Review

Zwischen Blut, Bewusstsein und Beziehungschaos

Es beginnt, wie so vieles im modernen Genrekino, mit einem leisen Unbehagen. Einer dieser Filme, bei denen man sich nach den ersten zehn Minuten fragt: Was genau soll das werden? Horror? Sci-Fi? Beziehungstragödie? Existenzialistisches Kammerspiel mit Splatter-Einlage? Drew Hancocks Langfilmdebüt Companion möchte alles davon sein – und ist gerade dadurch in seinen besten Momenten faszinierend, in seinen schwächeren aber ein wenig überfordert. Es ist ein wilder, genreverliebter Ritt zwischen Horror, Science-Fiction und Beziehungsdrama, der nicht immer elegant durch die Kurven kommt, aber immerhin Mut beweist, Gas zu geben.

Über die Handlung darf man eigentlich gar nicht viel sagen – und das ist auch gut so. Companion ist einer dieser Filme, bei denen man sich am besten komplett unvorbereitet reinfallen lässt. Wer vorher zu viel googelt, nimmt sich selbst den Spaß an den kleinen, fiesen Überraschungen, die Hancock so liebevoll in die Ecken des Drehbuchs gestreut hat. Nur so viel: Eine Gruppe junger Menschen macht sich auf den Weg in eine abgelegene Hütte – der Klassiker also. Was zunächst wie ein melancholischer Roadtrip unter Freunden wirkt, entpuppt sich bald als eine Reise in die menschliche Psyche, irgendwo zwischen Körperhorror und Identitätskrise. Beziehungen zerfallen, Geheimnisse platzen wie überreife Früchte, und der Begriff „Begleiter“ bekommt eine beunruhigend neue Bedeutung.

Klingt nach altbekannter Horror-Kost? Vielleicht. Doch Companion spielt clever mit Erwartungen. Das Drehbuch serviert vertraute Tropen nur, um sie im nächsten Moment genüsslich auf den Kopf zu stellen. Hancock weiß, wie man Spannung aufbaut – aber er weiß auch, wann man sie mit einem lakonischen Augenzwinkern bricht. Er zitiert, persifliert, variiert. Das Ergebnis ist ein Film, der nie ganz berechenbar wird, und genau das hält einen bei Laune.

Drew Hancock, der hier sein Spielfilmdebüt hinlegt, hat offensichtlich Spaß an der Sache. Das Drehbuch wirkt wie ein Cocktail aus emotionalem Indie-Drama und oldschool Horror mit Sci-Fi-Twist – geschüttelt, nicht gerührt. Leider kippt die Mischung zwischendurch ein wenig. Manche Dialoge wollen bedeutungsschwer sein, landen aber eher im leicht ironischen Overacting. Andere wiederum sind herrlich pointiert und beweisen, dass Hancock Humor hat – nur weiß der Film manchmal selbst nicht, ob er gerade witzig, tragisch oder einfach nur verstörend sein will. Drew Hancock will mehr, als bloß zu unterhalten: Es geht um Einsamkeit, Identität, das Bedürfnis nach Kontrolle – und den Albtraum, wenn Nähe zum Zwang wird. Das ist ambitioniert, vielleicht etwas zu sehr. Denn bei all der thematischen Schwere bleibt die Balance nicht immer gewahrt. Ein bisschen mehr Fokus, ein bisschen weniger „alles auf einmal“ – und Companion hätte vielleicht richtig groß werden können. Doch so sehr er sich an manchen Stellen verrennt, er bleibt dabei stets unterhaltsam. Das Drehbuch mag schwanken, aber es tut das mit Stil und Selbstbewusstsein. Und ja, der Film ist teilweise herrlich überdreht. Wenn’s blutig wird, dann richtig. Keine Scheu vor der roten Farbe – aber nie reiner Selbstzweck. Hancock zelebriert seine Splatter-Momente mit sichtbarer Freude, aber nie mit reiner Effekthascherei. Das Blut spritzt, aber es tut das mit Stil. Und wer eine Schwäche für handgemachte Effekte hat, wird hier durchaus auf seine Kosten kommen.

Es ist vor allem den Darstellern zu verdanken, dass Companion trotz all seiner genretypischen Exzesse geerdet bleibt. Jack Quaid (bekannt aus The Boys) liefert hier eine Performance ab, die zwischen sympathisch, verletzlich und latent wahnsinnig pendelt. Er hat dieses Talent, gleichzeitig charmant und unheimlich zu wirken – genau das, was die Rolle braucht. Sophie Thatcher, die man spätestens seit Yellowjackets auf dem Radar haben sollte, ist schlicht überragend. Sie trägt die emotionalen Spannungen des Films mit einer physischen Präsenz, die beeindruckt. Ihre Figur ist keine klassische „Final Girl“-Karikatur, sondern eine Frau zwischen Angst, Wut und Selbstbehauptung. Thatcher spielt das mit feiner Nuancierung, ohne in Pathos oder Hysterie zu verfallen. Auch der Rest des Ensembles – durchweg solide bis hervorragend – fügt sich stimmig ein.

Fazit

Companion ist ein Film voller Ideen – vielleicht zu vieler. Er will gleichzeitig verstören, berühren, unterhalten, philosophieren und bluten. Das gelingt nicht immer in gleichem Maße. Der Genre-Mix ist interessant, aber nicht immer harmonisch - ein bisschen zu wild, zu sprunghaft, zu unentschieden. Manche Wendungen wirken forciert, manche Emotionen bleiben an der Oberfläche, und so ganz vom Hocker gehauen hat mich das Ganze am Ende nicht. Dennoch, der Film ist intelligent, stilbewusst und mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Man spürt in jeder Einstellung, dass Drew Hancock ein Regisseur ist, der etwas Eigenes erzählen will. Und das ist in einer Zeit, in der so viele Filme glattgeschliffen, formelhaft und risikoscheu sind, schon ein kleines Lob wert. Am Ende bleibt Companion ein kurioser, blutgetränkter, emotionaler Trip, der vielleicht nicht alles richtig macht, aber wenigstens etwas wagt. Und das ist heutzutage schon eine Menge wert.


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