Raucher gefährden Ihre Gesundheit
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Es dauert eine ganze Weile, bis unser Titelheld auf der Bildfläche erscheint. Unter anderem auch deshalb, weil der Vorspann inklusive Produktionsfirmenportraits und diversen auf malayalam geschriebenen und nicht untertitelten Einblendungen rund sieben Minuten dauert. Doch zumindest erfahren wir im Titelsong, was für ein toller Hecht dieser Marco wohl sein muss, halb Gott, halb Teufel, was für eine Legende, jetzt schon!
Als der Halbgott dann tatsächlich in Erscheinung tritt, werden die ersten Zuschauer schon ohnmächtig: Was ein Mann! Wenn Marco kommt, steht die Erde still und dreht sich in Zeitlupe weiter! Marco hat seinen eigenen Kinderchor! Marco liebt Hunde und behandelt sie deshalb wie Menschen, sprich, reißt sie in zwei Teile! Marco kann sich während dem Kämpfen eine Zigarette anzünden! Wenn Marco fertiggekämpft hat, landet eine weiße Taube auf seiner Schulter!
Nach Marcos erstem Auftritt, ach was, nach seiner ersten ERSCHEINUNG muss man bis zur groß angekündigten „old ultraviolence“ allerdings noch einige Familiendiskussionen und einen Rückblendensong durchhalten. Denn die Geschäftspartner von Marcos Familie, in die er ja eigentlich nur als Adoptivsohn hineingerutscht ist, haben Marcos blinden (auch das noch!) Adoptivbruder gekillt, der ihm aber so am Herz lag wie ein echter Bruder, nur weiß natürlich noch niemand, dass es die Geschäftspartner waren und nun sitzen alle zusammen und dann kommt Marco und schwört Rache.
Für Marco ist die Familie wichtiger als für Dominic Toretto! (Es sei denn, jemand aus der Familie verrät jemand anderen aus der Familie, dann dürfen auch Familienmitglieder abgeschlachtet werden, Rache muss sein.) Und wenn Marco traurig ist, müssen alle Synthie-Geigen hören!
Durch die sprunghafte Inszenierung und die schlecht übersetzten, ebenso sprunghaft wieder weggeblendeten Untertitel lässt sich nicht alles genau nachvollziehen, was sonst noch an Intrigen abläuft, klar ist nur: Marco will Rache! Marco hat die beste Frisur von allen! Marco wird fürs Rauchen bezahlt! Und wenn Marcos Freundin ihm sagt, er sei toxisch, dann HAT SIE UNRECHT!
Überhaupt: Marcos Freundin. Da hält sich der Film auch nicht lange auf mit. Zwei kurze Szenen, dann wird sie in den Schrank gesteckt. In einem anderen Genre würde man denken, Marco hätte sie sich nur eingebildet und in Wirklichkeit ist sie nur ein Geist. Aber hey, vielleicht datet Marco ja Geister! Zuzutrauen wäre es ihm, so ein Teufelskerl!
Und dann geht es los: Mit Messern, Schwertern, Schrotflinten und Kettensägen wird gemetzelt und gefoltert, als gäbe es kein Morgen (gibt es ja für die meisten Bösewichtkomparsen auch nicht). Die Brutalität geht soweit in Ordnung, bewegt sich manchmal gefährlich am Rande der Gewaltverherrlichung, ist in einigen Szenen aber genau so over the top wie die Inszenierung von Supermarco und daher eher zum Lachen als zum Zusammenzucken. Nur gegen Ende macht sich eine unnötige Grausamkeit breit, die dem Film wohl hauptsächlich zu seinem Ruf verholfen hat und bei der einige Grenzen überschritten werden, die selbst asiatische Filme selten anrühren.
Aber was soll’s: Marco hat sein eigenes Parfum und es heißt Marco! Und das trägt er natürlich zum großen Showdown auf! Und dort zeigt sich schließlich: Marco raucht nicht, Marco brennt! Es ist der Wahnsinn. Dieser Marco. Das Loblied auf Marco im Abspann singt übrigens Chuck Norris. Gut, das war gelogen, aber verrückt ist: Alles andere ist WAHR!
6.5/10