Bei Geschichten, die sich in Maine abspielen, denkt man unweigerlich an Stephen King, dessen Inhalte häufig in seinem Heimatgebiet stattfanden. Die wahre Geschichte eines verirrten Jungen in den weiten Wäldern wäre für ihn im Grunde eine Steilvorlage gewesen und, - man kann es nur vermuten, wohl auch deutlich spannender ausgefallen als vorliegender Abenteuerfilm.
Maine im Sommer 1939: Vater Donald unternimmt mit seinen drei Söhnen und einem Guide eine Bergtour zur Erklimmung des Mount Katahdin. Doch als ein Unwetter aufzieht, löst sich der rebellische, 12jährige Donn von der Gruppe und geht verloren. Seine Familie setzt alle Hebel in Bewegung, um ihn aufzuspüren, während der Junge orientierungslos in der Wildnis umherirrt…
Die Macher um Regisseur Andrew Boodhoo Kightlinger trauten offenbar ihrem eigenen Erzählfundament nicht, weshalb es mittendrin und in regelmäßigen Abständen Interviewfetzen diverser Zeitzeugen gibt. Entsprechend bremst sich die eigentliche Handlung immer wieder aus und es entsteht der Eindruck einer unentschlossenen Mixtur aus Doku und Spielfilm, was natürlich kaum einen notwendigen Erzählfluss zulässt.
Dabei ist die Tatsache eines verlorenen Jungen, der die Ernsthaftigkeit seiner Situation zunächst mit Spielchen am Wasserfall sichtlich ignoriert, im Grunde dringlich genug, doch eben jene Dringlichkeit schimmert zu keiner Zeit so recht durch. Zumal etwaige Suchtrupps willkürlich und scheinbar unstrukturiert suchen, wodurch eine räumliche Zuordnung gar nicht möglich ist, da es hier um ein Gebiet von 40.000 Hektar geht.
Auch der ursprüngliche Vater/Sohn Konflikt verwässert im Verlauf und man verlässt die isolierte Ausgangsposition des Jungen zu häufig, um die Sorge der Eltern einzubinden, - verständlich, aber zu ausufernd. Und so fiebert man nur sehr bedingt mit Donn mit, der zwar ohne Hose und Schuhe umherirrt, doch es immerhin schafft, regelmäßig zu trinken, Beeren zu pflücken und sogar einen Fisch zu fangen, obgleich er ihn anschließend roh verspeisen muss.
Dennoch hat man nie den Eindruck von Lebensgefahr, nicht zuletzt untermalt von einem überaus beruhigenden Score und einer mäandernden Erzählweise, die weder Tempo, noch Action einbindet.
Während die Chose allenfalls tauglich performt wird, da es im Allgemeinen an Nuancen und Präsenz fehlt, sind die Landschaften immerhin stimmungsvoll eingefangen, Nahaufnahmen einiger weniger Tiere durchweg gelungen und auch die Abteilung Make-up arbeitet passabel.
Die Geschichte lässt hingegen kaum Spannung aufkommen und wenn man bedenkt, dass hier wahre Schicksale als Grundlage dienten, ist vorliegendes Werk ein enttäuschendes Beispiel verschenkten Potenzials.
4 von 10