, nicht selten wirkt das kleine Äffchen wie ein enger Verwandter von "Baby Yoda". Selbst ihr Gesang stammt nicht aus dem Computer, sondern von einem Vogelimitator. 

Man braucht angesichts der extremen Gefühligkeit hier schon eine hohe Kitschtoleranz. Aber wenn man in der Stimmung für einen einfachen, altmodischen und emotionalen Fantasyabenteuer ist, dann trifft dieser ins Schwarze.

6.5/10

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