Review

Ein Roman über das Durchleben von Grenzsituationen, wenn uns Tod, Leid, Kampf, Zufall und Schuld als etwas Unvermeidbares und Undurchdringliches entgegentreten.

Ein Roman über ein Pechvogel, eine tragische Figur, jung, ehrlich und gutherzig, der unschuldig inhaftiert wird und später zu einer bewusst mächtigen Figur wird, allerdings innerlich von Hass und Rachegedanken zerfressen.

Ein Abenteuerroman und auch ein Liebesroman, spannend erzählt, mit starken Figuren und philosophischem Anspruch.

Das alles und noch viel mehr findet man in der grandiosen Geschichte von Alexandre Dumas (dem Älteren): Der Graf von Monte Christo

Die Verfilmungen dieses sehr umfangreichen Romans (über 1000 Seiten) mit der komplexen Erzählstruktur muss man differenzierter Betrachten und stehen und fallen mit dem Teil der Geschichte die man zeigen möchte und natürlich mit der Glaubwürdigkeit der Schauspieler/innen. Den Film/Serie müsste man in zwei Teile betrachten. Einmal die Handlung um den jungen Edmond Dantes und dann die Entwicklung zum kalten Rächer als Graf.

Gérard Depardieu ist ein wundervoller Schauspieler, aber wenn ihm zum Beispiel aus der Gefängnisinsel Chateau d'If die Flucht gelingt und er sich, mit seinen 240 kg und frisch rasiert über seine neu gewonnene Freiheit freut, fragt man sich schon was es im Gefängnis zum Essen gab, vermutlich Filet Stroganoff mit weißer Piedmont-Trüffel Soße, dazu ein Château Mouton-Rothschild Wein um die Krümelreste im Mund wegzuspülen. Das ist dann nicht sehr glaubwürdig.

Die Verfilmungen gefallen mir alle nicht schlecht, sehr gut fand ich die mit Richard Chamberlain von 1975 und die 2024er Neuverfilmung mit Pierre Niney.

Ganz hervorragend finde ich die moderne und zugleich respektvolle Neuinterpretation des Klassikers vom dänischen Filmregisseur Bille August mit Sam Claflin und Ana Girardot in den Hauptrollen. Jedem der sich mit dem Roman auseinandergesetzt hat dem würde ich diese Serie empfehlen.

Die Serie überzeugt vor allem durch ihre hochwertige Inszenierung, einer dichten Atmosphäre und einem starken Hauptdarsteller: Sam Claflin verleiht Edmond Dantès eine beeindruckende Mischung aus Verletzlichkeit, innerer Zerrissenheit und kalter Entschlossenheit. Sein Wandel vom unschuldigen jungen Mann zum berechnenden Rächer ist fantastisch gespielt, wirkt glaubwürdig und emotional nachvollziehbar. Allein die Szene in der er sich als Graf seiner ehemaligen Verlobten Mercédès zu erkennen gibt ist großartig und erzeugt Gänsehaut. Von Ana Girardot bin ich ja sowieso begeistert und schaue mir alles von ihr an.

Besonders hervorzuheben ist auch die visuelle Umsetzung. Die opulenten Kostüme, die detailreichen Schauplätze und die sorgfältige Kameraarbeit transportieren den Zuschauer wirkungsvoll ins historische Europa. Gleichzeitig nimmt sich die Serie Zeit für die psychologische Entwicklung der Figuren, was der Geschichte zusätzliche Tiefe verleiht. Themen wie Verrat, Gerechtigkeit, Identität und moralische Grenzen werden nuanciert behandelt, ohne dabei an Spannung zu verlieren. Was mir auch sehr gut gefallen hat das es Anspielungen auf Teile des Romanes gibt die aber nicht groß thematisiert werden. Zum Beispiel die Drogensucht des Grafen oder die orientalische Einstellung das man mit seinen Feinden nicht zusammen speist, sehr gelungen.

Nicht jeder Handlungsstrang entfaltet sofort seine volle Wirkung und Kenner des Romans werden sich dann auch besser in der Erzählstruktur zurechtfinden. Das ruhige Tempo der Serie erfordert etwas Geduld. Doch wer sich darauf einlässt, wird mit einer intensiven, stilvollen und emotionalen Serienadaption belohnt.

Der Graf von Monte Christo von Bille August ist damit sowohl für Kenner der Vorlage als auch für Neueinsteiger sehenswert – ein klassisches Rachedrama, das zeitlos aktuell bleibt.

Von mir eine klare Empfehlung, auch wenn man bereits mehrere Verfilmungen gesehen hat. Ich hätte mir aber dann doch mehr Folgen gewünscht und dem Treiben gerne länger zugeschaut.

Aus Rache gibt es, wegen dem fehlenden Mut der Produzenten, einen Punktabzug.










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