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Eine Patchworkfamilie, der Prinz lädt zum Tanz, nicht alle dürfen hin, doch ein verlorener Schuh führt zur Auserwählten. Das kommt einem doch bekannt vor, jedoch verschiebt das nach Motiven aus mancher Variante des Märchens „Aschenputtel“ inszenierte Horrordrama von Emilie Blichfeldt die Perspektive. Es steht nicht Cinderella bzw. hier Agnes im Mittelpunkt, sondern eine der Stiefschwestern. Die schmerzhafte Transformation Elviras, die unter allen Umständen den Prinzen ehelichen möchte und so an ihrem Äußeren schrauben lässt, ist eine Satire im Märchengewand und verbindet diese beiden Stile zu einem ansehnlichen Werk. 

Dieses entsteht nicht ohne Ekelfaktor, Blichfeldt hält schon mal gerne drauf. Die Effekte sind dabei ordentlich gebastelt und mitunter schmerzhaft anzusehen, ihr Einsatz ist dabei zielstrebig und verkommt nicht zum Selbstzweck. Der Body-Horror ist hier Bestandteil der Erzählung über krankhaften Schönheitswahn und fragwürdige Rollenbilder sowie Motivationen, um einem Idioten mitsamt Gefolge zu gefallen. Vom Hammer bis zum Ozempic-Wurm ist einiges dabei, befeuert durch den Druck von außen und die eigenen ausgebeuteten Sehnsüchte. Alles verpackt in einer gelungenen Optik, wobei die Ausstattung das Gesehene in der Vergangenheit verortet, die Synthieklänge die Gesellschaftskritik aber berechtigterweise auch ins Heute zerren.
Das Werk bietet eine gut aufspielende Lea Myren in der Titelrolle und in grotesker Weise auch mal was zum Lachen. Dazu blickt Blichfeldt, die auch das Skript verfasste, regelmäßig noch auf andere Figuren, deren Rollen im weiteren Verlauf aber an Zugkraft verlieren und etwas Zeit fressen, was zu dem insgesamt eher gemächlichen Tempo beiträgt.

„Es ist zum Sterben schön.“

Aschenbrödels Stiefschwester ohne Haselnüsse in „The Substance“.

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